Euro-Krise
Draghis magische Worte

Vor genau zwei Jahren kündigte Mario Draghi an: „Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der Satz war die Wende in der Euro-Krise – und ein Bruch mit trügerischen Grundsätzen.
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DüsseldorfWer heute daran zweifelt, ob es den Euro nächstes Jahr noch gibt, erntet allenfalls ein müdes lächeln. Die Euro-Krise spielt in der öffentlichen Debatte keine große Rolle mehr. Selbst als die wichtigste portugiesische Bank Espirito Santo jüngst ins Straucheln geriet, interessierte das die Finanzmärkte kaum. Vor zwei Jahren war das noch ganz anders. Im Sommer 2012 gab der Star-Investor George Soros dem Euro noch ganze drei Monate – und warnte vor einem verlorenen Jahrzehnt für den Kontinent.

Zu diesem Zeitpunkt schien die Situation in der Euro-Zone außer Kontrolle zu geraten. Spanien musste für seine Anleihen mehr als sieben Prozent Zinsen zahlen. Bei diesen Aufschlägen waren Griechenland, Irland und Portugal bereits unter den Rettungsschirm geflüchtet. Wenn Spanien das auch getan hätte, wäre als nächstes Italien ins Visier geraten – ein Land mit mehr als zwei Billionen Euro Staatsschulden. Eine Rettung Spaniens und Italiens aber wäre mit den Mitteln aus dem Rettungsschirm nicht zu stemmen gewesen. 

Allen war zu diesem Zeitpunkt klar: Irgendetwas musste passieren. Mit zwei Sätzen auf einer Investorenkonferenz in London leitet EZB-Chef Draghi am 26. Juli 2012 die Wende ein: „Innerhalb ihres Mandats wird die EZB alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.“ Draghi verrät an diesem Tag noch nicht einmal, was genau er vor hat. Doch seine Worte schlagen an den Börsen in Frankfurt, Paris und London ein wie eine Bombe: Der Euro legt sofort kräftig zu, die Aktienkurse steigen und die Zinsen für Staatsanleihen der Krisenländer Italien und Spanien fallen drastisch.

Während die Eurozone insgesamt vor zwei Jahren noch in der Rezession steckte, wachsen Länder wie Griechenland und Spanien inzwischen wieder. Davon profitiert auch Deutschland mit einer höheren Wachstumsrate und geringeren Kosten für die Euro-Rettungspakete. Draghis Intervention stellt einen Bruch mit drei alten Grundsätzen dar, die sich in der Krise als trügerisch erwiesen haben:

 

1.       Anleihemärkte sind effizient

Im Ökonomie-Lehrbuch ist die Sache simpel: Die Zinsen für eine Anleihe spiegeln das damit verbundene Risiko wieder, ähnlich wie bei einer KfZ-Versicherung. Nach dieser Logik sollte die EZB nicht in den Markt eingreifen, da sie sonst die Risikobewertung verzerrt. Schließlich ist der Spardruck umso größer, je höher der Zins.    

Diese Vorstellung setzt allerdings voraus, dass Investoren perfekt informiert und rational sind. Doch das ist eine reine Wunschvorstellung. Vor der Euro-Krise mussten Länder wie Griechenland oder Spanien für ihre Staatsanleihen kaum höhere Zinsen zahlen als Deutschland. Die Investoren ignorierten konsequent die Risiken dieser Länder.

In der Krise dann stiegen die Zinsen immer weiter, obwohl die betroffenen Länder massive Spar- und Reformanstrengungen unternahmen. Kurzum: Erst waren die Zinsen viel zu niedrig, dann viel zu hoch. Deshalb taugt der Markt nur bedingt als Steuerungsinstrument.  

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