Finanzhilfe in der Krise
Europa und der große Geldzauber

Erstmals seit Ausbruch der Krise nehmen die Europäer Summen in die Hand, die der Dimension des Problems gerecht werden. Regierungen und EZB scheuen keine Milliardenbeträge. Doch wie lange geht das gut?
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Drei eng bedruckte Seiten umfassen die Erläuterungen der europäischen Finanzminister zum neuen Paket für Griechenland. Die entscheidende Passage steht im letzten Absatz: Man sei entschlossen, Athen „für die Dauer des Programms und darüber hinaus angemessen zu unterstützen, bis der Marktzugang wiederhergestellt ist“.

Als die Abgeordneten im Bundestag am Montag über das zweite Hilfsprogramm für die Griechen debattieren, ist das dritte also im Prinzip schon fest vereinbart. Denn dass sich das Land wie vorgesehen schon im Jahr 2015 wieder bei privaten Kapitalgebern finanzieren kann, hält kaum ein Experte für wahrscheinlich.

Also sollen wieder die Steuerzahler ran. Sie sind ungewollt Teil einer gigantischen Wette, deren Einsatz ständig erhöht wird: Geld gegen Reformen, Solidarität gegen Solidität. Um die Zukunft Europas geht es bei dieser Wette, aber auch um den Wohlstand der Deutschen. Es gibt in diesen Wochen erste Anzeichen dafür, dass sie trotz der Rückschläge in Griechenland ökonomisch betrachtet aufgehen könnte. Politisch aber wird sie zunehmend zu einem Risiko für die Koalition.

Sie sei für Abenteuer nicht zu haben, hat die Kanzlerin im Bundestag gesagt– dabei hat gerade das größte Abenteuer ihrer Amtszeit begonnen.

Erstmals seit Ausbruch der Krise nehmen die Europäer Summen in die Hand, die der Dimension des Problems gerecht werden. Nicht nur das deutsche Parlament macht immer neue Milliardenbeträge locker. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat in dieser Woche wieder ihre Schleusen geöffnet. 800 Banken erhielten insgesamt 530 Milliarden Euro. Im Dezember haben die Banken bereits 489 Milliarden Euro abgerufen und nun erneut beherzt zugegriffen. Kein Wunder: Die Kredite der Notenbank gibt es fast zum Nulltarif – und sie müssen erst in drei Jahren zurückbezahlt werden.

Der Zentralbankpräsident Mario Draghi hat inzwischen erheblich mehr Liquidität unter die Leute gebracht als sein Vorgänger Jean-Claude Trichet. Er stellt sogar den großen amerikanischen Geldzauberer Ben Bernanke in den Schatten: Die Bilanz des europäischen Notenbanksystems ist auf 2.600 Milliarden Euro angeschwollen – sie übertrifft damit die der US-Notenbank um 500 Milliarden Euro. Der linksliberale Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der seit Langem mehr Engagement der EZB fordert, ist jetzt voll des Lobes. Er sei von Draghi „sehr beeindruckt“, sagte Krugman kürzlich.

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  • @Wartturm.
    Bauen Sie besser nicht darauf. Die Linken in GR sind stark zerstritten. Jede einzelne Partei hat eigene ideologische Vorstellungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich plötzlich einigen. Abgesehen davon denke ich, dass sie eigentlich allesamt heilfroh sind, gerade jetzt nicht regieren zu müssen. Meckern ist doch auch viel einfacher.

    Und nun etwas sehr Wichtiges in unser aller Interesse:

    Sind auch Sie –so wie ich - gegen die ständig wachsenden Zahlungsverpflichtungen Deutschlands für überschuldete Euro-Staaten?
    Gegen den ESM?

    Dann schließen Sie sich bitte massenhaft dem Bündnis Bürgerwille an.
    Klicken Sie auf diesen Link und unterschreiben Sie online:
    http://buendnis-buergerwille.de/index.php?id=123

    Bitte geben Sie diesen Text an möglichst viele Adressaten weiter, am besten via Facebook oder mit Hilfe einer Sammel-Email an alle Personen, die sich in Ihrem Email-Adressbuch befinden!

    Verlieren Sie keine Zeit! Es eilt!

  • @RobertSchumansErben.
    Hier gibt es keinen Sog irgendwelcher Art, niemals. Und schon gar keinen Orkan. Die Deutschen kaufen sich doch erst eine Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmen, das wissen wir doch inzwischen. Das wird alles schön gemächlich vor sich hin plänkeln. Die Sparer werden laaaangsam ihre Zinsen bzw. Renditen verlien - und die meisten werden es wohl nicht mal merken.

  • Theoretisch eine feine Sache, aber die Praxis sieht leider anders aus, weil nur ein Bruchteil der Bevölkerung über den eigenen Tellerand hinausschaut. Die Forenbeiträger hier und anderswo gehören sicher zu den engagierteren Zeitgenossen, aber auch da bin ich immer wieder geschockt über die totale Unkenntnis selbst einfachster wirtschaftlicher Zusammenhänge, Hintergründe und Fakten. Und Infos, die man dann eingibt, werden, wenn sie nicht in das eigene Muster passen, ausgeblendet oder unsachlich attackiert. Selbstverständlich haben sich die üblichen hierarchischen Strukturen überlebt und führen zu fatalen Fehlentscheidungen, weil, wenn nicht Korruption im Spiel ist (ist leider immer häufiger der Fall), die Entscheider fachlich und intellektuell überfordert sind, siehe Merkel, STeinbrück, Steinmeier etc., etc. Vorbilder finden wir in gut geführten Wirtschaftsunternehmen (Indikatoren: Betriebsklima und wirtschaftliche Überlebensfähigkeit), die transparent geführt werden, aber eben geführt. Dabei laufen die Informations- und Diskussionsströme nicht nur in eine, sondern in beide Richtungen. Ein wichtiges Kriterium ist m.E. das Thema Haftung. Es geht nicht, dass Wirtschaftsführer oder Politiker ihren Job vermasseln (etwa Ron Sommer/Telekom oder Gabriel, der Niedersachsen finanziell an die Wand gefahren hat) und dafür auch noch generös abgefunden werden und sich wenig später großmäulig in neuen Führungspositionen spreitzen. Wir werden kaum um Hierarchien herumkommen, auch, weil der Mensch als Rudeltier ein hierarchises Wesen ist, aber wir sollten intensiv diskutieren, wie wir endlich zeitgemäße, intelligente hierarchische Strukturen aufbauen können, die Eitelkeiten, Machtgeilheit, Abzockerei und Seilschaften zumindest massiv erschweren.

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