Fed-Chef vor dem Kongress
Bernanke bleibt auf dem Gaspedal

Wie lange hält die US-Notenbank noch an ihrer lockeren Geldpolitik fest? Fed-Chef Bernanke zeigte sich am Mittwoch flexibel: Je nachdem, wie schnell sich die Wirtschaft erholt. Man folge keinem „vorab festgelegten Kurs“.
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WashingtonUS-Notenbankchef Ben Bernanke lässt weiterhin offen, wann die Währungshüter das laufende, milliardenschwere Kaufprogramm für Anleihen zurückfahren wollen. Dies werde davon abhängen, wie stark sich die die Wirtschaft in den kommenden Monaten erholt, sagte Bernanke in der mit Spannung erwarteten Anhörung vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses (hier Bernankes vorab verbreiteter Redetext).

Die Fed-Politik folge demnach „auf keinen Fall einem vorab festgelegten Kurs“. Sollte sich die Konjunktur schneller als erwartet verbessern, könne „das Tempo der Ankäufe auch schneller verringert werden“, sagte Bernanke und nannte als Zeitrahmen „später im Jahr“.

Andererseits könne die Fed ihre konjunkturstützenden Maßnahmen auch verlängern, sollte es etwa auf dem Arbeitsmarkt nicht schnell genug vorangehen, so Bernanke. Falls nötig sei die Fed sogar bereit, das Ankauf-Programm sogar noch zu erweitern. Die Nullzinspolitik aber werde unabhängig von den Anleihekäufen noch eine lange Zeit weitergeführt.

Seit Ende vergangenen Jahres kauft die Fed jeden Monat Anleihen und Hypothekenpapiere in Höhe von 85 Milliarden Dollar auf, um die Zinsen niedrig zu halten und damit die Konjunktur zu stützen. Es ist bereits die dritte Runde der so genannten „Quantitativen Lockerung“. Gleichzeitig hält die Notenbank den Leitzins bei nahe Null. Investoren erhoffen sich seit Monaten Hinweise darauf, wie lange Bernanke an dieser expansiven Geldpolitik festhalten werde.

Zuletzt hatte es dazu widersprüchliche Signale gegeben. Ende Juni hatte Bernanke erstmals angedeutet, die Anleihekäufe ab Herbst zurückfahren zu wollen und dann Mitte 2014 ganz einzustellen. Dies hatte weltweit die Kurse einbrechen lassen. Anfang Juli dann sagte der Fed-Chef bei einer Rede in Boston, dass es noch lange einer extrem lockeren Geldpolitik bedürfe.

Zur Stunde steht der 59-Jährige noch den Abgeordneten des Repräsentantenhauses in Washington Rede und Antwort. Am Donnerstag wird Bernanke dann auch vor einem Ausschuss des Senats erscheinen. Der Fed-Chef muss halbjährlich zu Anhörungen vor dem US-Parlament erscheinen und dort die Politik der Notenbank erklären sowie Auskunft über die Lage der Konjunktur geben.

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  • "Bernanke ist dazu verdammt, seinen Kurs fortzusetzen. Tut er es nicht, wird ein Chaos an den Börsen entstehen"

    ... und wohl nicht nur an den Börsen.

    Eine Volkswirtschaft, welche seit Jahrzehnten in beinahe allen Bereichen "auf Pump" lebt und dementsprechend auch in allen Bereichen komplett überschuldet ist, wird sich zwangsläufig erst von den Schulden befreien müssen, bevor es wieder weiter geht...
    ... mit dem alten Spiel - in gewohnter Manier, Verteilung und gesell. Rangordnung.

    Noch nicht einmal ein Fracking-Strohfeuer kann da eine wesentliche Verbesserung in puncto Weltmarkttauglichkeit schaffen.

    Hüben wie drüben: der Druck wird weiter zunehmen - mal schaun', in welcher Form er abgebaut werden wird.
    Dysfunktionale Systeme wurden bisher oft über Nacht abgeschafft.

    Frage: ist das aktuelle System dysfunktional?

  • Andersrum: Die Banken lassen die Politmarionetten Rahmenbedingungen schaffen, um auch morgen und übermorgen den Rest der Welt für sich arbeiten zu lassen.

    Stoppen kann das nur eine schiere Masse von Ameisen, die gemeinsam auch einen Löwen töten können.

    Liebe NSA: Dieser Kommentar ist verfassungsrechtlich bedenklich. Kommt mich doch mal besuchen.

  • Hydralic Fracturing ist die grösste Lachnummer des Jahrhunderts. Und die Leute glauben auch noch daran. Das globale Erdölfördermaximum wurde laut IEA im Jahr 2008 erreicht - das konnte man auf wundersame Weise erst 2012 feststellen. Seitdem sichert man sich im Nahen Osten militärisch die "Förderrechte" der wenigen Länder, deren Produktionsmaximum noch nicht erreicht wurde. Die militärische Neuordnung des Iraks, Syrien und anschliessend des Iran ist ein Rohstoffkrieg. Genauso wie in Mali. Dort sichern die Franzosen die Minen des fossilen Brennstoffs Uran.

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