Vor der Jahresbilanz
Commerzbank will ohne den Staat auskommen

Die Commerzbank will aus eigener Kraft ihre Milliardenlöcher schließen. Dazu beitragen könnte auch der für die Jahresbilanz erwartete Gewinn. Griechische Staatsanleihen werden allerdings zu einem Risiko für die Bank.
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FrankfurtDie Commerzbank müht sich um Normalität. Drei Jahre nach dem Einstieg des Staates will Deutschlands zweitgrößte Bank, die zu einem Viertel dem Bund gehört, wieder auf eigenen Beinen stehen. Die gigantische Kapitallücke soll aus eigener Kraft geschlossen werden - auch mit Hilfe von rund 1,2 Milliarden Euro Gewinn im ersten Halbjahr 2012. An diesem Donnerstag (23. Februar) bilanziert der Vorstand das Jahr 2011, der Blick jedoch geht nach vorn.

Die Staatsschuldenkrise in Europa belastet nach wie vor, weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen gelten als wahrscheinlich. Bislang preist die Commerzbank den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen mit 48 Prozent des Nominalwertes ein. Im Gespräch sind Abschreibungen auf bis zu 30 Prozent.

Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Institut trotz der Turbulenzen nach vorläufigen Zahlen mit 1,6 Milliarden Euro rund 200 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor - gemessen am internationalen Bilanzstandard IFRS. Analysten gehen jedoch von einem weitaus niedrigeren Gewinn aus. In den vorläufigen Zahlen waren erwartete weitere Abschreibungen wegen Griechenland noch nicht enthalten.

Allerdings wird die Commerzbank für die restlichen Staatshilfen voraussichtlich dennoch keine Zinsen zahlen. Der scheidende Finanzvorstand Eric Strutz hatte schon Anfang November gesagt, er gehe nicht davon aus, dass die Bank nach dem maßgeblichen deutschen Bilanzrecht 2011 einen Gewinn schreiben werde. Damit würden dem Bund rund 170 Millionen Euro Einnahmen entgehen. Bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr hatte Konzernchef

Martin Blessing noch erklärt: „Wir werden alles daran setzen, die Stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen.“ Den größten Teil der Staatshilfe von insgesamt 16,2 Milliarden Euro hatte die Bank im ersten Halbjahr 2011 nach einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zurückgezahlt. Die verbliebenen 1,9 Milliarden Euro aus der Stillen Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin sollen nach bisheriger Planung bis spätestens 2014 zurückgezahlt werden.

Anfang dieses Jahres verdeutlichte der Vorstand, dass erneute Staatshilfen kein Thema sind. Stattdessen will die Bank mit einem ausgeklügelten Plan ihr gigantisches Kapitalloch aus eigener Kraft stopfen. Um 6,3 Milliarden Euro will der Dax-Konzern sein Kernkapital und damit seinen Risikopuffer für Krisenzeiten stärken. Das ist sogar eine Milliarde mehr als die europäische Bankenaufsicht EBA als Folge des jüngsten Stresstests von der deutschen Nummer zwei verlangt.

Die Milliarden kratzt die Commerzbank vor allem durch den Abbau von Risikogeschäften und das Einbehalten von Gewinnen zusammen. In der Summe will der Frankfurter Konzern so bis zum 30. Juni 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von mehr als 11,0 Prozent kommen. Die EBA verlangt zu diesem Stichtag mindestens 9,0 Prozent.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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