Starkes zweites Quartal
JP Morgan lässt die Wall Street hoffen

Die Vorzeigebank der Wall Street überrascht die Märkte erneut positiv und trotzt damit den skeptischen Prognosen. Doch die goldenen Zeiten für die Finanzkonzerne sind vorerst vorüber.
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Die Erwartungen waren gering, JP Morgan Chase hat sie deutlich übertroffen. Die US-Großbank steigerte ihre Erlöse im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar und übertraf damit die Schätzungen der Analysten deutlich. Der Nettogewinn legte um 13 Prozent zu und lag mit 5,4 Milliarden Dollar ebenfalls klar über den Erwartungen. Vor allem die sinkende Vorsorge für faule Kredite verhalf der Bank zu dem Ergebnisplus. Die Aktie legte vorbörslich deutlich zu.

Die Bank legte als erster der großen US-Finanzkonzerne ihren Geschäftsbericht vor. Dieser war von den Märkten mit Spannung erwartet worden: Das Umfeld der Institute hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, Analysten senkten deshalb ihre Prognosen für die Branchengrößen seit dem Ende des ersten Quartals im Durchschnitt um 40 Prozent. Die Börsen reagierten - Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley haben seit Jahresbeginn jeweils mehr als ein Fünftel ihres Börsenwerts eingebüßt.

JP Morgan kam da mit einem Minus von sieben Prozent noch glimpflich davon und bestätigte die Vorschusslorbeeren jetzt. Die Bank hat sich unter Konzernchef Jamie Dimon zum Musterknaben der Wall Street entwickelt und dabei selbst die einstige Geldmaschine Goldman Sachs hinter sich gelassen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete sie einen Rekordgewinn von 17,4 Milliarden Dollar.

Aber auch Dimon bekommt zu spüren, dass der Goldrausch des Jahres 2010 vorbei ist. Die Ursachen sind vielfältig: Die US-Wirtschaft kommt wider Erwarten nicht in Schwung, der Immobilienmarkt kriselt weiter, die Krise in den europäischen Schuldenstaaten verunsichert die Märkte. Hinzu kommt, dass die Regierung die Regulierung der Branche infolge der Finanzkrise deutlich verschärft hat und den Banken damit einige äußerst lukrative Spekulationsstrategien untersagt sind.

Vor allem das Handelsgeschäft der Institute leidet unter der Verunsicherung der Anleger. Das tägliche Handelsvolumen an den US-Aktienbörsen sank im zweiten Quartal um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, auch an den Anleihemärkten hielten sich die Investoren zurück. Damit entgehen den Banken aber Gebühren für die Abwicklung der Käufe und Verkäufe.

Experten gehen deshalb davon aus, dass die großen Wall-Street-Banken im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatzrückgang um zehn Prozent hinnehmen müssen. Die Gewinne dürften sich zwar besser entwickeln, aber nicht gut genug, um den hohen Ansprüchen der Institute und der Märkte gerecht zu werden. In mehreren Banken werden Berichten zufolge deshalb bereits Entlassungen im größeren Stil vorbereitet.

Die Citigroup wird morgen ihre Zahlen vorlegen, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley folgen nächste Woche.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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  • Gier ist gut!

    Der grösste Wachstumstreiber bei den Banken sind derzeit wohl geringere Abschreibungen auf vergebene Kredite. Das Umfeld ist schwierig. Die übertriebene Regulierung, Verbot des Eigenhandels und ein Abbau von Leverage hinterlassen deutliche Bremsspuren im Income statement.

    Ich halte es daher für falsch, wenn von hohen Erwartungen der Bankanalysten gesprochen wird. Denen ist die Situation bekannt. Das sollte etwas stützen. Aber selbstredend bleibt die Staatschuldenkrise uns erhalten.

    Mittelfristig wird sicherlich die eine oder andere Regulierung als uebertrieben korregiert werden. Auch wird die cost income ratio der Banken sinken. Als langjähriger Investor weiss ich, die Banken machen sich "hübsch" für die Anleger. Die Erhöhung des Staatsschuldenlimits USA wird durchgehen. Beide Seiten pokern. Am Ende wird keiner die Situation eskalieren lassen. Die USA würde zuviel verlieren. Könnte deutliche Impulse an der Börse geben.

    Als Anleger ist man Optimist. Das schützt selbstredend nicht vor Verlusten. Ich habe heute meinen Fuss vorsichtig ins heisse Badewasser getaucht und eine erste Position(20% meines dafür vorgesehenen Kapitals) Bank shares in London geordert. No risk no fun!

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