EZB-Chefvolkswirt
„Von einem Ausstieg zu reden ist verfrüht“

Trotz der gestiegenen Inflation im Euroraum sieht EZB-Chefvolkswirt Peter Praet keinen Grund für einen baldigen Kurswechsel in der Geldpolitik. Der jüngste Ölpreisrückgang könne den Preisanstieg wieder dämpfen.
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FrankfurtDer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) hält die Zeit für eine geldpolitische Wende noch nicht für reif. Die Wirtschaftsaussichten im Währungsraum seien immer noch abhängig davon, dass ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Lockerung beibehalten werde, sagte der oberste EZB-Ökonom, Peter Praet, der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“ (Freitagausgabe). „Von einem Ausstieg zu reden ist verfrüht.“ Der jüngste Inflationsschub gehe auf die Ölpreise zurück, die aber zuletzt wieder um zehn Prozent gesunken seien. „Wir müssen auch sehen, dass sich Stimmungsindikatoren in harten Daten bestätigen.“

Die Inflation lag im Februar mit 2,0 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder leicht über der Zielmarke der Notenbank von knapp unter zwei Prozent. Das hatte insbesondere in Deutschland die Rufe nach einem Ende der ultraexpansiven Kurses wieder lauter werden lassen. Zudem äußerte sich die EZB in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht sehr zuversichtlich zur weiteren Entwicklung der Konjunktur. An den Märkten wird deshalb bereits spekuliert, dass sich die Zeit des ultrabilligen Geldes allmählich dem Ende zuneigen könnte.

Größter Inflationstreiber ist allerdings der höhere Ölpreis: So legten die Kosten für Energie legten im Februar um 9,2 Prozent zu. Die EZB und ihr Chef Mario Draghi die steigende Inflation vor allem auf statistische Effekte beim Ölpreis zurückgeführt. Zu Jahresbeginn 2016 war dieser unter 30 Dollar pro Barrel gerutscht. Zu Jahresbeginn war er hingegen auf fast 55 Dollar gestiegen - inzwischen notiert der Preis für die Sorte WTI unter der 50-Dollar-Marke.

Das spricht dafür, dass die EZB ihre ultralockere Geldpolitik länger fortsetzt. Die Leitzinsen liegen derzeit auf dem Rekordtief von Null Prozent. Um die Konjunktur anzuschieben und um für mehr Inflation zu sorgen, pumpt die Euro-Notenbank zudem seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist doch klar das die Guthabenzinsen für den Bankkunden bei Null bzw. inkl. Bankgebühren dann bei Negativ gehalten werden...solange die Darlehnszinsen bei 2-3% liegen ist das ein bomben Geschäft für die Banken auf Kosten der Sparer und Bankkunden.

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