Trichets letzte Sitzung
Ein Geldregen zum Abschied

Der scheidende Präsident versetzt die Europäische Zentralbank wieder in den Krisenmodus: Der Leitzins bleibt vorerst, wo er ist. Aber den Banken verspricht Jean-Claude Trichet frisches Geld - soviel wie sie benötigen.
  • 24

BerlinJean-Claude Trichet bleibt seiner Linie bis zuletzt treu: Auf seiner letzten Ratssitzung als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hielt der Franzose den Forderungen nach einer Zinssenkung angesichts der Staatsschuldenkrise und der drohenden Rezession stand. Der EZB-Rat beschloss bei seiner auswärtigen Sitzung am Donnerstag in Berlin, den Leitzins im Euro-Raum bei 1,5 Prozent zu belassen

Das von zahlreichen Ökonomen geforderte Abschiedsgeschenk, die jüngsten Zinserhöhungen von 1,0 auf nun 1,5 Prozent zurückzunehmen, blieb damit aus. Bei einer Inflation von 3,0 Prozent hätte das wohl auch die Glaubwürdigkeit der Währungshüter untergraben, deren oberstes Ziel stabile Preise sind - zumal sie die Zügel erst im Juli angezogen hatten.

Gleichzeitig aber greift die EZB den Banken mit langfristigen Liquiditätslinien noch stärker als bisher unter die Arme. Trichet sagte, es würden zwei langfristige Refinanzierungsgeschäfte aufgelegt: eines mit einer Laufzeit von zwölf Monaten im Oktober und ein weiteres mit einer Laufzeit von 13 Monaten im Dezember. Die Banken sollten dabei so viel Geld bekommen, wie sie benötigten.

Die europäischen Währungshüter greifen damit auf ein Instrument aus den Zeiten der Finanzkrise zurück. Zudem will die EZB wieder sogenannte gedeckte Anleihen wie Pfandbriefe kaufen. Das Volumen bezifferte Trichet 40 Milliarden Euro.

Der sogenannte 12-Monatstender hatte sich bereits in der Finanzkrise als Hilfe bewährt, da sich die Banken wegen des grassierenden Misstrauens untereinander kaum noch Geld liehen. Im Sog der Staatsschuldenkrise hakt es am Geldmarkt erneut: Insbesondere Finanzinstitute aus den schuldenbeladenen Randstaaten der Euro-Zone wie Griechenland, Irland und Portugal sind weitgehend auf den Gang zur Tränke der EZB angewiesen, da andere Banken ihnen kaum mehr Geld leihen wollen.

Denn kaum jemand weiß, welche Risiken in den Bilanzen der Banken schlummern, die viele Staatsanleihen von Risikostaaten wie Griechenland in ihren Büchern haben. In der Finanzkrise legte die Notenbank insgesamt drei Zwölf-Monatstender auf: Beim ersten besorgten sich mehr als 1000 Banken aus der gesamten Euro-Zone die Riesen-Summe von 442 Milliarden Euro. Aktuell hat die EZB Anleihen im Wert von 160,5 Milliarden Euro in den Büchern.

Kommentare zu " Trichets letzte Sitzung: Ein Geldregen zum Abschied"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es wird den EUROstaaten Zeit zur Konsolidierung ihrer Statsfinanzen gegeben. Wird diese Zeit genutzt? Ich sehe noch keine Neuausrichtung - nur populäre / populistische Erklärungen ....

  • Sein Nachfolger wird wohl die gleiche Politik verfolgen, shame over it.

  • monsieur tricheur, verschwinden sie einfach.
    die zahl der faulen papiere in ihrer bank erreicht gerade die 2bio € grenze.
    es kann eventuell viele schlimmere banker als sie geben, aber gewiss gibts viele bessere.
    adieu!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%