Christian Noyer im Interview
„Verbindung zwischen Banken und Staaten muss durchtrennt werden“

Der französische Notenbank-Chef Noyer drängt darauf, die Probleme des Euro bei der Wurzel zu packen: Nur eine Bankenunion könne die Geldpolitik wieder flott machen - und neue Anleihekäufe der EZB verhindern.
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ParisHandelsblatt: Herr Noyer, ist der Euro so ernsthaft in Schwierigkeiten, dass die Währungsunion auseinanderbricht?
Das ist überhaupt nicht mein Eindruck. Was wir jetzt hören, ist der letzte verzweifelte Versuch einiger Feinde des Euros, die nie an die Gemeinschaftswährung geglaubt haben. Noch unmittelbar vor ihrer Einführung haben sie behauptet, sie werde nie starten. Andere haben gesagt, die Katastrophe komme sechs Monate später. Tatsache ist, wir hatten eine fantastische Zeit mit dem Euro: keine Inflation und mehr neue Arbeitsplätze als in den USA.

Diese Phase wurde von der Finanzkrise unterbrochen ...

... die ja in den USA ihren Ursprung nahm. Wir haben dann festgestellt, dass in der Euro-Zone vor allem bei der Umsetzung der Fiskalpolitik und der Strukturpolitik Fehler gemacht wurden. Aber die sind bereits behoben oder werden noch behoben. Ich bin mir absolut sicher, dass der Euro-Raum die Krise überstehen und gestärkt daraus hervorgehen wird.

Das Thema des Tages ist die Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht. Liegt hier ein Teil der ursprünglichen Probleme der Währungsunion?

Man hat während der Krise erkannt, dass die Aufsicht am besten nahe an oder in der Zentralbank angesiedelt ist oder von ihr unterstützt wird. Heute liegt die Aufsicht in 14 von 17 Euro-Ländern entweder in den Händen der Zentralbank oder in deren Nähe.

Aber was hat das mit Geldpolitik zu tun?

Wir haben ein klares Problem der Übertragung der Geldpolitik auf die Finanzierungskosten der Banken. Für die Märkte hängt der Zinssatz, den einzelne Banken zahlen müssen, von den Kreditkosten ihres Staates ab und nicht von den Sätzen, die die Zentralbank festsetzt. Das heißt, dass die Übertragung unserer Geldpolitik nicht funktioniert - für eine Zentralbank ist das nicht akzeptabel. Wir haben deshalb versucht, dem entgegenzuwirken.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Zuerst haben wir versucht, durch das Ankaufsprogramm für Wertpapiere die Stimmung am Markt zu drehen. Wir haben auch die Beträge drastisch erhöht, die das Eurosystem den Banken zur Verfügung stellt. Aber wir können uns nicht unbegrenzt auf ein System verlassen, in dem die Zentralbank das Bankensystem massiv mit Liquidität versorgt und auf der anderen Seite ihrer Bilanz massiv Liquidität erhält. Auf Dauer kann sie diese Mittlerrolle nicht spielen.

Kommentare zu " Christian Noyer im Interview: „Verbindung zwischen Banken und Staaten muss durchtrennt werden“"

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  • Was uns in der schönen neuen Welt einer europäischen Bankenunion bevorsteht, zumal dann, wenn nach dem Rezept des Franzosen Noyer die Aufsicht letztlich lokal bleibt, kann man in dem Reuters-Bericht "Clandestine loans were used to fortify Greek bank" über Mauscheleien griechischer Banken nachlesen: http://www.reuters.com/article/2012/07/16/us-greece-banks-idUSBRE86F0CL20120716

    Aber natürlich nicht in der deutschen Penner-Presse; nicht einmal in Wirtschaftsblättern!
    Armes Deutschland!

  • Moderne Banken sind nichts anderes als Schulden-Vermehrer, die kein anderes Ziel haben, als das weltweite Zins- u. Schulden-Karussell aus Motiven der Habgier und zum Zwecke des Profits immer schneller zu drehen – bis die unfreiwilligen Mitfahrer, die Schuldner, heruntergeschleudert werden, um im Bild zu bleiben. Das ist dann der Bankrott und die „feindliche Übernahme“ (Privatisierung) ganzer Nationen durch die privaten Banken-Kartelle.

    Und nur aus diesem einem Grund stehen alle Nationen unter wirtschaftlichem Wachstumszwang.


    "Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh."

    - Henry Ford (1863-1947), Gründer der Ford Motor Company

    Ohne die künstliche Steigerung der Geldmenge ließe sich der (nur für die Banken) profitable Schuldendienst nicht aufrechterhalten, und ohne die dadurch erforderliche und erzwungene Steigerung der Güterproduktion und der Dienstleistungen hätte die künstliche Aufblähung des Geldvolumens schon jetzt zum totalen Wirtschafts-Zusammenbruch geführt. Aber der ist natürlich nur eine Frage der Zeit und steht nun unmittelbar bevor.

    Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

    www.wissensmanufaktur.net

  • Noyer verdreht einem die Worte im Mund. Der große Lobbyist, siht sogar die Demokratie nicht gefährdet. Und der Hinweis auf die dt Landesbanken: Hat D etwa die PIGS um Hilfe gebeten. Und Weidman ist nicht isoliert.
    Wenn Leute wie dieser Noyer an der Macht sind, bleibt den Deutschen nur der Austritt oder zahlen, zahlen, zahlen.

    Schade, dass D keine so kaltschnäuzigen Politiker hat wie F.

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