Umstrittene Studie
Schweizer Notenbank weist Anleihen-Analyse zurück

Eine Ratingagentur hat geschätzt, dass die Schweizerische Nationalbank für 80 Milliarden Euro deutsche und andere Staatsanleihen gekauft hat. Die Geldpolitiker des Landes weisen die Analyse weit von sich.
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London/ZürichDie Schweizer Notenbank hat eine Analyse der Ratingagentur Standard & Poor's über ihre Käufe von Staatsanleihen zurückgewiesen. Die Analyse enthalte einen fundamentalen Fehler, erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Dienstag. S&P nehme nicht zur Kenntnis, dass die SNB ihre Einlagen bei anderen Notenbanken und internationalen Institutionen deutlich erhöht und dies jeden Monat auch veröffentlicht habe. Die von S&P vorgelegte Schätzung, wonach die SNB für 80 Milliarden Euro Staatsanleihen von Deutschland, Frankreich, Niederlande, Finnland und Österreich gekauft habe, entbehre jeder Grundlage.

In der zuvor veröffentlichten S&P-Studie hieß es, Geld, das aus den europäischen Schuldenländern in die als sicherer Hafen geltende Schweiz geflossen war, sei von der SNB zu einem guten Teil in den sicheren Kernländern der Eurozone angelegt worden. „Wir denken, dass dieses Euro-Recycling den Trend zu auseinanderlaufenden Zinsen für Staatsanleihen der Euroländer verstärkt hat“, hieß es in der Studie. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres dürfte die SNB für rund 80 Milliarden Euro Staatsanleihen der Kernländer gekauft haben, schätzte S&P.

Dass die Schweizer Notenbank einen großen Anlagebedarf hat, hängt mit dem vor einem Jahr eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken zusammen. Um die Einheitswährung nicht unter diese Marke sinken zu lassen, musste die SNB die in die Schweiz fließenden Euro mit Devisenmarkt-Interventionen selbst aufkaufen. Denn ein weiteres Absacken des Euro hätte der exportabhängigen Schweizer Wirtschaft nach Überzeugung der SNB schweren Schaden zugefügt.

Die Interventionen der SNB ließen die Devisenreserven der Schweiz auf 418 Milliarden Franken anschwellen. Die SNB ist bestrebt, mit ihren Reserven auch Geld zu verdienen und weist in ihrer Bilanz auch die entsprechenden Gewinne aus. Die Notenbank hält etwa 60 Prozent ihrer Devisenreserven in Euro. Der Rest entfällt überwiegend auf Dollar, Yen und Pfund Sterling.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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