Inflationsbekämpfung
Das traut sich nur die isländische Notenbank

Die Zinsen niedrig halten und bloß eine Aufwertung der Währung verhindern – so lautet das Motto der meisten Notenbanker in Europa. Nur die isländische Nationalbank schießt quer. Grund sind die Folgen der Finanzkrise.
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ReykjavíkIn Europa herrscht derzeit die lockere Hand von Mario Draghi. Die Landesnotenbanken halten die Leitzinsen so niedrig wie es nur irgendwie geht – man will die ohnehin schon zögerliche wirtschaftliche Erholung der europäischen Staaten nicht mit allzu strengem geldpolitischen Kurs abwürgen. Nur ein Land hält den Geldhahn zu: Island.

Die Währungshüter des Inselstaates machen sich Sorgen, dass ihre Schritte zur Rücknahme von Kapitalverkehrskontrollen in diesem Jahr einen Ausverkauf der Landeswährung Krone auslösen könnten. Die isländischen Geldinstitute Arion Bank, Islandsbanki und Landsbankinn rechnen damit, dass die Notenbank wahrscheinlich am Mittwoch den als Benchmark fungierenden Sieben-Tage Ausleihe-Satz gegen Sicherheiten um 50 Basispunkte erhöhen wird, so dass er bei 6,25 Prozent liegen dürfte.

Island reagiert damit auch auf eine Marktüberhitzung. Im Zuge der Finanzkrise führte das Land Kapitalverkehrskontrollen ein, die bis heute bestehen. Jedoch hat sich die isländische Wirtschaft inzwischen erholt: die Löhne sind gestiegen und mit ihnen die Inflation. Diese liegt inzwischen bei gut zwei Prozent – und damit deutlich höher als in der Eurozone. Dort lag sie im Juli unverändert bei 0,2 Prozent. Die isländische Notenbank fürchtet nun, dass die Inflation in ihrem Land weiter steigen könnte, sollte sich der Lohnkostendruck auf die Verbraucherpreise auswirken.

Und während im Rest Europas die Notenbanker selbst vor Staatsanleihenkäufen nicht zurückschrecken, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, müssen die isländischen Experten sie drosseln: „Die Zentralbank muss die Zinsen in anderen Ländern berücksichtigen”, sagt Valdimar Armann, Ökonom bei dem Vermögensverwalter GAMMA. „Wir können nicht weiterhin die Wirtschaft so stark anschieben, weil das andere Probleme bringen wird, beispielsweise Carry Trades.”

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Isländische Wirtschaft ist kein Sanierungsfall mehr

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