Sparkassenpräsident Fahrenschon
Schluss mit der „Kostenlos-Kultur“

Deutsche Geldhäuser leiden unter der Geldpolitik der EZB. Die anhaltend niedrigen Zinsen schmälern die Margen, Erträge brechen weg. Für den Präsidenten der Sparkassen heißt das: Geschenke an Kunden sind nicht mehr drin.

Frankfurt/LondonSparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hat angesichts der im Zinstief wegbrechenden Erträge erneut ein Ende der „Kostenlos-Kultur“ für Girokonten gefordert. Die gesamte Branche habe die Verantwortung, für eine angemessene Honorierung ordentlicher Leistungen einzutreten, sagte er am Donnerstag in Frankfurt.

„Wer meint, auf Dauer Leistungen kostenlos anbieten zu können, hat entweder keine guten Leistungen oder einen dritten Finanzier - oder er kann nicht rechnen“, meinte Fahrenschon. Die Medienbranche, die jahrelang ihre Angebote im Internet verschenkt habe, sollte der Kreditwirtschaft hierbei ein warnendes Beispiel sein.

Als Folge der Niedrigzinsen müssten die Sparkassen ihre Preise erhöhen. Zudem müssten die Kosten runter - unter anderem durch die Schließung von Filialen. Dass Banken und Sparkassen die Negativzinsen bislang nicht direkt an ihre Privatkunden weitergeben, sei eine große Leistung, die das Vertrauen in die Finanzstabilität erhalte.

Fahrenschon warnte davor, die Zinsschraube noch weiter zu drehen. Dann könnte es dazu kommen, dass erste Geldhäuser auch für Einlagen Verwahrgebühren verlangen müssten. Sehr schnell würden andere nachziehen müssen, um zusätzlichen betriebswirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Das sei eine große Gefahr für die Volkswirtschaft. Denn in diesem Fall würden Kunden vermutlich massiv Einlagen abziehen. „Ich hoffe, allen Akteuren der Geldpolitik und der Politik insgesamt sind die dann eintretenden Effekte klar“, sagte Fahrenschon.

Er forderte zudem eine schnelle Aufhebung schon häufiger kritisierter Interessenkonflikte innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB). Geldpolitik und Bankenaufsicht der Eurozone sollten rasch getrennt werden: „Es ist für operativ tätige Vorstände schwer erträglich, wenn sich diejenigen um die Abhängigkeit von (Geschäfts-)Instituten vom Zins sorgen, die gerade den Zins abgeschafft haben.“

Für eine Neuordnung der europäischen Bankenaufsicht biete sich nach dem britischen Votum für einen EU-Austritt eine neue Chance. Nun müsse die bisher in London ansässige EU-Bankenbehörde Eba umgesiedelt werden. Sie ist für die Banken in der ganzen EU zuständig, die EZB ist seit knapp zwei Jahren mit größeren Kompetenzen für die Überwachung der Institute in der Eurozone verantwortlich.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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