Versicherungsbranche
Tarifverhandlungen zum dritten Mal geplatzt

Dritte Gesprächsrunde zwischen Versicherungen und Angestellten ist nach acht Stunden gescheitert. Zunächst wurde kein neuer Verhandlungstermin bestimmt. Verdi will nun seine Protestmaßnahmen ausweiten
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MünchenDie Tarifverhandlungen für die über 160.000 Versicherungsangestellten im Innendienst sind auch in der dritten Runde gescheitert. Nach acht Stunden wurden die Gespräche am Dienstagabend in Köln abgebrochen. Arbeitgeber und Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wiesen sich gegenseitig die Schuld zu. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht vereinbart.

Die Arbeitnehmer wollen nun ihre Proteste ausweiten. „Wir waren nicht einmal nah an einer Lösung“, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Arbeitgeber verknüpften ihr Angebot für höhere Löhne mit der Verschlechterung des Manteltarifvertrages. Es gehe unter anderem um die Ausweitung des Niedriglohnbereichs und eine Verlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse. Dies sei nicht hinnehmbar.

Josef Beutelmann, Verhandlungsführer der Unternehmen, sagte dagegen: „Wir haben ein erstes verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Verdi war leider nicht bereit, über ein Gesamtpaket von Tariferhöhungen und einer Flexibilisierung des Manteltarifvertrags zu verhandeln, obwohl sie selbst ein Forderungspaket wie zum Beispiel zur Altersteilzeit vorgelegt hat.“

Die Offerte der Arbeitgeber ist weit von den Vorstellungen der Gewerkschaft entfernt. Sie sieht für Juli eine Einmalzahlung von 300 Euro pro Mitarbeiter vor. Im Oktober soll es dann eine lineare Anhebung der Tarifgehälter um zwei Prozent geben, im Januar 2013 um weitere 1,5 Prozent. Der neue Tarifvertrag soll nach dem Willen der Arbeitgeber eine Laufzeit von 33 Monaten bis Ende 2013 haben.

Verdi will dagegen sechs Prozent mehr Lohn durchsetzen, mindestens aber 150 Euro monatlich. Die Gewerkschaft betont, dass die Versicherer gut durch die Finanzkrise gekommen seien und die Gewinne derzeit sprudelten. Daran müssten die Mitarbeiter beteiligt werden. Die Unternehmen sehen dagegen nur geringe Spielräume. Sie betonen, dass die Branche mit dem Wachstum anderer Wirtschaftszweige nicht mithalten könne. Die immensen Belastungen durch Naturkatastrophen im Ausland wie zuletzt das Erdbeben in Japan setzten viele Assekuranzen zusätzlich unter Druck.

Nach Verdi-Angaben haben vor Beginn der Gespräche trotz strömenden Regens in Köln 1400 Angestellte für ihre Forderungen demonstriert. Solche Proteste sollten nun, solange sich die Arbeitgeber nicht bewegten, forciert werden, so die Verdi-Sprecherin. Der letzte Tarifabschluss datiert von Sommer 2009 und ist diesen März ausgelaufen.

Reuters

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  • Während in einzelnen Bereichen d. Branche immer mehr Mehrarbeit anfällt, freie Stellen nicht mehr besetzt werden u.s.w. leisten sich die Unternehmen weiterhin Rabattschlachten sondergleichen zu Lasten der Mitarbeiter und des Service. Wie lange das nocht gut gehen soll, kann sich jeder fünf Fingern abzählen. Aber solange es nur kurzfristige Profite und weniger um den Produktionsfaktor Arbeit geht, wird ein Umdenken nicht stattfinden.

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