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EZB hat Anleihekauf leicht gedrosselt

Sparer atmen auf: Die Europäische Zentralbank hat ihr Anleihekaufprogramm zuletzt leicht heruntergefahren. Doch die Inflation springt nicht an. In den USA stehen die Zeichen derweil auf Straffung der Geldpolitik.

Madrid/FrankfurtTrotz niedriger Inflation im Euro-Raum sieht EZB-Ratsmitglied Luis Maria Linde zurzeit keinen Grund für stärkere Geldspritzen. Das umstrittene Wertpapier-Kaufprogramm der EZB laufe sehr gut, sagte der spanische Notenbankchef am Montag. Es gebe daher derzeit keinen Grund, es auszuweiten. Der Chefvolkswirt der Notenbank Italiens, Eugenio Gaiotti, sieht jedoch die Gefahr, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts kaum steigender Preise zu wenig tun könnte: „Jetzt ist das Wichtigste, nicht ins Hintertreffen zu geraten“, mahnte der Ökonom im Gespräch mit Reuters. EZB-Chef Mario Draghi ist sich des Risikos wohl bewusst: Er hat angekündigt, die Käufe zu forcieren, falls Konjunktur und Teuerungsrate nicht nachhaltig Fahrt aufnehmen.

Zuletzt lag die Inflationsrate in der Währungsunion nur bei 0,1 Prozent. Die EZB strebt aber ein Niveau von nahe zwei Prozent an, weil dieses als ideal für die Wirtschaftsentwicklung gilt. Der Stab der Notenbank schraubte zuletzt seine Erwartungen an die Preiswicklung nach unten: Für 2016 prognostizieren die Fachleute eine Teuerungsrate von nur noch 1,1 Prozent. Zugleich revidierten sie ihre Vorhersage für das Wachstum auf 1,7 Prozent (Juni-Prognose: 1,9 Prozent) nach unten.

Die Notenbank hatte Anfang März das insgesamt 1,14 Billionen Euro schwere Kaufprogramm gestartet. Zuletzt verringerte sie die Dosis der Geldspritzen etwas: In der Woche bis zum 18. September kaufte die EZB für 12,2 Milliarden Euro Staatsanleihen. In der Woche zuvor waren es noch 13 Milliarden Euro. Die EZB hat mittlerweile Staatsbonds im Gesamtwert von 326,7 Milliarden Euro in den Büchern.

Mit der Geldflut will Draghi Staatsanleihen für Banken unattraktiv machen und die Institute so dazu anregen, mehr Kredite zu vergeben. Kritiker warnen, das billige Geld könne an den Märkten zu Übertreibungen und damit der nächsten Krise führen.

In den USA und Großbritannien stehen die Zeichen schon auf Straffung der Geldpolitik. Der Offenmarktausschuss um US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte jüngst jedoch vor einer Erhöhung des Leitzinses zurückgeschreckt. Als Gründe wurden unter anderem Sorgen um die Weltwirtschaft und insbesondere die Konjunkturabkühlung in China genannt. Viele Experten erwarten, dass die Zinsanhebung zum Jahresende kommen wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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