Machtkampf in der EZB
Weidmanns Heil

Als Stabilitäts-Verfechter kämpft Bundesbank-Chef Weidmann in der EZB auf verlorenem Posten. Sein Vorgänger Weber trat in ähnlicher Situation zurück. Für Weidmann ist diese Option schwieriger. Er steckt im Dilemma.
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DüsseldorfEigentlich ist das Treffen im amerikanischen Jackson-Hole ein Pflichttermin für Notenbanker. Diesmal jedoch hat die gesamte EZB-Spitze ihre Teilnahme abgesagt. EZB-Chef Mario Draghi und sein Direktorium bleiben zu Hause. Der Grund für ihr Fernbleiben ist schnell erklärt: Sie arbeiten an den Details für das neue Anleihekaufprogramm der EZB. Am kommenden Donnerstag tagt die EZB - und die Märkte erwarten neue Informationen zum Anleihekaufprogramm. Bundesbankchef Jens Weidmann dagegen ist zu dem Bankertreffen in die USA geflogen, sein Rat ist in der EZB derzeit nicht gefragt.

Weidmann lehnt ein neues Anleihekaufprogramm der EZB strikt ab. Für den Bundesbank-Chef geht es ums Prinzip: Die Statuten verbieten der EZB eine Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Wenn die EZB die Anleihen der Krisenländer kauft, ist dies aus seiner Sicht zu Nahe an der verbotenen monetären Staatsfinanzierung. Und so reist Weidmann nach Jackson Hole, während seine EZB-Kollegen an den Details für die Anleihe-Käufe feilen.

EZB-Chef Draghi hat diese mit großem diplomatischen Geschick vorbereitet. Die Federführung überließ er ausgerechnet dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Gemeinsam mit seinem französischen EZB-Kollegen Benoît Coeuré hat dieser die Pläne vorbereitet. Wenn am Donnerstag im EZB-Rat über sie diskutiert werden, gibt es keinen Zweifel, dass Draghi sich durchsetzt. Ebenso klar ist jedoch, dass Jens Weidmann dagegen stimmen wird.

Doch was passiert dann? Bisher hat Jens Weidmann bei fast allen Vorschlägen zur Euro-Rettung Bedenken gehabt. Damit ist er der Tradition der Bundesbank treu geblieben, die sich einzig der Preisstabilität verpflichtet sah.

Alles was damit nicht zu tun hatte, lehnte er ab. Ob Langfristkredite an Banken, eine Lockerung der Sicherheiten oder Anleihekäufe, Jens Weidmann war stets dagegen. Jedes Mal aber konnte er sich mit seiner Position nicht durchsetzen.

Das gleiche Schicksal wie Weidmann erlitt schon sein Vorgänger Axel Weber. Irgendwann war dieser die vielen Abstimmungsniederlagen leid und trat zurück.

Kommentare zu " Machtkampf in der EZB: Weidmanns Heil"

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  • Herr Weidmann kann nur glaubwürdig sein, wenn er eine Modifizierung des Euro in seiner jetzigen Gestalt hin zu einem Nord-Euro, der einem Süd-Euro gegenübersteht als einen Schritt zu einer nachhaltigen Lösung der gegenwärigen Problemstellung zumindst mitberücksichtigt und als gangbare Alternative auslotet.
    Die deutsche Politik und auch die Bundesbank muss diese Mäglichkeit kommunizieren auch als Druckmittel, um sich gegenüber Zumutungen wie sie jetzt von Seiten der EZB-Entscheider ins Haus stehen, zu positionieren.

  • Sie, "pro-D" sind also oder wären also für ein unaufrichtiges, gieriges, egozentrisches Wulff-Deutschland? Wie peinlich manche Gedankenkonstrukte sein können. Sie nehmen also die Stammtisch-gleichen Äußerungen am Telefon von Wulff in Schutz?? Gleiches gesellt sich gern zu Gleichem. Guten Tag!

  • Die Politik der Bundesbank, dessen Tradition offensichtlich Weidmann vertritt, ist die gewohnte Stabilitätspolitik der Bundesbank, der sich nicht nur Wiedmann, sondern sicher viele der Mitarbeiter in der Bundesbank verpflichtet fühlen.
    Diese Bundesbankpolitik ist nicht mit der EZB Politik kompatibel, da die EZB neben ihrem Mandat mittlerweile um ihre eigene Existenz fürchtet, wenn sie nicht so handelt, wie sie es jetzt mit den Anleihekäufen beabsichtigt.
    Das ist der kleine Unterschied.
    In der Konsequenz heisst das, dass die Politik der Bundesbank die Abschaffung des EURO in der heutigen Form als Ziel haben muss, wenn sie ihre Politik glaubhaft vertreten will.
    Das sollte auch klar so von der Bundesbank so geäussert werden.

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