Übernahmeangebot
Nyse lehnt Nasdaq-Offerte ab

1:0 für die Deutsche Börse: Die NYSE Euronext hat sich zur Fusion mit den Frankfurtern bekannt und sich gegen ein Zusammengehen mit der Technologiebörse Nasdaq ausgesprochen. Doch wer am Ende siegt, bleibt weiter offen.
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New YorkIm Bieterrennen um die New York Stock Exchange (NYSE) lehnt die New Yorker Börse das Gegenangebot der Nasdaq ab. Die Amerikaner verfolgen weiterhin einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse. Das habe der Verwaltungsrat des Unternehmens bei einer Sitzung am Sonntag einstimmig beschlossen, teilte das Unternehmen mit.

Ein Zusammengehen mit der Deutschen Börse entspreche der langfristigen Strategie der NYSE Euronext, heißt es weiter. Man werde so zu führenden Börse weltweit. Eine Fusion mit der Nasdaq sei hingegen „strategisch unattraktiv“ und berge „unakzeptable Risiken“, heißt es weiter.

Ein Zusammenschluss mit der Nasdaq hätte vermutlich die amerikanischen Kartellbehörden auf den Plan gerufen, weil die beiden Börsen zusammen bei Unternehmens-Erstnotierungen eine marktbeherrschende Stellung hätten.

Die Deutsche Börse darf daher weiter auf einen Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange hoffen. Die NYSE Euronext wies am Sonntag nach einer Sitzung des Verwaltungsrats das Gegenangebot der US-Technologiebörse Nasdaq OMX zurück. Es sei strategisch unattraktiv und zudem sei die Gefahr groß, dass die Übernahme letztlich gar nicht gelinge, begründete der Verwaltungsrat seinen Entschluss. „Wir sind überzeugt davon, dass unsere Aktionäre durch den Zusammenschluss mit der Deutschen Börse am meisten gewinnen“, sagte Verwaltungsrats-Chef Jan-Michiel Hessels. „Das gemeinsame Unternehmen ist finanziell stark, hat ein Weltklasse-Management und eine funktionierende Strategie.“

Die Deutsche Börse begrüßte die Entscheidung. Die Planungen für die Verschmelzung machten „große Fortschritte“, teilte das Unternehmen am Abend in Frankfurt mit. „Damit liegen Deutsche Börse und NYSE Euronext weiterhin voll im Zeitplan, um die Transaktion bis Ende 2011 abzuschließen.“

Die klare Aussage der Amerikaner kommt überraschend schnell. Marktbeobachter hatten erwartet, dass sich der Verwaltungsrat der NYSE womöglich erst nach einer für Donnerstag geplanten, offiziellen Sitzung des Verwaltungsrates zu dem Gegenangebot der Nasdaq äußern würde.

Die Nasdaq bietet 11,3 Milliarden Dollar für die NYSE, das ist gut eine Milliarde mehr als die Deutsche Börse bietet. Weil die Nasdaq das höhere Angebot macht, muss die NYSE auch noch mit Widerstand aus den Reihen der eigenen Aktionäre rechnen – sie hoffen, mehr Geld für ihre Anteilsscheine zu sehen. Nasdaq-Chef Robert Greifeld hatte sich in den vergangenen Tagen mit NYSE-Aktionären getroffen, um für das Gegenangebot zu werben.

Deutsche Börse und NYSE Euronext hatten sich Mitte Februar nach mehreren Anläufen und harten Verhandlungen zur Fusion durchgerungen. Doch am 1. April legte die deutlich kleinere Nasdaq OMX ihrerseits eine Offerte für die traditionsreiche NYSE Euronext vor. Gemeinsam mit der Rohstoffbörse IntercontinentalExchange (ICE) überbot das Duo die Deutschen um 20 Prozent. 

Die Beute wollen die beiden Partner nach erfolgter Übernahme untereinander aufteilen. Die Nasdaq ist dabei vor allem am klassischen Aktienhandel interessiert. Die Zerschlagung der NYSE Euronext wäre ein Fehler, warnte Verwaltungsrats-Chef Hessels. Fähige Leute würden dadurch vergrault und das Geschäft behindert. 

Der Börsenwert der NYSE liegt derzeit bei mehr als zehn Milliarden Dollar (7 Mrd Euro), die Nasdaq kommt auf gerade mal die Hälfte. Angesichts dieses Ungleichgewichts war zwischenzeitlich spekuliert worden, die NYSE könnte den Spieß umdrehen und ihrerseits die unbequem gewordene Nasdaq schlucken. Damit wäre aber auch der Zusammenschluss mit den Deutschen geplatzt. Die NYSE dementierte jedoch bereits entsprechende Pläne. 

Auch gibt es immer wieder Spekulationen darüber, die Deutsche Börse könnte ihr Angebot aufstocken, um die Fusion mit der NYSE Euronext zu sichern. Der Frankfurter Betriebsrat warnte den Vorstand bereits vor einem Alleingang. Der Betriebsratsvorsitzende Johannes Witt fürchtet, dass Arbeitsplätze verlorengehen. 

Die Aktionäre der gewichtigeren Deutschen Börse sollten nach den ursprünglichen Plänen 60 Prozent am neuen gemeinsamen Unternehmen halten. Der Chefposten geht indes nach New York. Beiderseits des Atlantiks gibt es wegen der Machtverteilung erhebliche Widerstände. Jede Seite fürchtet, am Ende von der jeweils anderen übervorteilt zu werden.

Mit dpa

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