Fed-Chefin
Die mächtigste Frau der Welt

Der US-Senat hat am Montag Janet Yellen als Nachfolgerin von Fed-Chef Ben Bernanke bestätigt. Die Ökonomin steht für einen neuen Zeitgeist. Vor ihr liegen große Herausforderungen an der Schaltstelle der Weltwirtschaft.
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DüsseldorfJanet Yellen hat der Institution, die sie nun führen soll, viel zu verdanken. Nicht nur beruflich – auch privat. Es war in der Cafeteria der amerikanische Notenbank Fed, wo sie ihren späteren Ehemann George Akerlof kennen lernte. „Wir mochten uns auf Anhieb und entschlossen uns zu heiraten,“ schreibt der spätere Nobelpreisträger Akerlof in seiner Autobiografie. „Nicht nur unsere Persönlichkeiten passten perfekt zusammen, auch in makroökonomischen Fragen waren wir fast immer einer Meinung.“

Akerlof gehört zu den größten Kritikern des lange Zeit in der Wirtschaftspolitik dominierenden neoklassischen Mainstreams. Jener Politik also, die eine aktive Rolle von Staat und Notenbank bei der Steuerung der Wirtschaft ablehnt. Auf der Tagung der American Economic Association (AEA) 2007 hielt Akerlof ein flammendes Plädoyer für die Rehabilitation des Keynesianismus. Dieser plädiert im Gegensatz zur Neoklassik für eine aktivere Steuerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.

In dieser Frage tickt Janet Yellen ähnlich wie ihr Mann. Bezogen auf die Geldpolitik heißt das: Sie betont nicht nur das Ziel der Preisstabilität, sondern räumt dem anderen Ziel der Fed, einer möglichst hohen Beschäftigung, mindestens ebenso viel Gewicht ein. Und Yellens Wort hat nun große Bedeutung. Sie bestimmt den geldpolitischen Kurs der wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt. Von ihrem Geschick hängt damit maßgeblich ab, ob eines der größten Experimente der jüngsten Wirtschaftsgeschichte gut ausgeht. Nach der Finanzkrise haben die Notenbanken der Industrieländer – allen voran der USA – zu einer sehr unkonventionellen Geldpolitik gegriffen. Um die Schwierigkeiten der Finanzkrise zu bewältigen brachen sie viele Tabus. Zum Beispiel kaufte die Fed in großen Stil Staatsanleihen. Die Notenbanken änderten ihren Kurs frei nach Keynes Devise: „Wenn die Fakten sich ändern, ändere ich meine Meinung.“ Janet Yellen steht wie kaum eine andere für diesen Kurswechsel. Wie so oft spiegelt ihre Nominierung für den Fed-Chefposten die aktuelle Entwicklung des ökonomischen Mainstreams in den USA wieder.

Ende der 70er Jahre berief US-Präsident Jimmy Carter den radikalen Inflationsbekämpfer Paul Volcker zum Fed-Chef. Damals hieß das größte Problem: Inflation. Um mehr als 15 Prozent pro Jahr stiegen die Preise. Volcker setzte alles daran, um das Problem in den Griff zu bekommen. Zweitweise erhöhte er dafür den Leitzins sogar auf mehr als 20 Prozent. Die US-Wirtschaft stürzte er mit diesem Kurs in eine Rezession. Den Kampf gegen die Inflation aber gewann er.

Seit der Finanzkrise haben sich die Prioritäten dramatisch geändert. Heute treibt Ökonomen vor allem eine Frage um: Wie lassen sich die Folgen der Finanzkrise ohne allzu hohe Arbeitslosigkeit bewältigen? Für Yellen ist klar, dass auch die Geldpolitik Antworten darauf geben muss.

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Yellens Prioritäten

Kommentare zu " Fed-Chefin: Die mächtigste Frau der Welt"

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  • Ich dachte immer dies hier seien die mächtigsten Frauen .... (abgesehen von U. von der Leyen, versteht sich).

    http://www.mopo.de/politik---wirtschaft/die--eiserne-lady--ex-premierministerin-margaret-thatcher-ist-tot,5066858,22313306.html

    http://www.royal.gov.uk/hmthequeen/hmthequeen.aspx

  • So ist man auf beiden Seiten des Atlantiks bemüht mit
    dem Quantitative Easing, oder besser gesagt, mit dem
    hemmungslosen Ankauf von fast wertlosen Papieren, sich
    gegenseitig im Wechselspiel von Euro und US$ deren
    Werte herunterzureißen.
    Die besten Voraussetzungen für den Jahrhundertcrash
    bietet jetzt Janet Yellen an, unter deren Aufsicht,
    als Präsidentin der FED von San Fransisco, die einst
    größte Hypothekenbank der U.S.A., Countrywide Financial,
    in den Ruin stürzte, und damit der Startschuß für die
    Finanzkrise weltweit ausgelöst wurde.
    So sind wir alle gespannt wie lange der Atem des
    Quantitative Easing der FED und der EZB ausreichen
    wird bis der auf 750 Billionen US$ geschätzte Deri-
    vatenmarkt zusammenbricht, denn weder auf die voll-
    mundigen Versprechungen einer Janet Yellen, sowie
    eines Mario Draghis zur Finanzsicherheit, sind, auf
    aufgrund ihrer Vergangenheit, Zweifel an der Ver-
    läßlichkeit anzumelden.

  • http://central.banktunnel.eu/20140107-0950-ecbint-pROOF-OF-LIFE.jpg

    Fällt zwar in die Zuständigkeit der Helaba oder Bundesbank (Zahlungsverkehr) ....

    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/72468293988/http-www-dict-cc-s-bankeinzug

    ... gewogen und für zu leicht befunden!

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