Gebäudeversicherung
Rohrbrüche kosten Marge

Alte Häuser verderben das Geschäft: Die Versicherungskonzerne wollen nach den Verlusten der letzten Jahre nun ihre Tarife erhöhen.

KÖLN. Auch in diesem Jahr werden nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft die Prämieneinnahmen in der Sparte „Verbundene Wohngebäudeversicherung“ nicht ausreichen, um die Kosten für die Schäden und den Versicherungsbetrieb zu decken. Die Mehrzahl der Gebäudeversicherer denkt deshalb nach jahrelangen Verlusten über neue Tarife nach.

Diese sollen das Alter der zu versichernden Gebäude stärker berücksichtigen. Denn der Hauptgrund für die Defizite sind Schäden durch Rohrbrüche. Sie machen das Gros der Schadenzahlungen der Wohngebäudeversicherer aus. Kommen Stürme oder andere Großschadenereignisse hinzu, rutschen die Wohngebäudeversicherer sogar deutlich ins Minus.

In den letzten Jahren haben sich bereits Rabatte für Neubauten in den ersten zehn Jahren durchgesetzt. Einige Anbieter im Markt versichern Kunden mit besonders häufigen Schäden nur gegen Mehrbeiträge weiter. Doch das reicht offenbar nicht. Neben einer Staffelung der Tarife nach dem Alter der Gebäude soll die Bauweise eines Hauses (massiv oder Fertigbau), die Art der Verrohrung und die Lage der Heizungsanlage berücksichtigt werden, fordert Ralf Meyer vom Verband der Öffentlichen Versicherer.

Die öffentlichen Versicherer sind von der Leitungswasserproblematik besonders getroffen. Vor der Deregulierung des Versicherungsmarktes hatten sie teilweise Gebietsmonopole und kommen jetzt noch auf einen Marktanteil von 39 Prozent der Prämien (branchenweit 4,0 Mrd. Euro). Zudem ist ihr Hausbestand vergleichsweise älter und damit tendenziell anfälliger für Schäden.

Derzeit pendelten sich die Schadenzahlen auf hohem Niveau ein, sagt Meyer. Die Schadensituation könnte sich für einen Teil der Versicherer demnächst sogar weiter verschärfen: Auf Grund einer EU-Richtlinie müssen die Kommunen bis 2015 ihre Abwassernetze dicht haben. Nach Untersuchungen der Wasserversorger muss das Abwassernetz großflächig saniert werden. Ein Teil dieser Kosten könnte die Assekuranz treffen. Mitte der 90er-Jahre hatten nämlich viele Versicherer ihren Schutz in der Wohngebäudeversicherung auch auf Ableitungsrohre ausgedehnt. Inzwischen hat die Mehrzahl der Anbieter diese Klauseln wieder gestrichen, und einzelne Häuser, wie beispielsweise die Signal Iduna, bieten die Deckung von Abwasserrohren nur noch gegen einen Mehrbeitrag an.

Um Wohngebäudeversicherungen zu sanieren, müsse man an allen Hebeln, also bei Kosten und bei Preisen ansetzen und einen langen Atem haben, sagt Christian Kluft, von der Victoria Versicherung. Die Preise ließen sich nur bei neuen Verträgen sofort erhöhen. Wegen der Vertragslaufzeiten von meist fünf Jahren beträfe das immer nur 20 Prozent des Bestandes. Der Wettbewerb lasse Preiserhöhungen aber kaum zu.

Doch verabschieden will sich aus dem schwierigen Geschäft kein Versicherer. Der Grund: Die verbundene Wohngebäudeversicherung gilt in der Branche als Ankersparte, durch die man einen Zugang zum Kunden und damit zu weiterem Geschäft erhält. Auch sind Hausbesitzer treue Kunden.

Für Spezialversicherer wie etwa die Hausbesitzer-Versicherung ist die Lage besonders ernst. Diese Gesellschaft hat sich auf Versicherung rund um die Immobilie spezialisiert. Eine Quersubventionierung durch andere Sparten sei kaum möglich, sagt Vorstand Andreas Post. Mit einer vorsichtigen Annahmepolitik, risikoorientierten Deckungskonzepten, die sich schon teilweise am Alter der Gebäude orientieren, und Vertragssanierungen gelang ihr 2005 ein knapp ausgeglichenes Ergebnis. Gebäude mit mehr als einem Leitungswasser-Vorschaden versichert die Hausbesitzer-Versicherung nicht mehr.

Darüber hinaus versuchen die Versicherer, die Schadenkosten zu begrenzen. "Leitungsschäden werden von uns besonders schnell bearbeitet, um Nachfolgeschäden wie etwa Schimmelbildung zu vermeiden", sagt Monika Sebold-Bender vom Vorstand der Westfälischen Provinzial.

Hintergrund: Antiquiertes Tarifsystem

Die Versicherung: Versichert sind Schäden durch Feuer, Blitzschlag, Explosion, Flugzeugabstürze, Leitungswasser, Rohrbrüche, Frost. Hagel und Sturm am Gebäude sowie seinen Bestandteilen (Parabolantennen, Hundehütten.)

Der Preis: Er bemisst sich an der Versicherungssumme, die auf Hauspreisen von 1914 basiert. Selbstbehalte lassen sich nur schlecht verkaufen. Sie würden dafür sorgen, dass Versicherte mehr an der Verhütung von Schäden interessiert sind.

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