Ratsmitglied Nowotny
EZB denkt über Ende der lockeren Geldpolitik nach

Nach der US-Immobilienkrise hatte die EZB relativ rasch die lockere Geldpolitik zurückgefahren und konnte den Kurs nicht beibehalten. Aber auch die jüngste Lockerung will EZB-Ratsmitglied Nowotny wieder bremsen.
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Die EZB diskutiert laut Ratsmitglied Ewald Nowotny bereits über einen Ausstieg aus ihrem Hilfsprogramm zur Stabilisierung der Euro-Zone. „Dafür gibt es ein Arsenal von Möglichkeiten und welche zum Einsatz gelangen, muss entschieden werden, wenn die Zeit reif ist“, sagte Nowotny am Donnerstag. Ziel der Währungshüter sei, den Ausstieg sukzessive und wirtschaftsschonend über die Bühne zu bringen. Um den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden, achte die EZB neben ihrem primären Ziel der Preisstabilität auf ein effizientes Funktionieren der Kapital- und Geldmärkte.

„In dem Kontext sind das die Orientierungslinien, an die wir uns halten“, sagte Nowotny. Noch sei es aber zu früh für die Zentralbank, ihre Hilfen zu kappen. Um der europäischen Wirtschaft in der Schuldenkrise auf die Beine zu helfen, hatte die EZB den Banken mehr als eine Billion Euro an günstigen Krediten zur Verfügung gestellt, Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder gekauft und den Leitzins auf einen historischen Tiefstand von einem Prozent gesenkt. Weitere zusätzliche Aktionen seien vorerst nicht geplant, sagte Nowotny. „Wir müssen sehen, wie die verschiedenen Maßnahmen die Wirtschaft beeinflussen. Das wird einige Zeit dauern; in der Zwischenzeit sehe ich keine Notwendigkeit für weitere Schritte.“

Bei weiteren Staatsanleihenkäufen maroder Euro-Länder müsse die EZB Vorsicht walten lassen. „Es gibt die Übereinkunft, dass das ein vorübergehendes Instrument ist, um spezifische Marktungleichgewichte zu korrigieren. Solange wir diese speziellen Ungleichgewichte nicht sehen und die Aussichten normal sind, gibt es keinen Grund, es zu verwenden“, sagte Nowotny. Die EZB kauft seit 2010 Bonds von klammen Euro-Staaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Irland und hat dabei bislang Anleihengeschäfte im Wert von 218 Milliarden Euro abgewickelt.

Erst vergangene Woche hatte die Zentralbank nach mehrwöchiger Abstinenz wieder zugegriffen. Die Unterstützungsmaßnahmen sind höchst umstritten. Bundesbank-Chef Jens Weidmann etwa ist besorgt über die hohen Risiken, die den einzelnen Notenbanken dadurch aufgedrückt werden. Trotz unterschiedlicher Ansichten gebe es keinen Streit in der EZB, sagte Nowotny.

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  • Es geht aber noch besser. Via Target2 können reiche Griechen oder Italiener ihr Euro Kapital aus den PIIGS herausholen und in Deutschland Sachwerte wie Immobilien oder Firmen erwerben.

    Als Ausgleich für den realen deutschen Wohlstandsverlust hat die Bundesbank eine faktisch wertlose Forderung an die EZB.

    Super Geschäft oder?

  • Ich habe das TARGET-Problem vertanden!

    Jetzt habe ich Angst und diese weicht in Wut!

    Allen voran ist die BRD der größte Forderer, 500 MRD EUR!
    Die Forderungen bestehen über die EZB an die GIPS-Staaten. Diese sind bekanntlich pleite.

    So wird ein Teil dieser Forderungen, wenn wir Glück haben, aus dem 2013 in Kraft tretenden ESM beglichen werden. Dieser ist aber nur eine Umschuldung.

    Was bedeutet das? Die deutsche Exportwut steht, so sehe ich es, in direktem Zusammenhang mit den Defiziten. Die Nettoimporteure haben deutsche Waren importiert, sonst würde die 500 MRD Forderungen nicht bestehen. Die Importe der Gips wurden mit Krediten finianziert.

    Das bedeutet kurz übersetzt: Die Deutschen produzieren wie die Weltmeister. Dafür schuften sie wie bekloppt, die Löhne wurden kurz gehalten. Bezahlt wurde das ganez mit Krediten. Die deutschen Exporteure haben das Geld bekommen und auch die Arbeitskräfte in Form von Lohn.

    Wenn nun aber die GIPS nicht zurück zahlen, was mit GR ja schon angefangen hat, oder nur ein Teil zurückzahlen, dann wird der deutsche Steuerzahler dafür haften und/oder es wird inflationiert.

    Hat man kapiert warum ich wütend werde?

    Wir schuften auf Pump und wenn es nicht klappt, dann zahlt der gemeine Steuerzahler, also der Arbeiter selbst.

    Wir schuften wie bekloppt, um uns unser eigenes Grab zu schaufeln.

    Klasse!

  • Solche Äusserungen zeigen entweder eine gezielte Desinformation der Öffentlichkeit oder eine vollkommene Naivität eines Notenbankers. Alle wissen, dass die Aussagen völlig absurd sind, ebenso wie die Aussage des Notenbankerkollegen Weidmann, dass der Zerfall des EUROs absurd sein soll. Wir befinden uns mitten im Zerfall. Das zeigen allein die von der EZB unfreiwilligen durchgeführten Liquiditätsflutungen der EZB gegen teilweise wertlose Sicherheiten oder Kollaterale, die dann letztlich den Kollateralschaden anrichten werden.

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