Einführung von Reits
Großbritannien startet Immobilientrusts

Die britische Regierung treibt die Einführung von steuerbegünstigten Immobilien-Aktien (Reits) voran und setzt damit Deutschland unter Druck. „Die Entscheidung der Briten, bis zum Sommer Reits einzuführen, setzt uns als Finanzplatz durchaus unter Zugzwang, damit Investorengelder in naher Zukunft nicht an Deutschland vorbei fließen“, sagt Heiko Beck von der Finanzplatzinitiative IFD.

FRANKFURT/LONDON. Hinter der IFD steht eine Bankengruppe, die einen Gesetzesvorschlag zur Einführung von Reits vorgelegt hat. Der Ball liege jetzt bei der sich neu formierenden Bundesregierung, sagte Beck.

Der britische Schatzkanzler Gordon Brown hatte in seiner Haushaltsrede die Einführung der so genannten Real Estate Investment Trusts angekündigt. Ziel der in den USA und Frankreich bereits erfolgreichen Reits ist es, Häuser und Gewerbeimmobilien an der Börse handelbar zu machen. Deutsche Experten schätzen das hiesige Marktpotenzial auf bis zu 120 Mrd Euro.

Reits sind letztlich eine spezielle Form der Aktiengesellschaft, die sich lediglich auf die Verwaltung von Immobilienportfolios konzentrieren. Die Gewinne sollen nahezu vollständig als Dividende ausgeschüttet und beim Aktionär besteuert werden. Im Gegenzug werden sie auf Unternehmensebene kaum oder gar nicht besteuert. Hier liegt allerdings das Problem: Einige ausländische Anleger würden aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen keine Steuern auf die Dividenden zahlen. Die neue Berliner Koalition hatte zuletzt ein sehr klares Signal gegeben, Reits wohlwollend zu prüfen. Dies sei nach wie vor der Sachstand, sagte ein Sprecher. Der offene Punkt ist jedoch nach wie vor, wie Steuerschlupflöcher gestopft werden sollen.

Großbritannien will nach den Aussagen des Schatzkanzlers Reits dazu verpflichten, 95 Prozent der Gewinne als Dividenden auszuschütten. Details zur Steuerproblematik sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Unter dem Strich dürfe die Reits-Einführung aber die Steuereinnahmen nicht beeinträchtigen, hieß es. „Man darf gespannt sein, wie die britische Regierung die auch dort relevante Fragestellung der Besteuerung der Erträge ausländischer Reits-Anleger lösen will“, sagte Beck. Die IFD hat ein Modell vorgelegt, das für sich in Anspruch nimmt, die Steuereinnahmen stabil zu halten.

Frankreich hatte bei der Einführung von Reits im Jahr 2003 auf die Klärung der Dividendenbesteuerung verzichtet. Wegen der wirtschaftlich stimulierenden Effekte geht die IFD jedoch davon aus, dass das Nachbarland durch die Immobilientrusts Steuermehreinnahmen von bis zu drei Mrd Euro verbuchen konnte.

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