Augsburger Immobilienfirma
Patrizia punktet mit Potenzial

Analysten schätzen das einfache, aber lukrative Geschäft der Augsburger Immobilienfirma.

HB MÜNCHEN. Wohnimmobilien kaufen, sie renovieren und dann gewinnbringend an Privatleute verkaufen - ein denkbar einfaches Geschäftsmodell. Doch oft liegt im Simplen der Erfolg. Die Patrizia Immobilien AG mit Sitz in Augsburg hat dank ihres Kerngeschäfts den Umsatz im vergangenen Jahr um ein Drittel gesteigert, den Gewinn um 175 Prozent, Tendenz steigend. Im laufenden und im kommenden Jahr soll der Umsatz laut Analyst Harm Meijer von JP Morgan Chase jeweils verdoppelt werden, bevor 2008 eine Abkühlung des Umsatzwachstums auf 20 Prozent erwartet wird.

Auslöser des für die Immobilienbranche rasanten Wachstums war der Börsengang des Unternehmens, das seit über 20 Jahren im Geschäft ist, im März. "Das Unternehmen hat durch den Börsengang eine Menge Geld, das es nun und in den kommenden Jahren nutzt, um eifrig Wohnungen zu kaufen", erklärt Meijer. Der Analyst empfiehlt, die Aktie überzugewichten und hat ein Kursziel von 26 Euro für die kommenden zwölf Monate gesetzt - ein Potenzial von rund 25 Prozent.

Analyst Kai Klose vom Bankhaus Sal. Oppenheim sieht im eigenen Niederlassungsnetz der Gesellschaft einen entscheidenden Vorteil. Zudem lobt Klose, dass sich Patrizia auf die für Wohneigentum besonders attraktiven Standorte konzentriert. "Das sind derzeit insbesondere München, das Rhein-Main-Gebiet, Hamburg, Hannover, Stuttgart und ausgewählte Teile Berlins", sagt Klose. Die Wohnungsbestände könnten so nach zwei bis drei Jahren wieder komplett verkauft werden. Auch die Deutsche Bank empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Den Wohnimmobilienmarkt in Deutschland sehen Experten generell als zukunftsträchtig an. "Während die Wohnungspreise insbesondere in Großbritannien, aber auch in anderen Staaten Europas in den vergangenen Jahren geradezu explodierten, wurde in Deutschland diese Entwicklung noch nicht mitgemacht", sagt Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Erhardt. Nun investierten zunehmend auch Ausländer in deutsche Wohnimmobilien, was dem Markt Aufschwung geben sollte. Und diese brauchen laut Meijer mangels Orts- und Marktkenntnis kompetente lokale Hilfe. Da sei es nur logisch, dass sich die Mehrzahl der Investoren an den Marktführer und das einzige bundesweit aufgestellte Unternehmen wendeten.

Analyst Klose weist zudem auf den im internationalen Vergleich noch niedrigen Anteil an Wohneigentum in Deutschland hin und registriert eine "sehr starke Nachfrage" nach dem Eigenheim. Oppenheim hat die Patrizia-Aktie als "Strong Buy" eingestuft - trotz hoher Bewertung. Die Börsianer zeigten sich von Patrizia seit dem Börsengang vor rund einem halben Jahr noch nicht begeistert. Die Aktie notiert unter dem Ausgabepreis. Dies könnte sich bald ändern. Seit Montag vergangener Woche ist die Patrizia AG im MDax notiert. "Dies wird die Marktpräsenz des Werts steigern und sollte dem Aktienkurs helfen", sagt Klose.

Risiken für das Geschäft von Patrizia sehen die Analysten insbesondere von zwei Seiten. Klose weist auf das steigende Zinsniveau hin. "Doch die Erfahrung zeigt, dass Privatkunden - und Patrizia verkauft überwiegend an Private - bei nur leicht steigenden Zinsen weiter Wohnimmobilien kaufen." Auch könnte das rasante Wachstum gebremst werden, wenn die traditionelle Neigung vieler Deutscher zu mieten statt zu kaufen, wieder Überhand nehme, meint Meijer. Selbst wenn dies aber der Fall wäre, würde dem der anhaltende Kauftrend aus dem Ausland zumindest entgegenwirken. Und Patrizia hat neben dem Kerngeschäft noch weitere Standbeine aufgebaut, insbesondere auf Immobilien bezogene Dienstleistungen für Dritte. So legte das Unternehmen etwa einen Wohnimmobilienfonds für iii-Fonds auf und ist auch im Bereich Private Equity aktiv. "Das Management ist gut, das Geschäftsmodell stimmt, und der Immobilienmarkt in Deutschland läuft gut", sagt Analyst Meijer.

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