Die Büromärkte in Madrid und Barcelona sind zurzeit wenig attraktiv
Spaniens Einkaufszentren locken mit hohen Renditen

Spanier lieben es wegzugehen. Kein Volk in Europa gibt soviel Geld in Restaurants und Bars aus wie die Spanier. Im Vergleich zu den eher knauserigen Deutschen machen sie auch für Kleidung und Lebensmittel mehr Geld locker. Zudem mögen sie Gewusel, Lärm, bunte Lichter, Kino und Kinderanimationen aller Art. Das ist ein Grund, warum Einkaufs- und Freizeitzentren und luxuriös gestaltete Warenhäuser wie El Corte Inglés in Spanien florieren.

In den vergangenen vier Jahren wurden nach Angaben des Einkaufszentrenverbandes AECC landesweit insgesamt 119 Shoppingcenter eröffnet. Deren Bau kostete rund sechs Mrd. Euro. Allein im vergangenen Jahr wurden 40 neue Verbrauchermärkte eröffnet, so viele wie in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen, stellt der Einzelhandelsverband Asedas fest. In diesem Jahr hat die Verkaufsfläche der Zentren bereits um zehn Prozent auf fast zehn Mill. Quadratmeter zugenommen. Das Geld für die Flächenerweiterung, rund 1,6 Mrd. Euro, kam nach Beobachtung der Immobilienberatungsfirma Jones Lang Lasalle fast zur Hälfte aus dem Ausland.

Die Renditen spanischer Einzelhandelsimmobilien wirken anziehend. Experten beziffern sie auf sieben bis acht Prozent. Sie liegen damit leicht über denen vergleichbarer Objekte in Deutschland und Frankreich. Das Interesse der Investoren nimmt kaum ab. AECC-Chef Javier García-Renedo weiß von Plänen für weitere 280 Zentren.

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An Besuchern mangelt es nicht. Der Shoppingcenter-Verband schätzt die Zahl der samstäglichen Besucher auf sechs Millionen Menschen - ein Siebtel der Bevölkerung. "Da sind an diesem Wochentag mehr Kaufhungrige in den Zentren als Fußballfans in den Stadien", sagt García-Renedo. Doch die Anziehungskraft der Einkaufsparadiese hat auch ihre Schattenseiten. García-Renedo stellt fest: "Es ist eine große Herausforderung für Bauträger, die Stadtzentren, die teilweise verwaisen, mit guten Konzepten wieder zurückzuerobern."Ein Anfang ist gemacht: Derzeit werden vielerorts stillgelegte Bahnhöfe oder Häfen zu Shoppingzentren umgebaut.

Nur Industrie und Wohnungen rentabler

"Noch rentabler als Einkaufszentren sind in Spanien nur industrielle Immobilien und Wohnungen", sagt Franz Rainer Klaasen von der Grupo Schmack, die internationale Fonds auf den spanischen Markt berät. Im Industriebereich seien im Durchschnitt Renditen von bis zu neun Prozent zu erreichen. Große Erfolge erwartet Klasen für Investitionen in Logistikimmobilien."Hier haben die Spanier noch einen großen Nachholbedarf."

Weniger attraktiv ist seiner Meinung nach der spanische Büromarkt. Hohe Leerstände, und dadurch sinkende Mieten haben die Renditen nach unten gedrückt. Die Analysten der Beratungsfirma Atis Real Auguste-Thouard nennen für Büroobjekte in Madrid und Barcelona aktuell Renditen zwischen fünf und sechs Prozent bei Leerstandsraten von rund zehn bzw. acht Prozent.

Quelle: Handelsblatt Nr. 231 vom 26.11.04 Seite 41

Das spanische Mietrecht lässt viel Freiraum

Eine der wenigen zwingenden Vorschriften des spanischen Gewerbemietrechts lautet: Der Mieter muss mindestens zwei Monatsmieten als Kaution leisten. Ansonsten werden Mietverhältnisse in Spanien individuell gestaltet. Bekannten Filialketten werde üblicherweise zunächst der Einzug ohne Mietvertrag erlaubt, sagt Anwalt Stefan Meyer. Die Vermieter kämen bonitätsstarken Mietern oft sehr entgengen. So sei es möglich, dass der Mieter seinen Vertrag nach einem Jahr, der Vermieter aber erst nach fünf oder zehn Jahren kündigen könne. Die Mieten in Einkaufszentren sind häufig an den Umsatz und die Inflationsrate gekoppelt.

Quelle: Handelsblatt Nr. 231 vom 26.11.04 Seite 41

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