Ratsitzung
EZB sieht Entspannung an den Märkten

Aus Sicht von EZB-Chef Draghi hat sich die Lage an den Märkten nach der Ankündigung möglicher unbegrenzter Anleihekäufe beruhigt. Die EZB sei auf einen spanischen Hilfsantrag vorbereitet. Die Zinsen bleiben unverändert.
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FrankfurtAuf der heutigen Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung hat Zentralbankchef Draghi die eigenen Pläne für mögliche unbegrenzte Anleihekäufe gelobt. Die von der EZB angekündigten Pläne hätten “geholfen, in den vergangenen Wochen die Spannungen zu lindern”, erklärte der EZB-Präsident am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Brdo nahe der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. “Es ist nun wichtig, dass die Regierungen die notwendigen Schritte weiter umsetzen, um sowohl die fiskalpolitischen als auch die strukturellen Ungleichgewichte abzubauen”, sagte Draghi.

Einen Monat zuvor hatte der EZB-Präsident einen beispiellosen Plan zum Aufkauf von Anleihen der Euroraum-Länder bekannt gegeben. Spanien, das am wahrscheinlichsten das Angebot von Draghi annehmen dürfte, überlegt immer noch, ob es die damit verbundenen Konditionen akzeptiert.

Indes rutscht die Euroraum- Wirtschaft weiter in Richtung Rezession, da die Folgen der Schuldenkrise die privaten Konsumausgaben und die Unternehmensinvestitionen dämpfen. “Das Wachstum im Euroraum wird schwach bleiben”, erwartet Draghi. Die Inflation im Euroraum werde 2012 über zwei Prozent bleiben und 2013 unter zwei Prozent sinken.

Der EZB-Rat beließ den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent. Auf der Sitzung habe man eine Zinssenkung nicht erörtert, berichtete Draghi. "Die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu belassen, war einstimmig. Dies ist eine Veränderung im Vergleich zu September, als Zinssenkungen diskutiert wurden, sagte Analystin Annalisa Piazza vom Brokerhaus Newedge. Die EZB scheine sich in Wartestellung zu befinden, um zunächst die Umsetzung des OMT-Programms und seinen Effekt auf die Märkte zu beobachten.

Nach den Worten von Draghi ist die EZB ab sofort Willens und in der Lage bei Bedarf unbegrenzt Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder zu kaufen. "Wir sind bereit", sagte Draghi. Nun müssten die betroffenen Staaten entsprechende Entscheidungen treffen. "Es ist jetzt notwendig, dass die Regierungen die notwendigen Schritte unternehmen." Die EZB werde dann alles in ihrer Macht stehende tun: "Der Euro ist unumkehrbar", bekräftigte der EZB-Chef.

Es liege an Spanien, das als erster Kandidat für gemeinsame Hilfen von EZB und europäischem Rettungsschirm ESM gilt, wie es weiter gehe: "Es ist nun an Spanien zu entscheiden, ob es Hilfe will. Wir sind jedenfalls vorbereitet, wenn ein solcher Antrag kommen sollte", sagte Draghi. Das Land habe signifikante Fortschritte gemacht, stehe aber immer noch vor Herausforderungen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus EU-Kreisen erwägt die Euro-Zone als Hilfe für Spanien, Investoren bei Staatsanleihen des Landes gegen Verlustrisiken zu versichern. Damit würde Spanien Zugang zum Kapitalmarkt behalten. Zugleich würden auf diese Weise die Kosten für den Steuerzahler möglichst gering gehalten. Dieser Plan könnte den Euro-Rettungsfonds ESM nach Darstellung eines EU-Vertreters rund 50 Milliarden Euro für ein Jahr kosten. Spanien, das auch massiv unter Problemen seines Bankensektors leidet und dafür bereits Geld der EU-Partner bekommen hat, könnte so seine Finanzierungswünsche decken und zugleich die EZB in die Lage versetzen, in großem Stil spanische Staatsanleihen zu kaufen und damit deren Zinsen zu drücken.

Dragi äußerte sich auch zu einem möglichen Schuldenerlass für Griechenland. Auf eine Frage nach den EZB-Positionen erklärte er: “Wir haben mehrfach gesagt, dass eine Umstrukturierung unserer Bestände als Staatsfinanzierung bezeichnet werden könnte”.

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Kommentare zu " Ratsitzung: EZB sieht Entspannung an den Märkten"

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  • Die Entspannung an den Märkten ist die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Welches Problem ist denn bitteschön richtig gelöst worden? Es ist ja eh nur eine Geldflut um Zeit zu gewinnen, die letztendlich aber wieder nicht genutzt wird.

  • Draghila rechtfertigt den Ankauf von Schrottpapieren durch die "Banca d'Italia" (ehemals EZB).
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    und sieht Spanien "auf einen guten Weg".
    Da ist er wohl alleine auf weiter Flur.
    Auch Griechenland und der restliche ClubMed sind - angeblich - "auf einem guten Weg".

  • "Aus Sicht von EZB-Chef Draghi..."

    Daaaanke!!! reicht schon um den kompletten Artikel als Stuss abzutun.

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