Der Traum vom Eigenheim
Lobbyisten entdecken ihr Herz für junge Familien

Bau- und Immobilienverbände machen Druck auf die Politik. Die soll den Eigenheimbau fördern. Ihr Argument: In kaum einem anderen westeuropäischen Land leben weniger Menschen in den eigenen vier Wänden als hierzulande.
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DüsseldorfDeutschland ist Mieterland. In kaum einem Land der Europäischen Union ist die Wohneigentumsquote so niedrig wie in Deutschland. Das wird immer wieder beklagt, besonders laut von der Bauwirtschaft, die von einer höheren Eigentumsquote profitieren würde. Die Branche mahnt  nun über eine beim Pestel-Institut in Auftrag gegebene Studie eine massive Förderung des Wohneigentums an.

Die Fakten: 70 Prozent der europäischen Haushalte wohnen im eigenen Heim, aber nur 46 der deutschen, wie das Statistische Bundesamt im Dezember 2016 auf Basis einer Erhebung aus dem Jahr 2014 herausgefunden hat. Regional betrachtet finden sich Hamburg und Berlin mit 23 beziehungsweise 14 Prozent am Ende der Skala. Ganz vorn liegt das Saarland, wo 63 Prozent aller Haushalte in den eigenen vier Wänden leben.

Als einen der wichtigsten Gründe für den hohen Anteil von Mietern nennt Alexander Schürt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Zerstörungen deutscher Städte durch den Zweiten Weltkrieg. Staat, Unternehmen und Wohnbaugenossenschaften hätten damals massenhaft Wohnhäuser hochgezogen, was den hohen Bestand an Mietwohnungen erkläre.

Warum die Deutschen aber seitdem trotz aller Sehnsuchtsbekundungen nach den eigenen vier Wänden in Umfragen nicht häufiger vom Mieter zum Eigentümer geworden sind, dafür gibt es viele Erklärungen. Eine ist die fehlende finanzielle Förderung gerade junger Familien beim Eigentumserwerb.

Die mangelnde Unterstützung hat Pestel zufolge dazu geführt, dass die Eigentumsquote der 30- bis unter 40-Jährigen in den vergangenen 15 Jahren abgenommen hat. Das erscheint dem Institut bedenklich, weil dies die ­Kernaltersgruppe für den Wohneigentumserwerb ist. Dass nicht mehr Deutsche schon in ihren Zwanzigern Wohneigentum erwerben, erklären die Wissenschaftler mit längeren Ausbildungszeiten und unsicheren Berufsperspektiven dieser Altersgruppe.

Zudem aber, so die Studienautoren weiter, sei in weiten Teilen Deutschlands in den vergangenen Jahren der Anteil derer, die in selbstgenutztem Wohneigentum leben, insgesamt rückläufig gewesen. Dies gilt laut dem Gutachten für das Verbändebündnis „Wohnperspektive Eigentum“ vor allem für Länder und Stadtstaaten mit hoher wirtschaftlicher Dynamik wie Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. In den kreisfreien Städten beziehungsweise Großstädten beträgt die Wohneigentumsquote durchschnittlich 27 Prozent.

Pestel-Vorstand Matthias Günther stellt deshalb fest, dass das vom Auftraggeber der Studie formulierte Ziel einer Steigerung der Wohneigentumsquote von 45 bis 50 Prozent bis 2020 „ohne konzentrierte politische Maßnahmen weit verfehlt wird“. Günther geht davon aus, dass bei einer angenommen jährlichen Zuwanderung von 300.000 Personen ansonsten jährlich allenfalls eine Stagnation der Eigentumsquote bis 2025 möglich sein wird. 

Doch wie können mehr Menschen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung zu leisten? Und vor allem: Wie kann dafür gesorgt werden, dass sich Haushalte nicht heillos überschulden? Schließlich sind die eigenen vier Wände gerade in Ballungsräumen für viele Haushalte schlicht unerschwinglich.

Kommentare zu " Der Traum vom Eigenheim: Lobbyisten entdecken ihr Herz für junge Familien"

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  • Wie sollen die Deutschen ihr Wohneigentum schaffen, wenn sie zuerst einmal dafür bezahlen müssen, dass die Wohneigentümer in Südeuropa ihre Häuser behalten und vermehren können?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • "In kaum einem anderen westeuropäischen Land leben weniger Menschen in den eigenen vier Wänden als hierzulande."

    Die Feststellung ist richtig, trotzdem fragt man sich, wie das dann sein kann, wo wir doch ständig von den "etablierten" Parteien gesagt bekommen, dass "Deutschland ein reiches Land" ist.

    Die Bau- und Immobilienverbände können sich dazu gerne mit AfD-Vertretern zusammensetzen. Hier rennen Sie mit dieser Erkenntnis, nicht erst seit seit heute, "offene Türen" ein.

    Für rot-rot-grüne Politiker sind (leider) gendergerechte Toiletten wichtiger......

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