Erster interkommunaler Gewerbepark gilt bis heute als Vorzeigemodell
Vier Niederrhein-Gemeinden bündeln ihre Kräfte

Lange Zeit war der linke Niederrhein vom Steinkohlenbergbau geprägt. Neben Teilen von Duisburg zählten die Städte Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg zu festen Größen der Ruhrkohle. Doch mit der dritten Kohlerunde im Jahr 1991 kam das Aus für die Zechen-Welt.

DÜSSELDORF. Nachdem im Jahr 1990 bereits die Schachtanlage Rheinpreußen dicht machte, schloss man 1993 im Zuge der vereinbarten Rationalisierung auch die Zeche Pattberg in Moers, vor dreieinhalb Jahren dann gingen auf der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn die Lichter aus. Heute existiert nur noch das Verbundbergwerk West in Kamp-Lintfort, wo immerhin noch noch 3 800 Menschen beschäftigt sind.

Doch der harte Einschnitt der 90-er Jahre und der Verlust einer großen Zahl von Arbeitsplätzen führten zu großen Veränderungen in der wirtschaftlichen wie sozialen Struktur der Region. Grund genug für die Städte Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg, auf Grund ihrer ähnlich gelagerten strukturellen Notsituation Kräfte zu bündeln, um neue, zukunftsorientierte Arbeitsplätze "auf der grünen Wiese" zu schaffen.

Per Ratsbeschluss wurde 1992 der gemeinsame Wille zur Entwicklung des interkommunalen "Grafschafter Gewerbeparks Genend" in Moers manifestiert. "Zu diesem Zeitpunkt war interkommunale Zusammenarbeit in der Wirtschaftsförderung absolutes Neuland. Als über den eigenen Kirchturm hinweg entwickeltes Gewerbegebiet besitzt Genend bis heute Modellcharakter. Und zwar deutschlandweit", betont der Kamp-Lintforter Bürgermeister Christoph Landscheidt. Es sei eine innovative und mutige Entscheidung gewesen, immerhin hätten sich vier unterschiedlich große Städte mit insgesamt über 200 000 Einwohnern trotz aller eigenen Interessen zusammengerauft.

Als Folge dieser regionalen Selbsthilfe entstand mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen - das mittlerweile einen "Handlungsrahmen Kohlegebiete" auf den Weg gebracht hatte - ein rund 110 Hektar großer Gewerbepark im Schnittpunkt der Autobahnen A40, A42 und A57. In zentraler Lage zwischen Ruhrgebiet, Rheinschiene und den südlichen Niederlanden ist er heute Firmendomizil für rund 40 Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen, die derzeit insgesamt 1000 Arbeitsplätze an den Standort binden. Bis 2010 soll es in Genend 2000 Arbeitsplätze geben.

Dazu beigetragen hatte die Gründung der interkommunalen Wirtschaftsförderung mit dem passenden Namen "wir4", Ende 2000 als Anstalt des öffentlichen Rechts von den beteiligten Gemeinden ins Leben gerufen. "Wir4" übernimmt seither zentrale Aufgaben und managt neben den Flächen auf Genend auch alle Gewerbe-Baugrundstücke der vier Städte - ein weiteres Novum in der Bundesrepublik.

"Auf diese Weise können wir ansiedlungswilligen Firmen für ihren Bedarf optimale Flächen aus einer Hand anbieten und vermitteln", beschreibt Vorstand Hans-Peter Kaiser den Vorteil der Konstruktion. Bei der Vermittlung arbeite die Gesellschaft eng mit den städtischen Wirtschaftsförderern zusammen, so dass sich für fast jeden Interessenten geeignete Ansiedlungsflächen finden lassen.

Aktuell betreue man mehr als 50 angesiedelte Unternehmen mit über 1300 Arbeitsplätzen, die sich seit dem Start der interkommunalen Vermarktung Technologie- und Gewerbeparks der Region als Standort ausgesucht haben. Was die Flächenverkäufe im Bereich Gewerbe und Industrie angehe, liege die Region im statistischen Jahresvergleich 2003 mit kreisfreien Großstädten wie Essen oder Bochum gleichauf. Die Vermittlung bestehender Gewerbeobjekte wie Produktions- und Lagerflächen, Büros und Ladenlokale konnte nach Angaben Kaisers in den vergangenen Jahren ebenfalls erfolgreich gestaltet werden: Waren in diesen Bereichen 2003 noch mehr als 220 000 Quadratmeter zu haben, seien in den Städten Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg aktuell nur rund 97 000 Quadratmeter vakant. Seit Anfang des Jahres produziert der Dichtungssystem-Hersteller Espey-Burgmann im Gewerbepark Genend. Das über 50 Mitarbeiter zählende Unternehmen gehört zum Burgmann-Konzern und setzt jährlich sechs Millionen Euro um. "Wir waren auf der Suche nach einem preisgünstigen Grundstück, was vom alten Firmensitz nicht zu weit entfernt sein durfte. Hier sind wir fündig geworden. Die Verkehrsanbindung ist hervorragend, so dass unsere Mitarbeiter mit dem Umzug keine gravierend längeren Wege in Kauf nehmen müssen", erklärt Geschäftsführer Walter Schmöller.

Der vorherige Standort in der Nachbarstadt Duisburg sei zu klein geworden, das Gebäude entsprach nicht mehr den hohen Anforderungen in Arbeits- und Umweltschutz. Die jetzigen Gebäudekomplexe hingegen sind von Anfang an auf Expansion ausgelegt, in den kommenden fünf Jahren wolle man am neuen Standort 2,5 Millionen Euro in Maschinen investieren.

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