Expo Real
Immobilienbranche bekommt die Kurve

Nach der Lehman-Pleite fürchtete die ganze Immobilienbranche eine Kernschmelze. Der Markt verfiel in eine Schockstarre, von der er sich nun langsam wieder erholt. Die Furcht vor dem globalen Kollaps ist vorerst gebannt, die Märkte beleben sich wieder. Vom "Business-as-usual" ist die Branche auf der Immobilienmesse Expo Real aber noch ein gutes Stück entfernt.
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DÜSSELDORF. Viele Männer in dunklen Anzügen, hier und da eine Frau im Rock, volle U-Bahnen, Schlangen an den Garderoben. Es ist das gewohnte Bild. Doch so sehr sich Aussteller und Besucher auf auch darum bemühen werden: Vom "Business-as-usual" ist man auf internationalen Immobilienmesse Expo Real, die heute zum zwölften Mal in München öffnet, noch ein gutes Stück entfernt. Zu tief sitzt der Schock über weltweit rapide gesunkene Immobilienpreise und über Banken, die der Branche plötzlich und unerwartet den Geldhahn zudrehten.

Pünktlich zum Auftakt des traditionell wichtigen Jahresendgeschäft macht sich dennoch ein wenig Optimismus breit. "Es gibt so etwas wie Aufbruchstimmung", sagt Rainer Eichholz, Sprecher der Geschäftsführung der Essener Hochtief Projektentwicklung. Investoren und Developer würden die Münchener Messe für Verhandlungen nutzen: "Dabei wird die Diskussion über Preise die Expo Real beherrschen", prognostiziert Eichholz und ist sicher, dass "bis Jahresende noch einige Projekte verkauft werden."

Erleichtert gibt sich auch Andreas Quint, Deutschlandchef des internationalen Immobilienberaters Jones Lang Lasalle (JLL): "Seit Juli ist der Investmentmarkt in Deutschland nach und nach angesprungen." Noch im Mai sei der Markt "wie schockgefrostet" gewesen, nichts ging mehr, so schien es. "Zwischen Lehman-Pleite im September und April war die Furcht groß, dass es doch noch zur Kernschmelze kommen würde", beschreibt Quint die kollektive Wahrnehmung. Das habe sich ab Mai geändert: Die Angst, ins Bodenlose zu fallen, sei dem Glauben gewichen, die internationale Staatenwelt werde dies am Ende doch verhindern. "Seitdem sich die Zeichen mehren, dass die konjunkturellen Frühindikatoren wieder nach oben weisen, sehen wir auch wieder mehr Investoren auf den Immobilienmärkten", ergänzt Quint.

Die ersten, die zu kaufen wagten, taten dies mit viel Eigenkapital, manchmal verzichteten sie sogar vollständig auf den Kredit von der Bank. Inzwischen haben Finanzierer den Geldhahn wieder geöffnet, auch die Margen seien wieder gefallen, berichtet Lars-Oliver Breuer, Investmentexperte bei Immobilienberater Savills in Hamburg: "Die klassischen Immobilienfinanzierer kommen zurück ins Geschäft, bei kleinen bis mittleren Volumina sind außerdem die Sparkassen sehr aktiv."

Das bestätigen die Zahlen der Westdeutschen Immobilien Bank (Westimmo) aus Mainz. Das Tochterunternehmen der WestLB unterstützt regionale Sparkassen beim Geschäft mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Anfang des Jahres habe man für 2009 ein Neugeschäft in Höhe von sechs Mrd. Euro geplant, sagt Vorstandschef Peter Knopp und ergänzt: "Das war ein ambitioniertes Ziel." Bis Ende Juni hatten die Mainzer immerhin schon gut die Hälfte ausgereicht, bis Ende August war das Volumen noch einmal deutlich auf 4,1 Mrd. Euro gestiegen. "In Deutschland läuft das Geschäft sehr gut, hier liegen wir über Plan", sagt Knopp und bestätigt damit den Eindruck der Immobilienberater.

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