Sparkassenpräsident
Haasis verschärft Kritik an EZB-Geldschwemme

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis legt bei seiner Kritik an den EZB nach. Das billiger Geld der Zentralbank sei volkswirtschaftlich gefährlich und behinderte die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen.
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BerlinSparkassenpräsident Heinrich Haasis hat seine Kritik an den großzügigen Liquiditätshilfen der Europäischen Zentralbank für den Finanzsektor verschärft. „Billiges Geld im Übermaß ist volkswirtschaftlich gefährlich und für uns Sparkassen im Wettbewerb mit anderen auch ärgerlich“, sagte Haasis der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Billiges Geld verführe die Banken zu riskanten Geschäften, wie sie die Ursache der Finanzkrise 2008 gewesen seien. Eine solche Politik drohe neue Preisblasen in Teilen der Wirtschaft auszulösen. „Wir müssen vor diesem Hintergrund auch den Immobilienmarkt in Deutschland kritisch beobachten“, warnte er.

Neben Stabilitätsgefahren bemängelt Haasis insbesondere, dass die dreijährigen EZB-Hilfen von zusammen einer Billion Euro „den beteiligten Banken einfache Gewinne ins Haus“ trage. In vielen Fällen würden diese Mittel in Staatsanleihen südeuropäischer Länder fließen, die relativ gute Zinsen brächten. „Wenn es zutrifft, dass über 100 Milliarden Euro an italienische Banken gegangen sind, so können diese damit fast fünf Milliarden Euro verdienen“, klagte Haasis.

Der Sparkassenpräsident hält auch das Probleme der grenzüberschreitend tätigen und für das gesamte Finanzsystem wichtigen Mega-Banken in der Welt für ungelöst - es habe sich eher noch verstärkt. In Europa hätten heute neun Banken eine größere Bilanzsumme als die jährliche Wirtschaftsleistung ihrer Heimatländer, beklagte er. Zudem bestünden Anreize fort, dass Banken immer größer werden. Die Systemrisiken durch diese Institute seien nicht gesunken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sparkassenpräsident : Haasis verschärft Kritik an EZB-Geldschwemme"

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  • @Anonymer Benutzer: Mazi

    "Nachdem die Bundesbank vn der eigenen Regierung politisch kalt gestellt wurde, hat die EZB die Sparer enteignet indem sie die Zinsen diktatorisch gegen Null gestellt hat."

    So ist es - wobei hier noch die Beitraege des Steuerzahlers fehlen. Die deutsche Regierung scheint die Interessen einer Euro-Lobby zu vertreten, aber nicht mehr die des Volkes. Genau so ging es bei der Versorgung des Herrn Wulff. Wichtig war der und sonst ueberhaupt nichts.

  • Haasis ist vielleicht entgangen, dass sein Geschäftsmodell SPARKASSE schon über die Wupper gegangen ist.

    Früher war es wesentliche Aufgabe der Sparkasse das Sparkapital der kleinen Leute einzusammeln, zu bündeln und nach dem Regionalprinzip in Form von Krediten wieder auszuleihen.

    Heute überschwemmt die EZB den Markt mit Geld zu konkurrenzlosen Zinsen. Der Sparwille ist obsolet geworden. Südeuropäische Verhältnisse haben Einzug gehalten und die deutsche Politik fördert dies.

    Wie will eine Sparkasse dann noch überleben, wenn sie bei der eigenen Geldanlage kaum noch Zinsen erhält, davon die eigenen Verwaltungskosten noch abziehen muss und von dem Rest dem Kunden ein Entgelt für dessen Konsumverzicht zahlen will?

    Da bleibt bald nichts anderes übrig als den Griechen gleichzutun und dem Einzahler nur noch 30 % seiner Einzahlung zurückzugeben.

    Zusammengefasst:
    Nachdem die Bundesbank vn der eigenen Regierung politisch kalt gestellt wurde, hat die EZB die Sparer enteignet indem sie die Zinsen diktatorisch gegen Null gestellt hat. Als dies auch noch nicht genug war, ist jetzt Griechenland vorgebrescht und hat in einer einseitigen Aktion die ausländischen Sparer auch noch um 70 % enteignet. Das ist genau das, was wir als Form des Sozialismus stets gefürchtet haben.

    Nachdem sich Sparkassen früher um die Kleinsparer "kümmerten", kämpft Herr Haasis jetzt darum, dass der Sparer überhaupt noch einen Obolus für seinen Konsumverzicht erhalten kann.

    Es sind schon merkwürdige, nachdenkliche Zeiten mit einer eigenartigen Führungselite angebrochen!

    Herr Haasis scheint der einzige zu sein, dem es auch auffällt.

  • In dem FAZ-Interview spricht Haasis vom "soliden Kreditgeschäft" als Aufgabe der Banken. Man merkt, da redet einer vom alten Schlag. Dieses Geschäft gibt es nicht mehr, deshalb verabschiedet sich Haasis auch bald in den Ruhestand. Die Deutsche Bank signalisert gerade, was sie unter "solidem Geschäft" versteht.

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