EZB bleibt im Krisenmodus
Leitzins bleibt auf Rekordtief

Konjunkturschwäche und Mini-Preisauftrieb halten Europas Währungshüter im Krisenmodus. Neue Instrumente packen sie vorerst aber nicht aus. Zuletzt war auch über Strafzinsen für Banken spekuliert worden.
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Frankfurt/MainDie Europäische Zentralbank (EZB) hält unvermindert an ihrer lockeren Geldpolitik zur Krisenbekämpfung fest. Wie erwartet beschloss der EZB-Rat am Donnerstag, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent zu belassen, teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Auch der Einlagensatz bleibt unangetastet bei 0 Prozent. Zuletzt war darüber spekuliert worden, dass die Notenbank erstmals einen Negativzins beschließen könnte - Banken also etwas dafür bezahlen müssten, ihr Geld bei der EZB zu parken, statt es weiterzuverleihen.

Den wichtigsten Zins zur Versorgung der Eurobanken mit Zentralbankgeld hatten die Währungshüter erst im November um 0,25 Prozentpunkte gesenkt – und dies mit dem mickrigen Preisauftrieb begründet. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, er erwarte einen langen Zeitraum niedriger Inflation.

Nach der überraschenden Zinssenkung im Vormonat hatten die meisten Ökonomen vorerst keine weiteren Schritte erwartet – auch wenn die Konjunktur im Euroraum weiter schwächelt. Zumal auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ betont hatte: „Der Rat der EZB hat doch gerade erst die Geldpolitik weiter gelockert, da halte ich es nicht für sinnvoll, gleich schon die nächste Runde einzuläuten.“

EZB-Präsident Mario Draghi wird auf der ab 14.30 Uhr stattfindenden Pressekonferenz die Inflations- und Wachstumsprognosen der Notenbank vorstellen. Die Projektionen dürften die Debatte anheizen, ob die Währungshüter genug getan haben, um Deflation zu verhindern und die Konjunkturerholung im Euroraum zu stützen oder ob sie auf unkonventionellere Maßnahmen zurückgreifen soll.

„Sollte sich die Lage verschlimmern, ist der Rat bereit, gewillt und fähig zu handeln“, sagt Richard Barwell, leitender Ökonom bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London. Zwar würden „verschiedene unkonventionelle Maßnahmen erörtert, die der Rat auch bereit ist einzusetzen“, dennoch werde Draghi signalisieren, „dass es keinen Grund zur Panik gibt.“

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  • Eigentlich schade, ich denke es ist an der Zeit, sozialistisches Gedankengut zu aktivieren. In der DDR gab es das schon, Sparguthaben von Westlern wurden korrekt geführt, Jahr für Jahr erhielt man einen Auszug, aus dem die durch Bearbeitungsgebühren sinkenden Guthaben ausgewiesen wurden. Zinsen gab es natürlich nicht - diese Auswüchse des ausbeuterischen kapitalistischen Systems!
    Unser italienischer Freund D. hat das "ökonomische Lexikon" (des Sozialismus ,jeder VWL'er hat da mal hineingeschaut) gut verinnerlicht.

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