Ehrgeizige Projekte
Sarkozy träumt von Groß-Paris

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist ein Mann mit Visionen. Eine davon: „Grand Paris“ soll künftig auf einer Stufe mit New York und London stehen. Und so hat er das ehrgeizigste Stadtentwicklungsprojekt angestoßen, seit Baron Haussmann Mitte des 19. Jahrhunderts die großen Pariser Boulevards geschaffen hat. Das Ziel: mehr Lebensqualität.

PARIS. Zehn Architekten haben sich gegenseitig übertroffen, den Visionen Sarkozys vom großen Paris des Jahres 2030 ein Gesicht zu geben. Doch über Fantasiegebilde hinaus gibt es ganz konkrete Pläne, wie die Infrastruktur verbessert und die Wohnungsnot behoben werden könnten.

So soll eine neue Supermetro 130 Kilometer rund um Paris fahren und die Flughäfen Orly im Süden mit Roissy Charles de Gaulle im Norden sowie zehn neue wirtschaftlichen Zentren verbinden. Mit der schnellen Ringbahn will Sarkozy die Trennung von Paris und den Vorstädten verwischen und das Leben für die Millionen Pendler erleichtern. Die quälen sich Tag für Tag in der überfüllten. 40 Jahre alten Vorstadtbahn RER an ihren Arbeitsplatz. Als Baubeginn für das geschätzt 35 Mrd. Euro teure Projekt hat Sarkozy das Jahr 2012 anvisiert.

Hand in Hand mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur geht nach Sarkozys Vorstellung der Bau von jährlich 70 000 Wohnungen im Ballungsraum Paris, doppelt so viele wie bisher. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2030 rund 1,5 Mio. neue Wohnungen notwendig werden. Der Bau der Metro und der 70 000 Wohnungen jährlich sollen laut Regierung innerhalb von 20 Jahren in der Region mehr als eine Mio. zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Zwar überwog der Beifall für die Pläne des konservativen Sarkozy. Dennoch mahnte der sozialistische Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë Staatsgelder an, um die Pläne auch umsetzen zu können. Delanoë bedauerte zudem, dass der Bau von Sozialwohnungen nicht genügend im Zentrum stehe. Jean-Paul Huchon, der sozialistische Präsident der Region Ile-de-France, wurde konkret: „Es wird schwer die geplante Zahl von 70 000 Wohnungen pro Jahr zu erreichen. Denn selbst die Zahl 60 000 wäre ein Wunder." Und wenn es ums Geld geht, hat auch er Bedenken: „Die Finanzierung lässt zu wünschen übrig. Wir haben die Finanzierung nicht eingeplant.“ Der Staat hofft, sich mit der Region, den Départements und den Kommunen zu einigen.

Schon heute ist klar, dass das Projekt den Immobilienmarkt der Region Ile-de-France um Paris umkrempeln wird. Sarkozy hofft, dass man im Grand Paris „nicht mehr von Banlieue spricht“. Bisher hörte Paris an der emotionalen Stadtgrenze Périphérique, dem Autobahnring, der einmal um die Stadt führt, auf. Außerhalb liegt die Banlieue. Sobald man den Stadtring überschreitet und in die Vorstädte kommt, fallen die Kaufpreise für Wohnungen rapide. Sie liegen bis zu 2 000 Euro pro Quadratmeter (qm) unter dem Durchschnittspreis von rund 6 000 Euro/qm in Paris.

Die neue Stadtplanung soll nicht nur die Trennung zwischen Paris und den Vorstädten abschaffen, sondern auch das Ungleichgewicht von Büros im Westen und Wohnungen im Osten auflösen. Die Wolkenkratzer von La Defense im Westen von Paris sind das letzte große Werk der Pariser Stadtentwicklung. In Zukunft soll La Defense, geplant von Ex-Präsident Charles de Gaulle, nicht mehr das einzige bedeutende Bürozentrum bleiben. Die zehn weiteren geplanten Zentren um Paris, die an die neue Metro angebunden werden, werden den Immobilienmarkt im Ballungsraum verändern. „Mit den neuen Metrostationen wird der Grundbesitz aufgewertet“, kündigte Konjunkturminister Patrick Devedjian schon an. Denis Baupin, stellvertretender grüner Bürgermeister von Paris, fürchtet, dass dieser Effekt Immobilienspekulanten anziehen wird.

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