US-Banken
Kann es ein zweites Lehman geben?

Hollywood schickte vor kurzem seinen bislang aufwändigsten Lehman-Thriller in die deutschen Kinos. Der Film spielt mit der Angst: Könnte es ein zweites Lehman geben? Die Wahrscheinlichkeit steigt jedenfalls.
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Zwei Top-Banker einer US-Investmentbank sitzen über den desaströsen Zahlen und fühlen, wie ihnen der Boden unter den Füßen weggerissen wird. „Das ist so bizarr“, sagt der eine, „Ich glaube, ich bin in einem Traum.“

Der andere schüttelt leicht mit dem Kopf: „Mit kommt es eher so vor, als wären wir endlich aufgewacht.“

„Haben wir eine Art Notfallplan?“

„Nein, dafür gab es keine Veranlassung.“

„Womit wir uns in eine exponierte Lage gebracht haben.“

Eine Szene aus „Margin Call“, einem Film über die Pleite von Lehman Brothers, der vor kurzem in die deutschen Kinos kommt. Ein Film über die Wall Street, der Zuschauer hinter die Kulissen der Finanzbranche blicken lässt. Auge in Auge mit dem einstigen Lehman-CEO Dick Fuld.

Das ist interessant, aber nicht immer spannend. Wobei es für Hollywood bestimmt auch nicht leicht ist, die Wall Street dramatischer darzustellen als sie es in der Realität ohnehin schon ist. Und daran hat sich seit Lehman auch nichts geändert.

Jüngstes Beispiel: Ende September hat die Ratingagentur Moody’s gleich drei große US-Banken herabgestuft: die Bank of America, die Citigroup und Wells Fargo. Die Bonitätswächter befürchten, dass diese Banken im Notfall nicht noch einmal wie 2008 vom Staat gerettet werden. Das würde in letzter Konsequenz bedeuten: Ein zweites Lehman wäre vielleicht möglich.

Das sehen die beiden anderen Ratingagenturen, Standard & Poor’s und Fitch, nicht so. Auch Analysten und Investoren sind zum Großteil anderer Meinung als Moody's. Für sie gibt es genug Gründe dafür, warum es kein zweites Lehman Brothers geben wird. Die Investmentbank musste im September 2008 Insolvenz anmelden. Damals hatte die US-Regierung um Präsident Georg W. Bush und Finanzminister Henry Paulson entschieden, Lehman nicht zu retten. Die Folge waren Schockwellen an den Märkten, die auch andere Institute zu Fall brachten. Am Ende mussten die USA nicht nur eine, sondern mehrere Banken und vor allem den Versicherer AIG mit Milliardensummenstützen.

Kommentare zu " US-Banken: Kann es ein zweites Lehman geben?"

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  • Na klar!!! Die Geier kreisen schon...

  • Win-win situation. Wo ein Gewinner auch ein Verlierer. Das Prinzip bedingt so. Wenn 2 Gewinne machen, macht ein Dritter Verluste. In dem Fall der Steuerzahler das Proletariat.

  • @Siggie40

    Dies ist wohl dem Kapitalismus geschuldet. Beschrieb das nicht auch Karl Marx ;D. Übrigens ihre Kommentare gefallen mir sehr gut, da sie das schreiben was auch ich denke.

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