Bei Immobilienaktien und -aktienfonds neigt sich die Phase überdurchschnittlicher Gewinne dem Ende zu
Die Zeit hoher Renditen ist vorbei

Immobilienaktienfonds haben ein goldenes Jahr hinter sich. Sie brachten ihren Anlegern in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil mehr als 40 Prozent Rendite.Doch diese Zeit ist nun vorbei. „Die Spitzenrenditen des Jahres 2004 werden sich nicht wiederholen“, sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand der auf Fondsanalysen spezialisierten Fondsconsult Research AG. Er rät Anleger deshalb, sich nicht von der vergangenen, sondern von der erwarteten zukünftigen Performance bei ihren Entscheidungen leiten zu lassen.

HB DÜSSELDORF. Er erwartet Renditen von sieben bis neun Prozent im Jahresdurchschnitt – ein Niveau, auf dem sich auch der neu aufgelegte Global Real Estate Securities Fund der Oppenheim Pramerica Fonds Trust GmbH bewegen soll. Geschäftsführer Marco Schmitz stellt für den zu 50 Prozent in den USA, 30 Prozent in Asien und darüber hinaus in Europa investierten Fonds acht bis zehn Prozent Rendite in Aussicht.

Die Prognosen fallen nicht anders aus, wenn es allein um die steuerbegünstigten Varianten der Immobilienaktien, die so genannten Reits geht. Diese speziellen Papiere dominieren den US-Markt und sind auch in einigen europäischen und asiatischen Ländern verbreitet. Jürgen Schäfer, Mitglied der Geschäftsleitung des Vermögensverwalters Feri Wealth Management GmbH, sagt: „Reits werden in diesem Jahr voraussichtlich eine gute Performance liefern, aber dass sie besser abschneiden als Standardaktien ist fraglich.“

Zumal derzeit ausgesprochene Flaute bei Immobilienaktien herrscht. „Der Markt hat vor zwei Wochen seinen Höhepunkt erlebt“, sagt Stefan Leibold, Manager des vom Bankhaus Ellwanger & Geiger aufgelegten Fonds E & G Immobilienaktien Europa. Er sieht hinter den rasanten Kursanstiegen der üblicherweise hohe Dividenden abwerfenden Immobilienaktien eine starke Nachfrage institutioneller Investoren. Es sei viel Geld von den Anleihemärkten in Immobilienaktien geflossen, beobachtet Leibold.

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Für die im Konzert der Europa-Fonds schwache Performance des eigenen, aktiv gemanagten Fonds hat er eine einfache Erklärung: „Wenn es auf einem Markt aufwärts geht, performen indexnahe Produkte immer besser als aktiv gemanagte. Wenn die Indizes schlapp machen, sind wir im Vorteil.“ Zurzeit steht der E & G Fonds besser da als die Konkurrenten. Die Grafik zeigt: Die jeweils besten US- und Europa-Fonds in der Dreijahres-Periode bewegen sich parallel zu einem vergleichbaren Index.

Dass Anleger, die Fonds mit niedrigem Risiko suchen, nicht zwangsläufig zu einem Immobilienaktienfonds greifen müssen, zeigt ein Vergleich der Volatilitäten von Reit-Fonds mit Aktienfonds, die schwerpunktmäßig in Europa, Nordamerika und global anlegen. Die Feri-Analysten ermittelten der Carmignac Grande Europe (ISIN: LU 009916993) als Europa-Aktienfonds mit der höchsten Einjahresrendite. Seine Kursentwicklung weist eine Schwankungsbreite von 11,86 Prozent auf – ein Wert, der in der Gruppe der Immobilienaktienfonds nur vom Balzac- und dem E & G-Fonds unterboten wird. Auch der maximale Verlust während des verlustreichsten Sechsmonatszeitraums in den vergangenen 36 Monaten, ein weiteres in der Fondsanalyse verwendetes Risikomaß, fällt beim Carmignac-Fonds mit 14,5 Prozent niedrig aus. Die weltweit bzw. in Nordamerika investierenden Top-Aktienfonds Tweedy, Browne-International Value (ISIN: LU 0076398568) und UBAM-US Equity Value (ISIN: 0045841987) sind mit Volatilitäten von 16,3 Prozent bzw. 17,65 Prozent ebenfalls in der Nähe typischer Immobilienaktienfonds. Ihre Maximalverluste fallen mit jeweils über 30 Prozent jedoch deutlich heftiger aus.

Die Befürworter der Reits-Einführung in Deutschland werben mit den höheren Renditen der Reits gegenüber dem breiten Aktienmarkt in den vergangenen zehn, fünf und drei Jahren. Ein Performancevergleich zwischen 1997 und 2000 würde anders ausfallen. Wie gut Reits im Vergleich sind, ist eben auch eine Frage des gewählten Zeitabschnitts.

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