Sparkassen und Gehälter
Die Gallier aus Fröndenberg

Wir befinden uns im Jahre 2015. Ganz Nordrhein-Westfalen ist vom Transparenzgesetz für Sparkassen-Gehälter erfasst. Ganz NRW? Nein! Ein von einer unbeugsamen Frau geführtes Institut hört nicht auf, Widerstand zu leisten.
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Berlin/FrankfurtPetra Otte hat Nein gesagt. Nein dazu, dass sie Ihr Gehalt und das ihres Vorstandskollegen einzeln veröffentlicht. Die Chefin der Sparkasse Fröndenberg sorgt damit für Schlagzeilen. Das kleine Institut – das kleinste Institut der 104 nordrhein-westfälischen Sparkassen – weigert sich, einem Anliegen des Bundeslandes zu folgen.

Das Gesetz zur Schaffung von mehr Transparenz in öffentlichen Unternehmen verlangt seit Ende 2009, dass jedes einzelne Mitglied von Vorstand und Verwaltungsrat seine Bezüge pro Geschäftsjahr veröffentlich. Darauf hat der Träger der Sparkasse, also die Kommune, „hinzuwirken“.

Für helle Freude hat das bei den Sparkassen im bevölkerungsstärksten Bundesland nicht gesorgt. Ganz im Gegenteil: Bei etlichen der Geldhäuser weigerten sich Vorstände und Verwaltungsräte zunächst, ihre Bezüge offenzulegen. Dabei beließ es die Sparkassenaufsicht, die beim Finanzministerium angesiedelt ist, aber nicht. Immer wieder hakte sie nach.

Zähneknirschend sind der Vorgabe nach und nach alle Sparkassen nachgekommen – oder haben das angekündigt. Vor einem Jahr waren es noch sechs Institute, die nicht alle Angaben genannt haben. Sie geloben Besserung, bis auf Fröndenberg. Am Donnerstag wird sich der Landtag in Düsseldorf mit dem Thema und Widerstandsnest in Fröndenberg befassen.

Otte verweist auf den Jahresabschluss 2014. Dort heißt es mit Verweis auf das Handelsgesetzbuch (HGB): „Die Angabe der Gesamtbezüge des Vorstands unterbleibt nach § 286 Abs. 4 HGB, weil sich aus einer solchen Angabe die Bezüge eines einzelnen Vorstandsmitglieds annähernd verlässlich ableiten lassen.“ Und: Die Haltung der Sparkasse wird gestützt durch ein Rechtsgutachten. Mehr will das Institut dazu nicht sagen.

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Kommentare zu " Sparkassen und Gehälter: Die Gallier aus Fröndenberg"

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  • es ist ja wohl ein Riesiger Unterschied ob die Behörden wissen was jemand verdient. Spätestens das Finanzamt wird es wissen. Oder aber ob es in den Medien im Internet veröffentlicht wird. Das HB hatte doch gerade erst eine Bildgeschichte mit den Gehältern einiger anderer Sparkassenchefs gemacht.

    und nein, ich verdiene nicht zu viel für meine Position. Nur - ich habe eine Schwester die selbst arbeitsscheu ist - und die muss nicht wissen wie viel ich verdiene. Und so etwas soll in so mancher Familie vor kommen.

    Zudem, was ist denn ihres Erachtens in der Zukunft noch Privat?

    Gesoffen, gepisst, gefixxt wird doch schon längst in der Öffentlichkeit - spätestens seit Youtube. Gegessen wird auch inzwischen lieber im öffentlichen Raum als daheim am Küchentisch.

  • Man muss halt einfach den Transparenzbegriff öffentlich-rechtlich betrachten. So wie man das auch im Zuge der Rundfunksteuer-Einführung getan hat. Da erklärte Bellut, dass Transparenz nötig wäre und bedeuten würde, dass intern manche Stellen Einsicht in die Zahlen hätten.

    Und wenn's dann dochmal ein bischen mehr sein soll gründet der Angestellte eine Firma (jacu, Maischberger, Plasberg und co.) und verkauft dann seinem Arbeitgeber eine komplette Sendung - bei gleichzeitiger Garantie von Arbeitsplatz und Altersversorgung. Damit ist dann die Transparenz erledigt.

  • Ein Zeichen mehr dafür wie desolat unser Staat ist!

    Es gibt eine "Elite", die sich um die Gesetze der Bundesrepublik einen feuchten Kehricht kümmern. Es wäre jedoch falsch, wenn man diese Leute an den öffentlichen Pranger stellen würde und unsere Richter laufen Kassen würde.

    Ein Beispiel dazu haben wir zum Thema "Kinderbetreuung" aus dem Osten unserer Republik erfahren. Während unsere Bundestagsabgeordneten Milliarden von Euros zur Rettung griechischer Banken "spendeten" werden hierzulande den Familien gesetzlich zugesicherte Unterstützungen nicht gewährt. Dass nicht die Eltern sondieren deren Kinder begünstigt würden, war die richterliche Begründung. Eine Posse, wie ich meine.

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