Gastbeitrag
Wie das Wohnen in Städten bezahlbar bleibt

Der Wohnraum in den Metropolen wird knapp. Die Branche steht bereit, aber gesetzliche Vorgaben erschweren dringend notwendige Investitionen, erklärt Andreas Mattner vom ZIA, dem Hauptverband der Immobilienwirtschaft.

Der Wohn- und Lebensraum in den deutschen Großstädten wird knapp. Das allein ist sicher keine Meldung wert, schließlich sind die angespannten Wohnungsmärkte längst kein Geheimnis mehr. Doch bereits vor der starken Zuwanderung durch Flüchtlinge wurde deutlich: Deutschlands Metropolen brauchen mehr Möglichkeiten, auf die Bevölkerungsentwicklung zu reagieren und Stadtentwicklung nach europäischem Vorbild zu vollziehen.

Verdichtung heißt das Instrument der Stunde. Und dass darunter nicht die Lebensqualität leiden muss, zeigen uns Städte wie Wien und Paris.

Deutschlands Groß- und Universitätsstädte platzen aus allen Nähten. Die anhaltende Urbanisierung und jüngst auch die hohe Zuwanderung aus den Krisenregionen haben dazu geführt, dass es in nachgefragten Märkten kaum noch Wohnungsleerstände gibt. Die erfreuliche Nachricht ist jedoch: Diese Städte haben das Potenzial zu wachsen, nicht nur nach außen, sondern auch im Inneren. Ein wichtiges städtebauliches Instrument dafür ist die sogenannte Verdichtung.

Doch es gibt einige gesetzliche Grundlagen, die unsere Kommunen daran hindern. Der Paragraph 17 der Baunutzungsverordnung beispielsweise definiert die baulichen Obergrenzen für die Baugebietstypen und argumentiert mit „Lebensqualität“. Er gibt vor, wie hoch und mit wieviel maximaler Grundfläche etwa in Wohngebieten oder Mischgebieten gebaut werden darf. Die Obergrenzen liegen deutlich unter den Werten anderer europäischer Metropolen wie Wien oder Paris. Und ich habe noch nie gehört, dass es in Wien keine hohe Lebensqualität gäbe.

Auch im sogenannten Bundes-Immissionsschutzgesetz finden sich Schranken. Der dort formulierte Trennungsgrundsatz ist ein Relikt der „Charta von Athen“ aus den 1930er Jahren und eine der größten Hürden für die Entwicklung urbaner Quartiere. Er verhindert, dass Gewerbeimmobilien neben Wohnungen existieren dürfen. Dies kommt aus einer Zeit, in der niemand neben einer lauten und schmutzigen Fabrik wohnen wollte. Mitte des letzten Jahrhunderts war diese Vorschrift zweifelsohne sinnvoll.

Doch werfen wir einmal einen Blick in unsere heutigen Innenstädte. Produktionsanlagen mit Lärm- und Schadstoffausstößen haben die Zentren verlassen. Inzwischen sind die innerstädtischen Lagen etwa Berlins oder Hamburgs geprägt von der Dienstleistungs- und IT-Branche. Ein normales Bürogebäude erzeugt keinen Lärm und auch keine erhöhten Schadstoffe. Zudem übersieht der strikte Trennungsgrundsatz: Die hohen Baustandards im Bereich der Schallisolierung ermöglichen bereits seit Jahren die flexible Nutzungsmischung ohne Lärmbelästigung für Bewohner und Nutzer.

Nicht ohne Grund zieht es viele Leute in die Innenstädte. Urbane, verdichtete und an den Nahverkehr angebundene Quartiere bieten viel Lebensqualität. Hier finden Bewohner alle Facetten des Alltags: von den eigenen vier Wänden, über das Büro bis hin zu Supermärkten, Restaurants, kulturellen Angeboten und natürlich dem Stammfriseur. Eine dichtere Bebauung nach europäischem Vorbild kann für diese Lebensweise zusätzliche Räume schaffen.

Umso erfreulicher ist es, dass auch das Bundesbauministerium diesen Ideen zustimmt. Auf der Bauministerkonferenz im Oktober 2015 wurde das Programm „Neues Zusammenleben in der Stadt“ vorgestellt, das die Einführung des Gebietstypen „Urbanes Gebiet“ vorsieht und die Mischung aus typisch großstädtischen Wohn- und Arbeitsformen erleichtern soll. Diese Einführung sollte schnellstmöglich stattfinden.

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