Starkes Signal der Fed-Chefin
Janet Yellen hält Zinswende im Dezember für möglich

Die US-Wirtschaft zieht an, auch der Arbeitsmarkt sendet positive Signale. Fed-Chefin Janet Yellen kann sich eine Zinswende deshalb noch im Dezember vorstellen. Sie muss den Märkten nun die Ängste nehmen.

WashingtonUS-Notenbank-Chefin Janet Yellen bereitet den Boden für eine Zinswende noch in diesem Jahr. Eine Anhebung im Dezember sei durchaus im Bereich des Möglichen, betonte sie am Mittwoch vor einem Kongressausschuss. Die Wirtschaft laufe gut. Höhere Zinsen seien daher gerechtfertigt, falls die Datenlage es hergebe. Laut Yellen ist zwar noch nichts entschieden. Dennoch werteten viele Anleger die Äußerungen der Fed-Chefin als ihren bislang deutlichsten Hinweis, dass die erste geldpolitische Straffung seit fast zehn Jahren vor der Tür steht. Die US-Notenbank kommt am 15./16. Dezember zu ihrer nächsten Sitzung zusammen.

Der Euro rutschte während der Anhörung auf ein Drei-Monats-Tief von 1,0845 Dollar. „Die Spekulationen auf eine Zinserhöhung im Dezember wurden tendenziell forciert“, sagte ein Börsianer. Die Wall Street weitete ihre Verluste nach den Äußerungen Yellens aus. Im Oktober beließ die Fed den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld noch bei null bis 0,25 Prozent. Eine Entscheidung über eine Erhöhung steht zum Jahresende jedoch fest auf der Agenda, wie die Notenbank bereits damals mitteilte.

Sie hatte mit ihrer Nullzinspolitik in den vergangenen Jahren mit dafür gesorgt, dass die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord eilen konnten. Mit einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik müssen sich die Märkte darauf einstellen, dass die Wirtschaft auch ohne größere Hilfestellung der Fed auskommen muss. Zuletzt hat sich die US-Konjunktur abgekühlt. Sie legte im Sommer aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 1,5 Prozent zu, nachdem es im Frühjahr noch 3,9 Prozent waren. Doch Experten sehen darin kein Schwächezeichen: Denn der Konsum, der rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, zog weiter an.

Yellen ist seit Monaten darum bemüht, den Märkten überzogene Ängste vor einer Zinserhöhung zu nehmen. Im September entschied sich die Fed wohl auch aus Rücksicht auf Investoren, den Schritt noch nicht zu wagen. Denn das Börsenbeben in China im Sommer hatte auch an den großen Finanzplätzen der Welt von New York bis London Erschütterungen ausgelöst.

Nach dem Nachlassen dieser Turbulenzen rückt nun die anhaltende Erholung am US-Arbeitsmarkt wieder stärker in den Fokus. Die amerikanischen Firmen stellten im Oktober 182.000 neue Mitarbeiter ein, wie der private Arbeitsvermittler ADP in seiner monatlichen Umfrage herausfand. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 180.000 gerechnet. Die Daten gelten als gutes Omen für die am Freitag anstehenden amtlichen Arbeitsmarktdaten für Privatwirtschaft und Staat. Ökonomen rechnen auch hier mit einem Stellen-Plus von 180.000.

US-Notenbankdirektorin Lael Brainard zeigte sich auf einer Konferenz in Frankfurt beeindruckt vom Stellenaufbau in der US-Wirtschaft: „Die Erholung am Arbeitsmarkt ist extrem stabil.“ Leider stiegen die Löhne jedoch nicht entsprechend, sagte Brainard. Die Gehälter gelten als Gradmesser dafür, dass der Aufschwung tatsächlich bei den Bürgern ankommt. Mit steigenden Löhnen dürfte auch die Inflation stärker anziehen, die nach dem Geschmack der Fed derzeit noch zu niedrig ist. Neben der Förderung von Vollbeschäftigung soll die US-Notenbank auch für stabile Preise sorgen. Laut Yellen wird der Aufschwung voraussichtlich mittelfristig dafür sorgen, dass die Fed ihr Inflationsziel von zwei Prozent wieder erreichen kann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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