Erbpachttitel und Quotensystem für ausländischen Grundbesitz geplant
Dunkle Wolken am Kap

Seit der demokartischen Wende erwarben Tausende Deutsche, Briten oder Schweizer im Süden Afrikas zu günstigen Preisen Weingüter, Appartements oder Villen. Geht es aber nach der Regierung des Kap-Staates, dann könnte der Traum bald ausgeträumt sein.

HB JOHANNESBURG. Auch Wirtschaftsmanager wie Jürgen Schrempp und Hasso Plattner oder Finanzjongleure wie Jürgen Harksen haben sich in Südafrika Immobilien zugelegt.

Für sie war es nicht nur attraktiv, sondern auch angesichts einer jährlichen Wertsteigerung von fast 25 Prozent lukrativ. Geht es aber nach der Regierung des Kap-Staates, dann könnte der Traum bald ausgeträumt sein. Voller Unbehagen beobachtet sie die Entwicklung, die zumindest regional die Immobilienpreise in für Südafrikaner oft unerreichbare Höhen treibt. Die Regierung will der Spekulation mit Grund und Boden nun einen Riegel vorschieben und erwägt die Umwandlung von Besitzurkunden in 99-jährige Erbpachttitel sowie ein Quotensystem.

Ende des Jahres, so betonte Landministerin Thoko Didiza, werde es entsprechende Beratungen mit allen beteiligten Parteien geben, damit ein mögliches Gesetz Anfang 2006 in Kraft treten könne. Fraglich blieb, ob auch bestehende Besitztitel umgewandelt werden sollen. Ausdrückliche Rückendeckung erhielt die Ministerin von Präsident Thabo Mbeki, der auf das Vorbild Schweiz und deren Ausländerpolitik verwies. Seitdem ist die Welt der Immobilienhändler und -besitzer in Südafrika - und speziell rund um Kapstadt - nicht mehr in Ordnung. Die meisten nationalen Medien sprechen ebenso wie die Opposition oder Analysten vom verkehrten Signal ans ausländische Kapital. „Die bloße Tatsache, dass die Regierung Diskussionen darüber entfacht, wird auf den Märkten in Übersee die roten Warnlampen blinken lassen“, meint Immobilienspezialist Erwin Rode. In die gleiche Kerbe schlägt Nic Borain, politischer Analyst der HSBC-Bank: „Auch nur drüber zu sprechen, dass Eigentumsrechte in eine 99-Jährige Erbpacht verwandelt werden könnten, lässt die Vision einer Art von Enteignung entstehen“, sagte er der Wirtschaftszeitung „Business Day“.

Bereits 2002 hatte eine staatliche Erhebung über ausländischen Grundbesitz für Unbehagen gesorgt. Denn viele Ausländer sind das, was mit dem englischen Begriff „absentee landlord“ beschrieben wird: Eigentümer, die nur wenige Monate im Jahr ihre Anwesen bewohnen. Und diese Zielgruppe gerät im südlichen Afrika zunehmend ins Visier von Politikern, die die Landreform in ihren Ländern voranbringen wollen. In der Tat werden derartige Immobilienbesitzer aus der Sicht der überwiegend armen Bevölkerung oft als reiche Nichtsnutze empfunden, die ihr Eigentum kaum nutzen und es damit verwirkt haben. Auch in Südafrikas Nachbarland Namibia stehen die „absentee landlords“ im Zentrum erregter Debatten bei der gerade forcierten Landreform. In Kapstadt gilt die Situation auf dem Immobilienmarkt als extrem verzerrt. Spätestens seit die Filmindustrie die Stadt entdeckt hat und sich die Schönen und Reichen dort ihr Stelldichein geben, geriet der Markt regelrecht aus den Fugen. Immobilienmakler weisen jedoch darauf hin, dass die Ausländer nur einen extrem geringen Teil des Landes besitzen und die Preisentwicklung so kaum beeinflussen. Doch die neue Kap-Provinzregierung spricht von einer „sozialen Zeitbombe“. Sie fordert für die schwarze Bevölkerung Chancengleichheit.

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