Goldreserven
Bundesbank profitiert von Ungenauigkeit

Seit zwei Jahren holt die Bundesbank einen Teil ihrer Goldreserven aus dem Ausland zurück. Beim Wiegen der Barren sind dabei kleine Messfehler aufgefallen. Ihr Goldbestand ist etwas höher als gedacht.

Die Bundesbank setzt bei der Verlagerung des deutschen Goldes in heimische Tresore auf volle Transparenz. Erstmals veröffentlichte die Notenbank am Mittwoch eine umfassende Liste über ihre Goldbarrenbestände. Auf mehr als 2300 Seiten ist jeder einzelne Barren mit der jeweiligen Lagerstätte verzeichnet. Die Liste will die Bundesbank künftig einmal jährlich aktualisieren.

Bei der Bestandsaufnahme ist auch ein kleiner Messfehler aufgefallen. So seien Tranchen mit jeweils 20 Goldbarren aus der Lagerstelle in New York nach Frankfurt gebracht worden. Beim Zugang seien die Goldbarren dann einzeln gewogen worden. Beim Summieren der Einzelwerte hätte sich ein geringfügig höheres Gewicht ergeben teilte die Bundesbank mit. Außerdem sei festgestellt worden, dass die Feinheiten zweier Barren in der Bestandsliste zu gering ausgewiesen wurden. Diese Umstände führen insgesamt zu einer Zuschreibung des Goldbestandes.

Wie bereits bekannt, lagerte Ende Dezember ein Drittel (35 Prozent) der 3384 Tonnen Bundesbank-Gold in Frankfurt. 43 Prozent der Barren befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in Tresoren in New York, 13 Prozent in London und 9 Prozent in Paris.
Bis spätestens 2020 will die Bundesbank mehr als die Hälfte ihrer Goldreserven in heimischen Tresoren aufbewahren. Schrittweise sollen 300 Tonnen des Edelmetalls aus New York und die gesamten 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt überführt werden. Im vergangenen Jahr wurden 120 Tonnen aus ausländischen Lagerstellen nach Frankfurt gebracht.
Dass deutsches Gold in den Tresoren von Fed, Banque de France und Bank of England lagert, ist historisch gewachsen: Das Edelmetall ging vor allem in den 1950er und 1960er Jahren als Bezahlung hoher deutscher Außenhandelsüberschüsse in den Besitz der Bundesbank über. 2012 war in Deutschland eine öffentliche Debatte über die Sicherheit des Milliardenschatzes - aktueller Wert rund 114 Milliarden Euro (Stand August 2015) - im Ausland entbrannt. Der Bundesrechnungshof forderte eine genaue Bestandsaufnahme und regelmäßige Kontrollen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%