Geldpolitik der EZB
Draghis Krisenpolitik weckt Zweifel

Geht es nach der EZB, dann wird sie ihren konjunkturstützenden Euro-Kurs noch lange weiter fahren. Doch es gibt Zweifel, ob diese Art der Krisenpolitik auf Dauer hilfreich ist. Ökonomen in Deutschland sehen das kritisch.
  • 7

BerlinÖkonomen in Deutschland halten die derzeitige lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für kein geeignetes Mittel, die Wirtschaft in den Krisenländern anzuschieben. Geldpolitik könne „keine strukturellen Verwerfungen lösen, die infolge der Immobilien- und Bankenkrise in einigen Euro-Ländern entstanden sind“, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts Kai Carstensen Handelsblatt Online. „Die EZB sollte daher von der Politik eine viel zügigere Bereinigung des Bankensektors fordern.“ Das lasse sich aber wohl nur bewerkstelligen, wenn die Gläubiger von Banken in Schieflage herangezogen würden.

Gleichwohl ist Carstensen der Ansicht, dass die Zentralbank eine Niedrigzinspolitik verfolgen sollte, solange die Konjunktur im Euroraum so schwach ist. „Allerdings darf sie ihr Mandat nicht durch eine monetäre Staatsfinanzierung überschreiten“, fügte er hinzu.

EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigte am Mittwoch in Paris, dass der konjunkturstützende Kurs im Euroraum bis auf absehbare Zeit weiter gehe. Der Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik sei weit entfernt.

Zugleich forderte er mehr Anstrengungen der Staaten zur Haushaltskonsolidierung. Der Versuch einiger Länder, Wirtschaftswachstum durch höhere Schulden und Sozialausgaben zu stützen, sei in der Vergangenheit gescheitert, sagte er. Der Schuldenstand in Frankreich beispielsweise habe 1980 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei rund 20 Prozent gelegen. Zuletzt sei er auf 90 Prozent gestiegen. Das Wirtschaftswachstum sei in dieser Zeit immer weiter zurückgegangen.

Der Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim zeigte ebenfalls Verständnis für Draghis Position einer lockeren Geldpolitik. Burghof bezweifelte allerdings auch, ob sich wirklich über billiges Geld die Wirtschaft anschieben lasse. „Das Hauptproblem sind doch eher die fehlende Wettbewerbsfähigkeit und Reformunfähigkeit“, sagte Burghof Handelsblatt Online. „Das billige Geld reduziert aber den Reformdruck, sei es im Staats- oder auch im Bankenapparat.“ In letzterem wirkte es wie eine Subvention. Verbinde man die billige Liquidität mit der impliziten Staatsgarantie für die großen Institute, sei der Wert dieser staatlichen Subventionen gerade für große und schlechte Institute am höchsten. „Wir haben also eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Qualität und zugunsten einer weiteren Verschärfung der Too-big-to-fail-Problematik.“

Daneben seien die niedrigen Zinsen Teil der Rechnung, die für die Finanzkrise den Bürgern ausgestellt werde, sagte Burghof weiter. „Die Sparer zahlen damit indirekt für den Konsum derer, die sich nichts versagt haben, obwohl sie es sich nicht leisten können.“ Kurzfristig niedrige Zinsen seien dabei vielleicht nicht so problematisch, fügte der Ökonom hinzu, obwohl man auch hier gerade bei langfristigen Anlagen einen erheblichen Zinseszinseffekt errechnen könne.

Seite 1:

Draghis Krisenpolitik weckt Zweifel

Seite 2:

"Bürger werden die niedrigen Zinsen massiv spüren"

Kommentare zu " Geldpolitik der EZB: Draghis Krisenpolitik weckt Zweifel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Recht so; je mehr Zweifler um so eher die Wahrscheinlichkeit, dass mal jemand reinen Tisch macht. Draghi hat das "goldige Sodoku" direkt in der Chef-Etage erlernt und die weiss ja bekanntlich wie man das grosse Geld, auf Kosten anderer, macht.

    Mich nervt diese Draghi-Monti-Goldi-und-Co.-Klüngelei einfach nur noch. Diese ganzen Geier gehören vom Himmel geholt.

  • Drum lebe stets ins Saus und Braus, was du hast das gebe aus. Reise um die Welt, vergesse nicht Amerika, bist du in Not, sind die Sparer für dich da. Verlebe in guten Zeiten alles, der Staat zahlt ja für den Fall des Falles. Er weiß wo es was was gibt zu holen, im Zweifelsfalle wirds gestohlen. Die nach Sicherheit im Alter streben, sind in Wahrheit doch die größten Deppen.


  • Draghis Krisenpolitik weckt Zweifel
    ------------------------------------
    Draghi an sich weckt Zweifel (ich sage nur Goldman-Sachs). Er gehört nicht in dieses Amt, das er in seiner Eigenschaft als Italiener (mit seiner nationalen Intonation) gar nicht durch die Krise führen kann. Er versteht sich ja nicht nur als Währungshüter, er maßt sich an, korrupten und bankrotten Südländern die Insolvenz zu verschleppen. Das ist kriminell!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%