Unicredit
Aktionäre machen den Weg für Kapitalerhöhung frei

Der Weg für die größte Kapitalsammelaktion in der italienischen Wirtschaftsgeschichte ist frei. Die Aktionäre der Großbank Unicredit stimmten der Kapitalerhöhung zu. Jetzt müssen nur noch die Investoren mitziehen.
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MailandMit überwältigender Mehrheit von 99,6 Prozent billigten die Aktionäre der italienischen Großbank Unicredit am Donnerstag Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro zu. Vorstandschef Jean Pierre Mustier will damit den Umbau der Muttergesellschaft der Münchener Hypovereinsbank (HVB) finanzieren. Unicredit will 17,7 Milliarden Euro an faulen Krediten loswerden und 14.000 Stellen streichen. Das belastet die Bank mit 12,2 Milliarden Euro. „Ich bin sehr zuversichtlich für die Kapitalerhöhung, aber wir müssen hart dafür arbeiten“, sagte der Franzose zum Ende des Aktionärstreffens.

Mustier betonte in einem Interview der Zeitung „La Stampa“, die Kapitalerhöhung solle vor dem 10. März abgeschlossen sein. Sonst fiele es Unicredit angesichts der Milliardenabschreibungen schwer, die dann fälligen Zinsen auf neuartige Hybridanleihen (AT1) zu zahlen. AT1-Anleihen müssen abgeschrieben werden, wenn die Kapitalpuffer unter eine bestimmte Schwelle fallen.

Der Franzose betonte aber, die Bank sei nicht etwa von den Bankenaufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) zu der Kapitalaufnahme gedrängt worden. Branchenkenner erwarten, dass Unicredit kurz nach der Veröffentlichung der Bilanz für 2016 am 9. Februar den Startschuss für die Kapitalerhöhung gibt. Mehrere Investmentbanken sind bereit, nicht bezogene neue Aktien im Notfall selbst zu übernehmen. Mustier hatte seit seinem Antritt im Juli mit dem Verkauf von milliardenschweren Beteiligungen den Kapitalbedarf gedrosselt. Die Aktionäre bestätigten ihn mit 99,5 Prozent im Amt.

Großaktionäre von Unicredit wie der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi haben signalisiert, bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen. Mustier sagte, es gebe Interesse aus Europa und den USA. Er unterstrich, dass die Kapitalerhöhung nicht zum Einstieg eines Rivalen führen werde. „Wir haben nur Finanzinvestoren. Wir haben einen Plan, eigenständig zu wachsen. Wir werden daraus nichts anderes machen.“

„Generali muss italienisch bleiben“

Hinter den Äußerungen stecken wachsende Sorgen in Italien vor einem Ausverkauf des Landes nach Frankreich. Zuletzt war die französische Vivendi zum größten Aktionär von Telecom Italia aufgestiegen und hatte sich maßgeblich am TV-Konzern Mediaset beteiligt. Seit Monaten halten sich Gerüchte um einen Zusammenschluss der Versicherer Axa und Generali. Auch an der Spitze von Generali steht ein Franzose. „Hören wir doch mit diesem Wahn auf“, sagte Mustier der Zeitung. „Für mich als Bürger Italiens ist Generali wichtig für das Land. Generali muss italienisch bleiben, und Mediobanca muss die Unabhängigkeit des Versicherers schützen.“ Unicredit ist der größte Aktionär von Mediobanca, die wiederum Großaktionär des Versicherers ist.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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