Vorstandsumbau
Stühlerücken bei der Deutschen Bank

Noch bevor das neue Führungsduo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei Deutschlands größtem Geldhaus offiziell angetreten ist, müssen weitere Vorstände gehen.
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FrankfurtAm Montagnachmittag pünktlich um drei Uhr fuhr Rainer Neske in der schwarzen Limousine mit Frankfurter Kennzeichen vor dem Betongebäude der Bundesbank vor. Der Privatkundenvorstand der Deutschen Bank war gut gelaunt. Das Treffen mit den Bundesbankern ist an sich Routine. An diesem Tag konnte Neske aber etwas versichern, was zwei Tage später nicht mehr selbstverständlich ist: Er werde weiter bei der Deutschen Bank als Ansprechpartner zu Verfügung stehen.

Denn der Vorstand ist einer der wenigen innerhalb des größten deutschen Geldhauses, der vom Umbau und der Machtverschiebung an der Spitze der Bank verschont bleibt. Tatsächlich nämlich lässt das designierte Spitzenduo aus dem bisherigen Leiter Regional-Geschäfte Jürgen Fitschen und dem bisherigen Chef des Investment-Bankings Anshu Jain innerhalb der Bank keinen Stein auf dem anderen.

Noch bevor beide offiziell ihre Amtsgeschäfte aufgenommen haben und noch bevor Josef Ackermann als Vorstandschef verabschiedet ist, versucht die neue Doppelspitze in Frankfurt Nägel mit Köpfen zu machen. Prominenteste Abgänge sind der als Ackermann-Vertrauter geltende Risikovorstand Hugo Bänziger sowie der für IT und Personal verantwortliche Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Sie haben bereits ihre Auflösungsverträge erhalten und sollen voraussichtlich wie Ackermann im Mai die Bank offiziell verlassen. Beide Personalentscheidungen habe der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates getroffen, heißt es aus Frankfurter Finanzkreisen.

Am schwersten dürfte die Trennung von Bänziger fallen. Der 56-jährige Risikochef hat die Bank durch die Untiefen der Finanzkrise gesteuert. Seine Aufgabe war es aber auch, stets unbequeme Fragen zu stellen, was den Risikochef nicht zur beliebtesten Person der Bank gemacht hat. Bänzigers Aufgaben sollen jetzt auf Finanzchef Stefan Krause und den Risikoexperten Bill Broeksmit aus London verteilt werden. Für Lamberti soll Investmentbanker Stephan Leithner in den Vorstand aufrücken und sich um Personal und rechtliche Fragen kümmern. Zudem werde er neuer Europa-Chef.

Neuer Chief Operating Officer im Führungsgremium werde Henry Ritchotte, der diese Aufgabe bislang in der Investment-Banking-Sparte inne hat. Nachfolger des neuen Co-Bankchefs Anshu Jain an der Spitze des wichtigen Investment-Bankings sollen Asien-Chef Robert Rankin und Colin Fan werden, der bislang den Kredithandel steuert. Sie sollen in den erweiterten Vorstand der Bank aufrücken.

Der Umbau im Vorstand geht einher mit einer neuen Struktur, die sich die Bank gibt. Die institutionelle und die private Vermögensverwaltung werden zusammengelegt. Das Investment-Banking, das Privatkundengeschäft und das sogenannte Transaction Banking bleiben bestehen. Die Bank erhält mit dem Umbau ein völlig neues Gesicht und ihre Internationalisierung geht weiter - ein Umstand für den sich auch die Bundesbank als Aufsichtsbehörde interessiert.

Vergangene Woche - noch vor Neskes Besuch bei den Aufsehern - war es Sabine Lautenschläger, die in der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist, die einen gesellschaftlichen Termin vorzeitig abbrach. Der Grund: Es waren Jain und Fitschen, die sich mit ihr dringend treffen wollten, um die neue Bank vorzustellen, in der Name „Deutsche“ Bank künftig kleiner geschrieben wird. Beide Vorstände galten bislang nicht als Wackelkandidaten, allerdings soll das Verhältnis des künftigen Co-Bankchefs Anshu Jain zu Bänziger angespannt sein. Der Schweizer wollte ebenfalls den Spitzenjob.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Vorstandsumbau: Stühlerücken bei der Deutschen Bank"

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  • Sehr schön. Wenn genug "national denkende" Kunden abwandern, werd ich mal drüber nachdenken, mein Konto dahin zu verlegen.

  • was heißt hier "soziales Engagement"? Das war ein reiner Ablaßhandel.
    Weil der alte Wucherer an seinem Lebensende auf einmal befürchtete, in der Hölle zu landen, hat er sich mit seiner Armensiedlung eine unbegrenzte Anzahl Gebete (genauer gesagt, 3 Stück pro Tag und Bewohner) gekauft. Das ist alles, was da dahintersteckt. Ein Geschäft, wie jedes andere.

  • Oh ja, Flash Gordon. Das ist ihr richtiger Name? Sie sind überhaupt nicht anonym :) Wissen Sie was denunzieren überhaupt heisst, Flashe Gordon? Schlagen Sie das Wort mal nach, parallel zu Ihren anderen Aktivitäten. Es ist Ihr Stil andere zu beleidigen. Wie wollen Sie wissen ob ich etwas von Multitasking verstehe? Trotzdem beleidigen Sie mich.

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