Auf dem Weg zur Weltmetropole
In Madrid werden Milliarden verbaut

Vor wenigen Tagen krachten spanische Immobilien- und Bauwerte in den Keller. Doch wer derzeit durch Madrid fährt, hat nicht den Eindruck, dass sich die beiden Branchen in einer Krise befinden.

HB MADRID. Überall werden neue Metrostationen und Krankenhäuser gebaut, Plätze renoviert, ganze Viertel umgepflügt und neue Autobahnen eröffnet. Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón will damit die spanische Hauptstadt, bis vor zehn Jahren im europäischen Vergleich eine Provinzstadt, zu einer Weltmetropole machen. Seine Arbeit zeigt nach vier Jahren Wirkung. „Madrid ist inzwischen zu einem der interessantesten Investitionsstandorte in Europa geworden“, meint Carlos Berzosa, Ökonom und Chef der Madrid Universität Complutense. Mit dem Ausbau der Infrastruktur trägt der Bürgermeister der enormen Bevölkerungszunahme der Stadt Rechnung. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Einwohner um mehr als vier Prozent auf 6,2 Millionen.

Der Ehrgeiz des Bürgermmeisters wird für die Madrilenen allerdings teuer. Allein der Ausbau der Stadtschnellstraße M-30 um 32,6 Kilometer mit einem hochmodernen Tunnelsystem kostet 3,5 Mrd. Euro. Da verwundert es nicht, dass sich die Schulden der Stadt inzwischen auf den Rekordstand von über sechs Mrd. Euro belaufen. Bei den am Wochenende anstehenden Kommunal- und Regionalwahlen versucht die linksgerichtete Opposition aus dieser Finanzmisere Profit zu schlagen. Die Linken beklagen die enorme Spekulation um Grund und Boden als Folge der Ambitionen der Regionalregierung. Die daraus resultierenden rasend schnell gestiegenen Immobilienpreise in einigen Zonen wie in dem Madrider Geschäftsvorort Alcobendas, wo unter anderem Volkswagen Finance, Orange und der spanische Mischkonzern Acciona ihren Firmensitz haben, machen Madrid inzwischen im europäischen Vergleich zu einem sehr teuren Pflaster.

„In Alcobendas sind die Quadratmeterpreise wegen der vielen Unternehmensansiedlungen und der Metroanbindung allein im vergangenen Jahr um 95 Prozent angestiegen“, sagt José Luis Rodríguez von der Immobilienberatung Foro Consultores Inmobilarios. Während in der gegenüberliegenden Neubausiedlung Las Tablas viele Wohnungen leer stehen und Mieten und Kaufpreise fallen, kostet in Alcobendas der Quadratmeter inzwischen fast 5 300 Euro.

Aber die Opposition wird nicht viel Erfolg haben mit ihrer Strategie, denn die meisten Madrilenen sehen trotz aller Kosten und der seit Jahren durch die Bauarbeiten verstopften Stadt mehr Vor- als Nachteile in der Arbeit von Ruiz-Gallardón, der bei den Umfragen die absolute Mehrheit erreicht. „Wir machen zwar Schulden, aber die Stadt wird dadurch zu einem noch interessanteren internationalen Geschäftszentrum“, verspricht der Bürgermeister, der derzeit wie die Chefin der Madrider Regionalregierung, Esperanza Aguirre, von einem Presseevent zum nächsten fährt. Dort erzählen die beiden dann besonders stolz von sechs neuen Straßentunneln.

Aber vor allem dem Ausbau des Metronetzes werden sie am 27. Mai viele Stimmen verdanken können. Rund 4,5 Mrd. Euro wurden in die Netzerweiterung auf 322 Kilometer und 331 Stationen investiert. Ab diesem Jahr werden dadurch unter anderem Geschäftsviertel wie San Sebastián de Los Reyes, wo allein Telefónica rund 14 000 Angestellte beschäftigt, Boadilla de Monte, wo die Grupo Santander ihre Firmenstadt gebaut hat, und Pozuelo miteinander verbunden. Auch viele ärmlichere Stadtviertel wie Vallecas und Carabanchel werden ab diesem Jahr endlich einen eigenen Metroanschluss haben.

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