Talanx-Chef Haas
„Die Kluft war zu groß“

Talanx-Chef Herbert Haas musste zuletzt den Börsengang des Versicherungskonzern wieder absagen. Im Handelsblatt-Interview verrät er die Gründe für den Rückzieher - und erhebt Vorwürfe gegen die beratenden Banken.
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Vor genau zehn Tagen kündigte Talanx-Chef Herbert Haas an, seinen Versicherungskonzern endlich an die Börse bringen zu wollen. Am Mittwoch dieser Woche musste er einen Rückzieher machen. Keiner der angefragten Investoren sei bereit gewesen, einen vernünftigen Preis für die Aktie zu bezahlen, sagte Haas in einem Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt. „Die Kluft zwischen dem, was die Investoren zahlen wollten und dem, was wir bereit waren als Preis zu akzeptieren, war aus unserer Sicht so groß, dass wir sie nicht überbrücken konnten“, so Haas weiter.

Talanx war bereit, einen Abschlag von 20 Prozent auf den Buchwert des Unternehmens zu geben, doch Investoren hätten weitere zehn Prozentpunkte gefordert, so Haas weiter. Vor allem das Ausgabevolumen von 700 Millionen Euro netto sei vielen Investoren zu klein gewesen. „Zudem wurde in Frage gestellt, ob es jetzt der richtige Zeitpunkt für den Gang an die Börse ist“, so Haas.

Den beratenden Konsortialbanken JP Morgan Chase, Deutsche Bank und Citi attestiert Haas eine Fehleinschätzung der Lage. „Ich bin mir sicher, dass auch die Banken aus dem Vorgang gelernt haben.“ Mehr als zehn Millionen Euro soll die Vorbereitung auf den Börsengang gekostet haben, schätzt der Talanx-Chef. Einen Terminplan für einen erneuten Sprung aufs Parkett gibt es bislang nicht.

Ozan Demircan ist Auslandskorrespondent und hat deutsche und türkische Wurzeln.
Ozan Demircan
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Talanx-Chef Haas: „Die Kluft war zu groß“"

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  • Glückwunsch an den Verein auf Gegenseitigkeit. Nur ein Fatalist kann sich heutzutage noch freiwillig den unregulierten, bösartig-destruktiven Mächten & Kräften einer Börse aussetzen wollen.

    Drangsalierend als Getriebener des Kapitalmarktes gehetzt zu werden, um sich dem Anspruch auf perfertierter Prinzipien programmierter Algorythmen zu unterwerfen??

    Die gesicherte Machtstruktur als geschlossene Vereins-Gemeinschaft würde ich nie und nimmer & für keine noch so schöne Wachstumsvision der Welt mehr hergeben.

    Weil die End-Rechnung ist absehbar: "Tausche Mitsprache- oder gar Dominierungsrechte gegen sich beschleunigt entwertendes Geld." In 50 Jahren ist der Euro vermutlich Staub - die Vereinsgemeinschaft aber noch nach wie vor Herr im Hause.

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