Posten-Poker
Mersch rückt Kreisen zufolge in den EZB-Vorstand

Im Poker um den EZB-Posten hat Luxemburgs Notenbankchef Yves Mersch offenbar gute Chancen. Hintergrund ist, dass Spanien seinen Kandidaten möglicherweise zurückzieht. Dafür spekuliert das Land auf die ESM-Leitung.
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Brüssel, FrankfurtIm Feilschen um die Neubesetzung europäischer Spitzenposten zeichnet sich offenbar eine Vorentscheidung ab. Die Finanzminister der Euro-Länder könnten sich auf den Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch als neues Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) einigen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit den Gesprächen vertrauten Vertretern der Euro-Zone am Montag erfuhr.

Hintergrund sei, dass Spanien seinen Kandidaten möglicherweise zurückzieht, wenn es stattdessen den Zuschlag für die Führung des ab Juli geplanten Euro-Rettungsfonds ESM erhalten sollte. „Die Chancen sind gestiegen, dass der EZB-Posten mit dem Luxemburger Mersch besetzt wird“, sagte einer der Eingeweihten. „Es gibt einen Konsens für Mersch“, bestätigte ein anderer.

Neben dem Ende Mai vakant werdenden Posten in der EZB-Führung und der ESM-Leitung ist auch noch der Chefposten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sowie der Vorsitz der Euro-Finanzministergruppe neu zu besetzen. Da der Eurogruppen-Chef die politisch wichtigste Stelle ist, hängt Merschs Schicksal davon ab, ob sein Regierungschef Jean-Claude Juncker für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Finanzministerrunde antreten wird.

Anfang des Jahres hatte der profilierte Europapolitiker, der seit 2005 die informelle Gruppe führt, seinen Rückzug zum Sommer erklärt. In Kreisen der Euro-Zone heißt es aber, Juncker wäre umzustimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe wiederum Finanzminister Wolfgang Schäuble für die wichtige Schaltstelle der Euro-Länder ins Gespräch gebracht. Eine Entscheidung über den EZB-Posten ohne Klarheit über den Vorsitz der Eurogruppe gilt deshalb als unwahrscheinlich.

Bisher galt als ungeschriebenes Gesetz, dass die vier großen Euro-Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien permanent in dem sechs Personen großen Führungsgremium der EZB vertreten sein sollen. Der spanische Wirtschaftsminister Luis De Guindos hatte vergangene Woche aber angedeutet, von dem Anspruch abzurücken, solange sein Land bei einem anderen Spitzenposten bedacht wird. Die Regierung hatte zunächst den bisherigen Chef-Justiziar der EZB, Antonio Sainz de Vicuna, ins Rennen geschickt.

Spanien will eine bindende Zusage schon bei der Verabredung über die EZB-Personalie erreichen. Ein bloßes Versprechen wäre definitiv nicht genug, sagte De Guindos Sprecherin in Madrid. „Für den Fall, dass wir einen Kandidaten für den ESM präsentieren sollten, würden wir nach jemandem mit dem richtigen Profil suchen.“ Bisher gilt als Favorit für die Leitung des ESM der deutsche Chef des provisorischen Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling. Doch Spanien könnte sich den notorischen Frauenmangel unter den führenden europäischen Repräsentanten zunutze machen und eine Kandidatin für den Posten vorschlagen, wie einer der Insider erklärte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im Feilschen um die Neubesetzung europäischer Spitzenposten zeichnet sich offenbar eine Vorentscheidung ab. Die Finanzminister der Euro-Länder könnten sich auf den Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch als neues Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) einigen usw. usw. (Zitat)

    EZB eine feilschenden Gruppe? Und diese Institution bestimmt maßgeblich über die Geschicke des Euro? Welche Logik wurde da mit der EZB bei Gründung verarbeitet? Mit Sätzen wie "Im Feilschen um die Neubesetzung..." – bleibt ja nur der Schluss übrig, die EZB ist nur eine "bessere" Mafia-Organisation - und wir alle stricken fleißig Rettungsschirme - gefüllt mit Euros -weiter. Das verstehe –wer will- aber die Allgemeinheit muss da doch endlich Konsequenzen ziehen- oder?

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