Jean-Claude Trichet
Der „deutsche Franzose“ verspielte den harten Kern

Als „Mister Euro" war er gestartet, doch zum Schluss wurde er von den stabilitätsbewussten Deutschen als Pragmatiker vorgeführt. Aufstieg und Fall eines ehrgeizigen Geldpolitikers.
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BerlinSo hatte sich „Mr. Euro“ seinen letzten Monat im Amt des Zentralbankpräsidenten sicher nicht vorgestellt. Von Krisensitzung zu Krisensitzung hetzend, machte er zuletzt einen ungewohnt dünnhäutigen Eindruck.

Dafür hatte zuletzt der Rücktritt seines Chefvolkswirts Jürgen Stark gesorgt - der mit diesem spektakulären Schritt öffentlich gemacht hatte, dass die stabilitätsorientierten Deutschen den Kurs der von Trichet geführten Mehrheit nicht mehr mittragen.

Schlimmer konnte es für den Ruf der EZB, die doch penibel nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank geformt worden war, nicht kommen. Und das traf auch Trichet ganz persönlich.
Doch der wahre Bruch in Trichets Amtszeit hat sich schon früher ereignet: im Mai 2010, als er gegen die Stimmen der deutschen Vertreter im Zentralbankrat das Aufkaufprogramm für Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten durchsetzte. Damit war, wie es Ex-Bundesbankchef Helmut Schlesinger treffend formulierte, „der Rubikon überschritten“, die Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt. 
Seither zerfällt die Ära Trichet in zwei Phasen: In die Phase des „Mr. Euro“, des von einem Wegbegleiter so getauften „deutschen Franzosen“, der den Euro so stabil hielt wie es vorher nicht einmal die D-Mark gewesen war. Und in die Phase des politischen EZB-Chefs, des Krisenmanagers, der eherne Grundsätze über Bord warf und sich über die Deutschen hinwegsetzte, weil er die Existenz der Gemeinschaftswährung gefährdet sah.

Was wird die Nachwelt sagen: welcher von beiden ist der wahre Trichet? Um das zu beurteilen, ist ein Blick auf die Wurzeln des Mannes erforderlich.


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    Aber eines kann ich Herrn Trichet oder wie sie sonst heißen versprechen.

    Sie können mir für dieses Pseuodgeld 10% Zinsen bieten, keinen Cent werde ich in dieser Währung anlegen. Drucken sie sich selbst ihre Blüten. In diesem Wärungsraum müßte man mir etwas schon fast schenken, bevor ich hier zulange. Da ich hier (noch) lebe, werde ich dieses Geld nur als Sprungbrett betrachten, und das auch nur weil ich muß.
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    Ich verfolge seit 30 Jahren die Wirtschaft und die Börse.
    Ich hätte alles für möglich gehalten, aber niemals geglaubt, daß man irgendwann einmal nicht existente Inflation erfinden wird.


    Das Leben ist sehr lehrsam und man wird niemals ausgelernt haben, nie.
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    Nee,
    mit den vielen Milliarden, die man die Klospülung in den Süden jagt kann man mit Sicherheit keine Inflation erreichen, von dem Geld kann man diesmal keine Porsches und Ferienhäuser kaufen bzw bauen lassen.

    Mich interessiert, wie diese Leute dann auf 3% Inflation kommen ?
    Aber da einige Michels noch "liquide" sind und Zinsen zahlen können, lässt man sie eben. Mit der Lüge von 3% Inflation. Und Zinsen kriegen, kann er sich schon lange abschminken.


    Der Dummichel wird zahlen müssen, so oder so oder so.
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