Frankreich
Weiter nach Westen

Schon 30 000 bis 50 000 Deutsche haben sich in Südfrankreich niedergelassen. Neuer Trend: statt Côte d’Azur westliche Regionen, zum Beispiel die Gegend um Montpellier.

Peter Ulbrich, einst Kameramann in der DDR, "wollte weg vom deutschen Winter". Nach der Wende nahm er die vor dem Mauerbau geknüpften Bande nach Frankreich wieder auf und zog schließlich in den Süden der Republik, in die Region Languedoc-Roussillon. "Klima und Küche bekommen uns hervorragend. Ich habe es keine Sekunde bereut, hierher gekommen zu sein."

So wie Ulbrich ziehen immer mehr sonnenhungrige Deutsche in den Raum Montpellier. Denn das klassische Ruheständler-Ziel, die weiter östlich gelegene Côte d’Azur, ist vielen zu teuer geworden. Zwar steigen auch die Preise im Languedoc, Häuser seien aber noch immer "günstiger als in Deutschland", berichtet Ulbrich. Die Region ist weniger dicht besiedelt als die verbaute Côte d’Azur, und wer nicht direkt am Meer leben will, hat große Auswahl.

Allerdings müssen Immobilienkäufer gerade bei Neubauten mit happigen Nebenkosten rechnen, sie können sich auf 25 Prozent des Kaufpreises summieren. Immerhin, die Regierung Sarkozy hat im Juli Steuervorteile für Hauskäufer beschlossen: Künftig können sie Hypothekenzinsen in den ersten fünf Jahren von der Steuer absetzen. Der maximale Abzug beträgt für Ehepaare 7 500 Euro pro Jahr – bei Deutschen setzt das voraus, dass sie ihren Lebensmittelpunkt nachweislich dort haben.

Überhaupt ist das Steuerklima in Frankreich milder geworden. Der Spitzensatz der Einkommensteuer wurde 2007 von 48 auf 40 Prozent gesenkt, zudem greift er erst ab steuerpflichtigen Einkünften von 66 679 Euro (siehe Tabelle „Steuern im Ausland“). Aber wer nur zwischen Rhein und Rhône hin- und herpendelt, muss meist weiter in Deutschland Steuern zahlen. Offen ist derzeit, wie sich die von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geplanten Prüfungen der Doppelbesteuerungsabkommen auswirken werden. Alle Verträge, die Deutschland steuerliche Nachteile bringen, sollen neu verhandelt werden.

Wer sich zum Umzug entscheidet, wird in Frankreich zahlreiche Landsleute treffen. Das Deutsche Generalkonsulat in Marseille schätzt die Zahl der in Südfrankreich zwischen Perpignan und italienischer Grenze lebenden Deutschen auf 30 000 bis 50 000. Vielerorts haben sich deutsch-französische Gemeinschaften gebildet. Obwohl sich die Deutschen in der Regel gut integriert hätten, gebe es "ein Bedürfnis, Kontakte zu Deutschen zu pflegen", sagt Petra Hall, Herausgeberin der deutschsprachigen Zeitung "Riviera-Côte d’Azur".

Ein Treffpunkt für Deutsche ist etwa das Heidelberg-Haus in Montpellier, das von den Städten Montpellier und Heidelberg, dem Auswärtigen Amt und den beiden Regionen finanziert wird. Es bietet eine Bibliothek, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen. Der "deutsch-französische Freundschaftskreis" organisiert zwei bis drei Mal im Monat Ausflüge, Besichtigungen oder Picknicks. Kaum ein Deutscher geht zurück, berichtet der Vorsitzende Wolfgang Meyer. "Das ist die große Ausnahme." Meyer hat bereits in Frankreich studiert und später in der Schweiz gearbeitet, bevor er eine Arztpraxis in Montpellier eröffnete.

Unter den Mitgliedern finden Zugereiste auch Ansprechpartner bei rechtlichen Fragen, etwa in Sachen Krankenversicherung. Probleme gibt es selten, zumal viele ihre deutsche Versicherung behalten. Allerdings sei die französische meist etwas günstiger, heißt es in den deutschen Generalkonsulaten.

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