Fed und US-Geldpolitik
Die Zinserhöhung, die keine ist

Die Fed will die Zinsen erhöhen – frühestens aber erst im Juni. US-Notenbank-Chefin Janet Yellen löst mit dieser Ansage zwar die Handbremse, hat den Fuß aber weiter auf dem Bremspedal. Damit riskiert sie einiges.
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San FranciscoDas Ende naht, aber es ist noch ganz weit weg. US-Notenbankchefin Janet Yellen machte am Mittwoch in Washington klar, sie will die Niedrigzinspolitik bis zur allerletzten Sekunde auskosten. Sie will sie eigentlich sogar von der Notfallmaßnahme zum Normalfall erklären. Das aber ist genau das, was Kritiker befürchten. Es ist ein riskantes Spiel. Reagiert sie zu spät, schießt die Inflation über ihr Ziel hinaus.

Bleiben die Zinsen zu lange am Boden, hat sie keine Steuerungsmittel mehr, wenn es zu einer überraschenden Rezession kommen sollte. Ist die überraschend festgestellte Abschwächung des Wirtschaftswachstums nur dem Winter an der Ostküste zuzuschreiben oder ist es Vorbote einer Rezession? Ist die geringe Inflation dauerhaft oder nur schöngefärbt durch starken Dollar und zeitweilig niedrige Ölpreise? Es ist ein Tanz auf Eierschalen.

Theoretisch könnte eine Anhebung der amerikanischen Leitzinsen auf der April-Sitzung des Offenmarktausschusses passieren, teilte die Notenbank Fed am Mittwoch mit. Aber das sei „unwahrscheinlich“ wird gleichzeitig ausdrücklich betont. Danach wäre wieder im Juni eine Chance, das Ende der gefährlichen Anomalien an den Finanzmärkten einzuleiten, die seit sechs Jahren bestehen.

Es gibt billiges Geld zum Nulltarif und der Zins gehört einer aussterbenden Gattung an. Dafür überflutet billiges Geld Aktien- und Immobilienmärkte und die Gefahr von überhitzten Märkten steigt täglich. Aber auch auf der Sitzung der Fed im Juni erscheint die Zinsanhebung eher unwahrscheinlich. Denn die Erwartungen der Fed für den Leitzins am Jahresende bekamen am Mittwoch einen drastischen Dämpfer.

Es ist der sogenannte „dot plot“, der an der Wall Street die Sektkorken knallen lässt. Das ist eine kleine Grafik aus Punkten, die anzeigt, wo die Mitglieder des Offenmarktausschusses den Leitzins am Ende des Jahres sehen. Und sieben von 17 Stimmen einigten sich auf eine Spanne von 0,5 bis 0,75 Prozent für den Leitzins Federal Funds Rate.

Um das zu erreichen, genügen vom aktuellen Niveau zwei kleine Erhöhungen um 0,25 Prozentpunkte. Damit muss man nicht im Juni anfangen. Ab September oder Oktober ist immer noch genug Zeit. Vergangenen Dezember lagen die Zinsvorhersagen noch zwischen ein und zwei Prozent am Jahresende. Dazwischen liegen Welten, die die Kursrally am Aktienmarkt bedeuten.

Yellen versüßt die Ankündigung des Endes der Nullzinszeit also mit dem Geschenk einer drastischen Reduzierung der Zielmarke. Die Party kann weitergehen, ist die Botschaft an die Wall Street. Mit anderen Worten: Yellen verspricht eine Zinserhöhung, die keine ist.

Kein Wunder, dass der Dow Jones Index mit einen gewaltigen Sprung von fast 400 Punkten aus dem Minus ins Plus drehte und wieder mit über 18.000 Punkten schloss. Das Risiko eines massiven Kursrückschlags ist seit gestern deutlich geringer geworden. Zumindest für eine gewisse Zeit. Noch ein anderer Effekt kommt dazu: Ein befürchteter Ausverkauf am Markt für amerikanische Staatsanleihen fällt durch die versprochene Minimal-Anhebung erst einmal aus.

Kommentare zu " Fed und US-Geldpolitik: Die Zinserhöhung, die keine ist"

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  • Boom and bust!
    ----------------------
    Wie es aussieht steuert J. Yellen, bewußt oder unbewußt, in die
    gleiche Richtung wie in ihrer ehemaligen Eigenschaft als
    kalífornische Notenbankschefin, die Countrywide Financial,
    diesmal nicht nur die U.S.A. in eine Hypothekenkrise, sondern
    diesmal läßt sie es ordentlich weltweit in Kooperation mit
    der EZB krachen!

  • "Sie will sie eigentlich sogar von der Notfallmaßnahme zum Normalfall erklären. Das aber ist genau das, was Kritiker befürchten. Es ist ein riskantes Spiel. Reagiert sie zu spät, schießt die Inflation über ihr Ziel hinaus. Bleiben die Zinsen zu lange am Boden, hat sie keine Steuerungsmittel mehr, wenn es zu einer überraschenden Rezession kommen sollte."

    Die Geister , die ich rief, die werd ich nicht mehr los...

  • Zwei Dinge sind unendlich ...

    Nein, es sind nicht das Universum und die Dummheit der Menschen.

    Es sind die siamesischen Zwillinge Angst und Gier, woraus Dummheit entsteht.

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