Warnung vor Kapitallücke
Österreichische Volksbank rutscht weiter ab

„Deutlich negatives“ Ergebnis: Die teilverstaatlichte österreichische Volksbank ÖVAG hat im ersten Halbjahr 203 Millionen Euro Miese gemacht. Zudem warnt das Institut vor einer Kapitallücke im Jahr 2017.
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WienDie teilverstaatlichte österreichische Krisenbank ÖVAG ist wohl auch in den kommenden Jahren auf weitere Hilfen ihrer Eigentümer angewiesen. Um eine für 2017 erwartete Kapitallücke zu schließen, habe das Volksbanken-Institut bereits vorsorgliche Maßnahmen geplant. Derzeit würden etwa die Begebung von Anleihen sowie ein weiterer Kehraus der Bilanz geprüft, erklärte die Bank am Donnerstag.

Darüber hinaus führe die ÖVAG "permanent Gespräche" mit den Eigentümern - den regionalen Volksbanken und dem Staat - um die Kapitalausstattung zu verbessern, sagt eine Sprecherin. Ziel sei es, dabei ohne weitere Staatshilfen auszukommen. Die österreichischen Aufseher haben dem Institut eine Eigenmittelquote von mindestens 13,6 Prozent vorgeschrieben. Nach dem ersten Halbjahr lag sie trotz steigender Verluste bei 15,3 Prozent.

Doch die ÖVAG könnte nicht erst 2017 sondern möglicherweise bereits früher weitere Hilfen benötigen: Sie ist eine von sechs österreichischen Banken, die derzeit von den europäischen Aufsehern im Zuge einer vertieften Bilanzdurchschau und eines Stresstests auf Herz und Nieren geprüft werden. Ob die Bank den Gesundheitscheck besteht, ist offen. Medienberichten zufolge könnte sie dafür bis zu einer Milliarde Euro benötigen. Das Institut selbst erklärte lediglich, die Ergebnisse des Tests seien noch nicht bekannt.

An der Übung nehmen die größten Banken in der Euro-Zone teil. Die Resultate werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) im Herbst veröffentlicht. Ende Juni kam die ÖVAG im Konzernverbund auf eine harte Kernkapitalquote von 11,2 Prozent.

Die ÖVAG hatte sich mit einer rasanten Expansion in Osteuropa verhoben. Sie musste gleich mehrmals vom Staat aufgefangen werden und hat bislang - inklusive Garantien - 1,35 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Im Gegenzug dafür muss sich die Bank von großen Teilen ihres Geschäfts trennen: Einen Teil ihrer Osteuropatöchter hat die ÖVAG bereits an die russische Sberbank verkauft. Das kriselnde Rumänien-Geschäft wollten die Russen jedoch nicht übernehmen. Nach Vorgabe der EU muss sich das Volksbanken-Spitzeninstitut nun bis Ende 2015 von der Tochter trennen.

Um diese für den geplanten Verkauf aufzuhübschen, erhielt die Bank eine weitere Kapitalspritze ihrer Eigentümer: Die ÖVAG musste der rumänischen Tochter, an der sie mit 51 Prozent die Mehrheit hält, im Zuge dessen 128 Millionen Euro zuschießen. Dadurch häufte das Spitzeninstitut selbst im ersten Halbjahr einen Verlust von 203 Millionen Euro an - nach einem Minus von 68 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auch im Gesamtjahr erwartet die ÖVAG weiterhin ein "deutlich negatives" Ergebnis.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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