Studie
Kunden fordern Klima-Kompetenz von Banken ein

Drei Viertel der Immobilienbesitzer und Fondsanleger finden die Themen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel wichtig, über die Hälfte will, dass sich Finanzinstitute mehr bei diesen Themen einsetzen. So lautet das Fazit einer Studie der European Business School. Finanzdienstleister wollen den Dialog intensivieren.
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BerlinMehr als der Hälfte der Privatkunden wollen, dass sich Finanzinstitute für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel einsetzen. Drei Viertel der Immobilienbesitzer und Fondsanleger finden die Themen wichtig, aber nur 27 Prozent fühlen sich gut informiert, ergab eine breit angelegte Studie des Sustainable Business Institute (SBI) der European Business School. Bei Geschäftskunden, Vorständen und Managern von Firmen mit über einer Million Umsatz, ist die Diskrepanz ähnlich.

Das SBI hat die drei Kundengruppen für das ?Finanz-Forum: Klimawandel' im Zuge eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts befragt. Die Studie ist in ihrer Breite bisher einzigartig in Deutschland. Das Forum ist eine Forschungs- und Dialogplattform, dem Finanzinstitute angehören sowie Bundesverbände, etwa die der Volks- und Raiffeisenbanken, der Kapitalbeteiligungsgesellschaften, der Versicherungswirtschaft sowie der Sparkassen.

"Die Studie zeigt, dass der Aufbau von Klimakompetenz strategische Relevanz für Finanzdienstleister hat", sagt SBI-Geschäftsführer Paschen von Flotow. Damit könne man sich von Wettbewerbern absetzen. "Wir werden den Dialog mit Privat- und Geschäftskunden intensivieren", kündigten die Finanzakteure denn auch als Reaktion an.

Für 40 Prozent der Privatanleger ist wichtig, dass Fonds in klimafreundliche Unternehmen und Projekte investieren. Bisher sind jedoch weniger als drei Prozent in auf Nachhaltigkeit oder Klimaschutz ausgerichteten Publikumsfonds angelegt, ergab die Studie. Zwei Drittel der Immobilienbesitzer wünschen, besser über Energieeffizienz, regenerative Energien und Förderungen beraten zu werden. Mehr als ein Drittel will darüber informiert werden, wie man sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels versichern kann. Geschäftskunden äußern ebenfalls Beratungsbedarf zu den Risiken.

Die an dem Forum beteiligten Finanzinstitute werden nach eigenen Angaben nun klären, wie wichtig Klimakompetenzen für sie sind. Die Ergebnisse können je nach Geschäftsfeld verschieden sein. Kreditgeber hätten mit Insolvenzen zu kämpfen und würden sich wohl erst hierauf konzentrieren, sagte SBI-Geschäftsführer Flotow.

Andere Banken widmen sich bereits dem Klima. "HVB und Unicredit wollen die durch Kredite finanzierten Emissionen verringern und arbeiten an Lösungen", sagte Stefan Löbbert, Nachhaltigkeitschef der Hypo-Vereinsbank (HVB), dem Handelsblatt. In der Vermögensverwaltung sei es naheliegend, Klimarisiken in der Beratung und Produktentwicklung zu beachten. Das biete Chancen, sagen die Institute.

Für Versicherer eröffnet sich ein Geschäftsfeld: Gesucht sind Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel, die über Policen gegen Klimaschäden hinaus gehen. Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung der Munich Re, ist erstaunt über die Unkenntnis zu Versicherungen für Immobilien. "Das zeigt, welche wichtige Rolle die Versicherungswirtschaft bei der Aufklärung spielen kann." Versicherer beteiligten sich inzwischen aber auch an Schaden mindernden Maßnahmen, ergänzt Höppe.

Am kommenden Montag startet das Bundesumweltministerium mit 36 Instituten eine Aktionswoche "Klima & Finanzen", um Kunden über alle Themen zu informieren.

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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