US-Notenbank
Fed soll Finanz-Bedrohungen entschärfen

Die US-Notenbank soll vor allem für zwei Dinge sorgen: Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Für deren Chef Ben Bernanke ist seit der Krise nun eine dritte Aufgabe wichtiger denn je.
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WashingtonFür die US-Notenbank spielt das Ziel Finanzstabilität künftig eine ebenso große Rolle wie stabile Preise und Vollbeschäftigung. „Die Krise hat gezeigt, dass es eine ebenso wichtige Verantwortung ist, für Finanzstabilität zu sorgen“, sagte der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, am Donnerstag vor Studenten in Washington. Das dürfe nicht mehr nur der „Juniorpartner“ neben den traditionellen Aufgaben sein.

Notenbanken und andere Regulierer sollten alle Kraft darin setzen, Bedrohungen für das Finanzsystem zu bekämpfen und die Folgen abzumildern, so Bernanke. Dies führe die Notenbank zudem auch wieder zu ihren Wurzeln zurück. „Die Fed wurde vor allem mit dem Ziel gegründet, Paniken auf den Finanzmärkten entgegenzuwirken“, sagte Bernanke. Das solle sie auch künftig tun.

Bernanke hielt am Donnerstag die vierte und letzte Gastvorlesung an der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt. Ziel der Vortragsreihe ist es, die Rolle der Fed vor, während und nach der Finanzkrise zu erklären und bei Kritikern um Verständnis für die Politik Bernankes zu werben. Diese habe nach der Finanzkrise 2007 bis 2009 eine Rezession wie in den 30er Jahren verhindert. So sei das Bankensystem heute „deutlich stärker“.

In seiner Vorlesungsreihe verteidigte der Fed-Chef erneut seine Politik. So hatte die Notenbank unter anderem im Dezember 2008 den Leitzins auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt, wo er noch heute steht. Zusätzlich kaufte die Fed in einer beispiellosen Aktion in zwei Programmen Wertpapiere in Höhe von insgesamt 2,3 Billionen auf („Quantitative Easing“). Im September verkündete die Notenbank die  „Operation Twist“, bei der kurzfristige US-Staatsanleihen in Höhe von 400 Milliarden Dollar in Langfristige eingetauscht werden sollen, zu niedrigeren Zinsen. Auch in der europäischen Schuldenkrise schritt die Fed ein.   

Bereits in der dritten Vorlesung am Dienstag hatte Bernanke die unmittelbaren Reaktionen der Fed auf die Krise gelobt. Durch eine „energische Antwort“ habe Notenbank noch schlimmere Folgen für die Wirtschaft verhindert. Auch wenn es bei der Entstehung der Krise Fehler in der Aufsicht gegeben habe, „haben wir die Kernschmelze des globalen Finanzsystems gestoppt“. Die milliardenschweren Rettungspakete, unter anderem für den Versicherungsgiganten AIG, seien zwar nur „das geringere Übel“ gewesen. Hätte man die notleidenden Finanzkonzerne jedoch Pleite gehen lassen, hätte das unkalkulierbare Folgen gehabt.

Bernanke will auch nach Ende der Vorlesungsreihe weiter in der Öffentlichkeit seine Politik erklären, wie er am Donnerstag betonte, bei Anhörungen, Pressekonferenzen, Vorträgen oder unmittelbar bei Townhall-Meetings mit Bürgern. Es sei durchaus eine Herausforderung, die Menschen von der Wichtigkeit der Fed und der Bedeutung ihrer Aktionen zu überzeugen, sagte Bernanke.   

 

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

Kommentare zu " US-Notenbank: Fed soll Finanz-Bedrohungen entschärfen"

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  • "Für die US-Notenbank spielt das Ziel Finanzstabilität künftig eine ebenso große Rolle wie stabile Preise und Vollbeschäftigung."

    Dann sollten die sich selbst abschaffen.

    END THE FED

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