Wider den Vertrauensverlust
Die zehn Dresdner Thesen der Sparkassen

Die Finanzwirtschaft kämpft gegen Vertrauensverlust. Die Sparkassen präsentieren sich da als Anwalt des kleinen Sparers. Ihr Präsident fordert auf dem Sparkassentag in Dresden höhere Zinsen – nicht ganz uneigennützig.
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DresdenDie deutschen Sparkassen haben sich vehement gegen eine einheitliche Regulierung des gesamten Finanzsektors ausgesprochen und fordern eine Differenzierung. „Derzeit erleben wir fast so eine Art Tsunami in der Regulierung“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, am Mittwoch beim Sparkassentag in Dresden. Die unterschiedlichen Ansätze würden keinen koordinierten Eindruck hinterlassen.

Als Beispiel nannte er nicht ausreichend bedachte Folgen der geplanten Finanztransaktionssteuer. 90 Prozent der Wertpapierleihgeschäfte (Repos) hätten heute eine Laufzeit von höchstens einer Woche. Wenn diese jeweils mit einem Steuersatz von 0,1 Prozent belastet würden, seien diese Geschäfte nicht mehr rentabel. „Wir brauchen sie aber.“

Fahrenschon präsentierte zehn „Dresdner Thesen“ zur Lösung der Probleme. Darin lehnen die Sparkassen auch eine einheitliche europäische Einlagensicherung ab. Jeder Staat der EU müsse die Sicherheit der Einlagen auf einem europäischen Mindestniveau aus eigener Kraft sicherstellen. „Nur so lassen sich im Krisenfall auch schädliche Verunsicherungen der Sparer in ganz Europa vermeiden. Wir brauchen das System der Brandmauer.“

Mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) votierte Fahrenschon für höhere Zinsen. „Dieser niedrige Zins setzt am Ende auf breiter Front falsche Signale.“ Die EZB müsse eine Geldpolitik betreiben, die Stabilitätsrisiken vermeide und Anreize zum Sparen setze.

Auch der Sparer könne eins und eins zusammenzählen: „Zins unter zwei Prozent und Inflation bei zwei Prozent heißt in aller Brutalität Wertverlust - tagtäglich, Monat für Monat, über ein ganzes Jahr.“ Die Länder, die um die Konsolidierung ihrer Staatshaushalte zu kämpfen hätten, bekämen neue Schulden viel zu billig. Man laufe Gefahr, dass die betroffenen Staaten ihre Anstrengungen reduzierten.

„Ich fordere nicht von der EZB, dass sie nächsten Donnerstag die Zinsen anhebt“, sagt Fahrenschon weiter. Aber zu glauben, dass weitere Zinssenkungen und Zinsen nahe null, noch Impulse für die Wirtschaft brächten, sei eine Fehleinschätzung. Das billige Geld werde nicht dort eingesetzt, wo es seiner Meinung nach richtig wäre, nämlich für den Aufbau mittelständischer Strukturen in Südeuropa.

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Sparkassen sind sich der Gefahren bewusst

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  • @pendler

    Vielen Dank für Ihre Stellungnahme !

  • @Sparkassenopfer
    OK - Sorry es gibt diese Verträge in der Regel mit wesentlich höheren Bonussätzen.
    Sollte die Sparkasse wirklich so verfahren gibt es zwei Möglichkeiten
    a) es steht von vornherein in den Bedingungen oder
    b) die versuchen es einfach.

    Variante a) kann ich mir kaum vorstellen. Wenn es so ein alter Vertrag ist, sind die Grundlagen zu Lasten der Kreditwirtschaft x-Mal geändert worden und viele alte Vertragsklauseln unwirksam.
    Vor ca. zwei Jahren gab es z.B. ein Musterurteil, dass bei flexiblen Ansparplänen generell die Bezugsgröße genannt werden muss - wann und warum die Zinsen geändert werden. In den Verträgen stand aber in der Regel nur drin "variabler Zinssatz" - ohne eine konkrete Klausel wie das geschieht. Das könnte bei Ihrem Vertrag ähnlich sein.
    Andere einseitige Änderungen bedürfen außerdem Ihrer Zustimmung.
    Dazu finden Sie sicher etwas hier im Handelsblatt - wie gesagt es ist ca. 2,5 Jahre her.

    Mein Rat ist wirklich, dass Sie Ihren Vertrag offiziell über eine Beschwerdestelle der Sparkasse (Vorstandssekretariat oder ähnlich) reklamieren und eindeutige Forderungen Formulieren wie z.B. höhere Einzahlungen zuzulassen oder aufgrund von fehlerhaften Zinsklauseln Zinsansprüche Rückwirkend gutzuschreiben.
    Sollte das nichts bringen, können Sie sich immer noch überlegen, ob es sich lohnt weitere Schritte einzuleiten.

    Wenn Sie sich damit allerdings schon für ein Opfer halten?!
    Ich hoffe aber ich konnte mit den Ausführungen etwas weiterhelfen!

  • @Pendler

    Der Sparvertrag wurde 1998 abgeschlossen. Damals waren 2 bis 3% Bonuszins für eine langsfristige Geldanlage (25 Jahre) nicht sonderlich viel. Mittlerweile machen die das natürlich nicht mehr.
    Wenn ich den Original-Verkaufsprospekt nicht noch hätte würde ich so etwas auch nicht behaupten.
    Vertragsbedingungen bekommt man bei einem Sparbuch i.d.R. nicht.

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