Geldpolitik
Euro-System-Bilanzsumme seit Krisenbeginn um 160 Prozent gestiegen

Die Euro-Krise hinterlässt ihre Spuren auch in den Notenbank-Bilanzen. Das Bundesfinanzministerium hat jetzt eine drastische Bilanzausweitung registriert. Unklar ist, wie die Risiken für den Euro-Raum einzuschätzen sind.
  • 8

BerlinDie Euro-Notenbanken und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihre Bilanzsumme krisenbedingt massiv ausgeweitet. Das geht aus einer Handelsblatt Online vorliegenden Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine FDP-Anfrage hervor. Als Grund nennt Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter die „zahlreichen Sondermaßnahmen als Reaktion auf die schwerwiegende Krise an den Finanzmärkten“. Dadurch habe sich die Bilanzsumme des Euro-Systems gegenüber dem Vorkrisenniveau (1. Januar 2007) um etwa 160 Prozent erhöht, heißt es in dem Schreiben. Das Euro-System umfasst neben der EZB die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten der EU, die den Euro eingeführt haben.

Nach Ministeriumsangaben ist die Bilanzsumme des Euro-Systems mit 2,9 Billionen Euro (Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 32 Prozent; Stichtag: 16.03.2012) größer als die der US-Notenbank mit 2,8 Billionen US-Dollar (Anteil am BIP: 19 Prozent; Stichtag: 21.03.2012). Das ist insofern ungewöhnlich, als die Federal Reserve mit ihrem Programm der quantitativen Lockerung durch einen massiven Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren als Inbegriff der ultra-expansiven Geldpolitik durch Geldvermehrung gilt.

Auch bei anderen Zentralbanken wird eine kräftige Bilanzausweitung registriert. So hätten die Zentralbankenbilanzen des Federal Reserve Systems und der Bank of England im Vergleich zum Vorkrisenniveau „sogar um 230 Prozent bzw. 285 Prozent zugenommen“, schreibt Kampeter in seiner Antwort auf die FDP-Anfrage.

Eine Bewertung darüber, ob durch die größere Bilanzsumme des Euro-Systems auch die Risiken für den Euro-Raum zunehmen, wollte der CDU-Staatssekretär unter Hinweis auf die Unabhängigkeit der EZB nicht abgeben. Das frühere EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hatte dagegen jüngst die Angst der Deutschen vor zunehmenden Risiken der kräftigen Bilanzausweitung als übertrieben bezeichnet. Letztlich sei die Ausweitung der EZB-Bilanzsumme vor allem eine Folge des Misstrauens der Banken, sich gegenseitig grenzüberschreitend Geld auszuleihen, erklärte Bini Smaghi im März in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Seite 1:

Euro-System-Bilanzsumme seit Krisenbeginn um 160 Prozent gestiegen

Seite 2:

Weidmann warnt vor Risiken

Kommentare zu " Geldpolitik: Euro-System-Bilanzsumme seit Krisenbeginn um 160 Prozent gestiegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • Dazu ist wohl nichts mehr zu sagen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ANz6DXT6KE4

  • Zitat Merkel:"Deutschland hat kein Recht auf Demokratie"

    Ich denke, das sagt alles wieso Merkel und Schäuble mit allen Mitteln weg müssen.

  • Übersetzt steht da drin: Wir haben keine Ahnung mehr, was wir machen sollen und drucken jetzt einfach das benötigte Geld.
    Wenn ich Vergleichbares machen würde, würde ich schnurstracks in den Knast wandern.
    Das Ende? Lies nach zwischen 1914 und 1945...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%