EZB-Direktor in spe
Mersch verteidigt Draghis Anleihe-Pläne

Mitten im Streit um seinen eigenen Posten bei der EZB tritt Direktoriumskandidat Yves Mersch den Zentralbank-Kritikern entgegen. Er halte die geplanten Anleihekäufe für ein „gewaltiges Bollwerk“ zum Schutz der Eurozone.
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Berlin/FrankfurtDas künftige EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hat die von der Notenbank geplanten Staatsanleihenkäufe verteidigt. Das im September vom EZB-Rat beschlossene Programm sei "ein gewaltiges Bollwerk gegen die zerstörerischen Szenarien, die mitunter an den Finanzmärkten gespielt wurden und die letztlich die Preisstabilität in der Eurozone gefährden könnten", sagte Mersch am Dienstag laut Redetext auf dem Deutschen Maschinenbaugipfel in Berlin.

Im Vergleich zu dem im Mai 2010 unter dem Eindruck der ersten Griechenland-Krise aufgelegten ersten Ankaufprogramm biete der zweite Aufguss, im Fachjargon OMT (Outright Monetary Transactions) genannt, viele Vorteile und weniger Risiken. Zwar gebe es im vorhinein "keine quantitative Festlegungen auf die Volumina der OMTs.

Beim operativen Design wurde jedoch das Risikomanagement nicht aus den Augen verloren". Beim ersten - SMP (Securities Markets Program) genannten - Kaufprogramm hatte die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen in einem Volumen von knapp mehr als 200 Milliarden Euro am Markt gekauft.

"Die einzige Parallele ist, dass beide Programme nicht auf Dauer angelegt sind", sagte der Chef der Luxemburger Zentralbank und nahm damit das Programm gegen Kritik vor allem aus Deutschland in Schutz. Die an strikte Bedingungen geknüpften Anleihekäufe seien "Teil unserer unkonventionellen geldpolitischen Krisenmaßnahmen - und damit zeitlich begrenzt. Sie kaufen Zeit, in der die erforderlichen Reformen und Anpassungen in den Mitgliedsländern durchgeführt werden können."

Die Bundesbank und ihr Präsident Jens Weidmann kritisieren den Plan der EZB scharf. Auch der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark brandmarkte den Kurs der Euro-Notenbank in einem am Dienstag veröffentlichten Interview als weit über die Grenzen des EZB-Mandats hinausgehend.

Mersch warf Kritikern vor, sie hätten durch Passivität eventuell einen finanzielle Katastrophe heraufbeschworen. Zwar wisse niemand, was passiert wäre, wenn der EZB-Rat nicht seine Bereitschaft zum Handeln signalisiert hätte. "Aber all unsere Analysen deuteten daraufhin, dass konsequente Passivität dramatische Folgen gehabt hätte."

Bereits die Ankündigung der OMTs habe zu einer Beruhigung an den Finanzmärkten geführt. "Übrigens ohne, dass bislang entsprechende Geschäfte effektiv ausgeführt worden wären." Ganz ohne Risiken seien die Aktionen der EZB freilich nicht, räumte Mersch ein. "Wer handelt, geht Risiken ein. Diese dürfen nicht verschwiegen oder wegdiskutiert werden, sondern müssen erkannt, benannt und gemeistert werden."

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  • Luxemburg lebt vom sanktionierten Steuerbetrug, und das sehr gut. So groß wie ein deutscher Landkreis erlaubt es sich eine große Klappe wie eine Weltmacht, besonders wenn es um seine Interessen geht.
    Aber es ist schon eine Weltmacht. Nach den USA ist es der weltgrösste Standort für Investmentfonds. Warum wohl, dummer deutscher Michel?

  • Mr. Goldman Sachs hat gesprochen. Ein durchtriebener Oberschurke reinsten Wassers. Ein Geier unter den raffgierigen Bankstern. Mit seinen Reden versucht er mit allen Mitteln, uns und den thumbem Nichtwissern der Politdarsteller Sand in die Augen zu streuen.

    Dieser widerliche Systemling der Seinesgleichen sucht und in D auf höchster Ebene fündig geworden ist. Ein Zerstörer der Demokratie und der Freiheit. Eine Schande für unser Land dass dieser Antichrist des Humanismus von unserer Presse nicht in der Luft zerissen wird.

    Wenn er davon spricht, dass die Monetarisierung der Bankschulden nicht zur Hyperinflation führen wird, weil das Geld an anderer Stelle aus dem Markt genommen wird, meint er damit die Vermögen der kleinen Sparer und deren Altervorsorge.

    Und wir lassen das Alles in aller Ruhe geschehen. Wohin das führen wird? Wehret den Anfängen. Die Faschisten des Turbokapitlismus werden die Völker bis aufs Blut aussaugen und Gewalt und Zerstörung auf den Straßen hinterlassen. „Teile und Herrsche“ ist ihr Motto.

    Nur damit sie ihr System retten treiben sie die notleidenden Menschen in einen Bürgerkrieg, aus dem sehr bald ein Bruderkrieg werden kann, wenn wir nicht rechtzeitig aufwachen und dafür Sorgen, dass wir nicht endlich so etwas wie Demokratie in unsere Parlamentsentscheidungen bekommen.

    Von den Verfassungsschützern und deren Richtern sind wir immer nur verraten worden. Zum Wohle des Volkes, wie es hochtönend im GG niedergeschrieben ist, wurde noch nie ein echtes Gesetz verabschiedet. Ein Armutszeugnis für unsere parlamentarische Demokratie,, deren Vertreter nur für ihr eigenes Machtinteresse und für den eigenen Sack arbeitet.

    Herr Draghi möge bitte wieder dorthin zurückkehren, wo er hergekommen ist. In die Hölle des Kapitalismus von Goldman Sachs. Als Teufel kann er dort „God´s own Work“ verrichten. Aber er soll ablassen davon, uns zu belügen.

  • @ Baier, denken Sie noch einmal in Ruhe nach: Deutschland kann tauschen, Frankreich kann nicht tauschen, Italien kann nicht tauschen, Luxemburg könnte tauschen. Das ist das Gegenteil der "Katastrophe"

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